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An den Bahnhöfen in Bernau, Übersee und Bergen

Kollaps mit Ansage: 9-Euro-Ticket kommt, aber die Parkplätze fehlen

Auf knapp 40 Plätzen kann man in Bergen am Bahnhof parken, aber schon kurz vor acht Uhr sind die Plätze belegt. Einige Autos stehen sogar auf der Wiese.
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Auf knapp 40 Plätzen kann man in Bergen am Bahnhof parken, aber schon kurz vor acht Uhr sind die Plätze belegt. Einige Autos stehen sogar auf der Wiese.

Eigentlich ein Traum: Für 9 Euro kann man künftig den kompletten Nahverkehr nutzen. Nur gibt es schon jetzt zu wenig Parkplätze an der Strecke München-Salzburg. Droht ab Juni der Kollaps im Chiemgau?

Bernau/Übersee/Bergen – Wenn ein Liter Diesel mehr als zwei Euro kostet, dann wird auch für Autopendler die Bahn als Alternative attraktiv. Dumm nur, wenn der Umstieg auf die Bahn nicht gelingt, weil schlicht kein Parkplatz am Bahnhof frei ist. Auch an der Bahnstrecke von München nach Salzburg fehlen die Plätze für Pendler.

„Bei uns ist das ein massives Problem“, sagt Stefan Schneider, Bürgermeister von Bergen. Schon seit Jahren fehlen die Parkplätze, auch wenn sich die Situation während der Pandemie etwas entspannt habe, weil viele Menschen ins Home Office wechselten. „Wir hatten auch Beschwerden von Anwohnern, weil zum Teil sehr wild geparkt wurde“, berichtet Schneider im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Viele Auswärtige nutzen Bahnhof

Die bestehenden Parkplätze sind zwar auf dem Grund der Gemeinde, aber sie reichen bei Weitem nicht aus. Nicht nur Pendler aus Bergen stehen dort, sondern auch viele Auswärtige: „Von Ruhpolding und Siegsdorf kommen auch Viele, um nach Rosenheim oder München zu fahren.“ Auch wenn es streng genommen nicht nur um Bergener Bürger geht, sei im Haushalt der Gemeinde ein Budget für eine Verbesserung der Situation eingeplant.

Susanne Stute aus Siegsdorf fährt mit dem Zug um 7.50 Uhr nach München. „In der Regel kriege ich noch einen Parkplatz, aber manchmal wird es schon eng. In Traunstein ist das ja auch so“, erzählt sie am Bahnsteig. Anders sei das in Kolbermoor: „Da gibt es jede Menge Park and Ride-Plätze.“ Nur sei das eben auch nicht der nächste Weg.

Immerhin kosten die knapp 40 Parkplätze in Bergen keine Gebühr. An der nächsten Bahnstation in Übersee werden hingegen Parkgebühren verlangt. Ein Euro kostet das Parken dort pro Tag. Die Parkgebühren wurden dort eingeführt, um die Unterhaltskosten für die Parkplätze zu finanzieren. Auch in Übersee parken nicht nur Ortsansässige, sondern viele Bahnfahrer aus anderen Gemeinden. Auf Nachfrage im Rathaus heißt es, die rund 150 Plätze seien ausreichend. Man habe sogar einen zusätzlich geschaffenen Parkplatz während der Pandemie wieder gesperrt – bis heute.

Der Platz fehlt auch in Bernau

Anders in Bernau, wo die Plätze noch kostenlos sind. „Ich bin selbst jahrelang mit der Bahn gependelt. Mit viel Glück schafft man den 8-Uhr-Zug nach München, aber danach ist alles voll“, sagt Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Sie räumt ein, dass das Thema Parkplätze derzeit nicht auf der Agenda stehe, auch wenn das Problem massiv sei. „Wir haben leider derzeit noch dringlichere Themen, zum Beispiel fehlende Kindergartenplätze“, sagt die Bürgermeisterin. Ihr sei aber sehr daran gelegen, dass mehr Leute die Bahn nutzen können. „Uns fehlt im Grunde ein Grundstück“, sagt Biebl-Daiber. Auch ein Parkhaus könne sie sich vorstellen, wobei dann auch Parkgebühren nötig sein könnten. Sie hätte lieber schnell eine Lösung, machbar sei das aber nicht. Immerhin sollen die Radfahrparkplätze erweitert werden. „Die sind jetzt schon knapp“, meint Biebl-Daiber.

Laut der Bayerischen Regionalbahn (BRB) habe sich die Nachfrage auf der Bahnlinie in jüngster Zeit verstärkt. Dies liege an der Lockerung der Corona-Maßnahmen und dem Wegfall der Homeofficepflicht. Neben den Berufspendlern seien es aber jetzt auch Menschen, die die Strecke verstärkt in der Freizeit nutzen, so Sprecherin Annette Luckner.

Durchs Land für neun Euro

Die Bundesregierung plant im Rahmen des Entlastungspakets für Bus und Bahn ein besonderes Angebot für alle Bürger. Mit dem sogenannten Neun-Euro-Ticket kann jeder in den Monaten Juni, Juli oder August für jeweils neun Euro pro Monat im Nahverkehr durch ganz Deutschland fahren. Auch Pendler, die beispielsweise eine Jahreskarte von Bernau nach München haben, zahlen in diesen Monaten den geringeren Preis.

Kritiker haben die Sorge, dass dies den Nahverkehr überlasten wird. Diese Einschätzung teilt auch die Bayerische Regionalbahn, die die Verbindung auf der Strecke von München nach Salzburg betreibt. „Wir befürchten, dass es knapp werden könnte, wenn am Wochenende viele Ausflügler unterwegs sind“, so Luckner. Daher empfiehlt die BRB, folgende Reisezeiten im Netz Chiemgau-Inntal zu vermeiden:

In Richtung Salzburg zwischen 8 und 9 Uhr. In Richtung Kufstein zwischen 10 und 11 Uhr und in Richtung München von 16 bis 18 Uhr.

Die BRB versuche so, die Fahrgastströme zu entzerren. „Wo es möglich ist, werden Zugteile angehängt, doch leider geht das nur bedingt“, so Luckner.

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