Prozess gegen 49-jährigen Gefangenen

Häftlinge berichten vom tödlichen Gewaltausbruch in JVA Bernau

Prozess zu tödlichem Hofgang in Gefängnis
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Der wegen Totschlags angeklagte 49-Jährige (r) sitzt vor Prozessbeginn zusammen mit seinem Anwalt Timo Westermann im Sitzungssaal im Landgericht auf seinem Platz. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, bei einem Hofgang in der Justizvollzugsanstalt in Bernau im Streit einen anderen Häftling getötet zu haben

Bernau/Traunstein - Während des Hofgangs ist die Situation wohl im Nu eskaliert: Ein 49-Jähriger soll einen Mithäftling so schwer geschlagen und getreten haben, dass dieser ums Leben kam. Am Montag, 25. Mai, steht er vor Gericht.

Das Wichtigste in Kürze: 


  • Angeklagter soll auf Mithäftling eingeschlagen und eingetreten haben
  • Opfer starb in der Folge
  • Anklage lautet auf Totschlag
  • Angeklagte bestätigt Auseinandersetzung, leugnet aber Siegerpose
  • Häftlinge berichten vom tödlichen Gewaltausbruch

Update, 15.58 Uhr - Häftlinge berichten vom tödlichen Gewaltausbruch in JVA Bernau

Nun berichteten einige Mithäftlinge von der brutalen Schlägerei im Sporthof der JVA Bernau. Weit über 100 Häftlinge befanden sich an jenem 15. August 2019 auf dem Volleyball- und Basketballfeld - nicht jeder der Zeugen hatte also während der Auseinandersetzung stets klare Sicht auf das Geschehen. Aber: Die geladenen Mithäftlinge bestätigen die Schläge und Tritte. Einer bestätigt dem Gericht auch den "finalen" Tritt, wodurch der Kopf des 30-jährigen so stark auf den Asphaltboden aufschlug, dass der Mann verstarb.


"Die Schläge waren nicht Ohne, da war richtig Power dahinter", so einer der Bernauer Häftlinge. Viele von ihnen sitzen mit Fußfesseln oder Handschellen vor dem vorsitzenden Richter Erich Fuchs. Es muss alles sehr schnell gegangen sein, höchstens 15 Sekunden habe der Kampf gedauert, bei der die Fäuste zuerst aus beiden Richtungen flogen. Ein Gefangener gab an, dann dazwischen gegangen zu sein: "Was soll das? Der kann sterben!", habe er in Richtung des Angeklagten gerufen. Seine Antwort laut dem Zeugen: "Der stirbt schon nicht."

Der 30-jährige Kroate lag in seinen letzten Minuten zitternd und mit zusammengebissenen Zähnen auf dem Boden. Zuvor musste er sich laut den Mithäftlingen auch übergeben. Die Erste Hilfe inklusive stabiler Seitenlage, die ein Gefangener leistete, half nicht mehr. "Puls war noch da, er hat noch gehechelt." Manche Gefangene und auch ein Nebenklagevertreter bemängelten aber, dass der Arzt vom Wachpersonal viel zu spät gerufen wurde.

Zwischen dem Angeklagten, ein 49-Jähriger mit bulgarischer Staatsangehörigkeit, und dem Opfer kam es laut den Zeugen in den Tagen zuvor zu gegenseitigen Beleidigungen. Sie richteten sich wohl gegen Familienangehörige. Auch der später getötete Kroate habe gegenüber einem Mithäftling gesagt, dass er das nicht "auf sich sitzen lassen" wolle. Tatsächlich komme es bei den Hofgängen in der JVA Bernau, laut einem Häftling, regelmäßig zu Gewaltausbrüchen - "sicher ein- bis zweimal im Monat".

Ein Urteil wird am Montag nicht mehr gesprochen. Weitere Verhandlungstage sind für den 26. Mai und den 16. Juni angesetzt.

Update, 12.15 Uhr - Angeklagter leugnet Auseinandersetzung nicht

Der Angeklagte wird sich heute nicht zur Tat äußern, das steht fest. Er lässt nur zwei Sätze über seine Anwälte verkünden: "Es gab eine Auseinandersetzung, aber die ging vom Geschädigten aus. Eine Siegerpose hat es nicht gegeben." Heißt konkret: Der 49-Jährige leugnet die tödlichen Schläge und Tritte nicht.

Doch welche Hintergründe hatte die brutale Auseinandersetzung? Ein Kripo-Beamter sagt aus, dass Beleidigungen aus beiden Richtungen wohl mit ein Grund gewesen sein müssen - schon etwa eine Woche vor der Tat. "Manche Häftlinge haben schon gesagt, wenn die zwei Mal aufeinandertreffen, dass es dann scheppern würde", so der Polizist.

Bekannt wurde außerdem, dass der Angeklagte mit Drogen zu tun hatte. Nach der Tat wurde ihm Blut und eine Haarprobe abgenommen. Licht ins Dunkel könnte nun eine ganze Reihe an Mithäftlingen bringen, die als nächstes als Zeugen aussagen werden.

Update, 9.56 Uhr: Faustschläge und Tritte ins Gesicht 

Details aus der Anklage geben nun ein Bild, wie brutal die Schlägerei im Bernauer Gefängnis gewesen sein soll. Auf einem Basketballplatz im Hof der JVA soll sich das 30-jährige Opfer zum Schuhebinden gebückt haben - der Angeklagte soll schon auf der Suche nach ihm gewesen sein. Als sich sein Rivale aufrichtete, habe es den ersten Faustschlag ins Gesicht gesetzt.

Laut Staatsanwaltschaft folgte eine wilde Schlägerei zwischen den beiden, bei der der 30-Jährige schließlich auf dem Boden gelandet sei. Der 49-jährige Angeklagte soll dann mit dem Fuß von oben nach unten ins Gesicht des 30-Jährigen getreten haben. "Der leicht angehobene Kopf schlug hierbei mit großer Wucht auf den asphaltierten Boden", verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift. Der Mithäftling sei dann bewusstlos geworden und habe die Augen verdreht.

"Der Angeschuldigte stellte sich in Siegerpose neben den Geschädigten und ging schließlich weg, als er merkte, dass dieser sich nicht mehr rührte", heißt es von der Staatsanwaltschaft weiter. Eine Reanimation blieb erfolglos. 40 Minuten später stellte ein Notarzt den Tod des Mithäftlings fest. Unter anderem wurde beim Getöteten eine Hirnblutung festgestellt.

Die Anklage lautet auf Tötung. Wie wird sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern?

Vorbericht:

"Es muss sich um eine kurze Situation gehandelt haben, die Justizvollzugsbeamten hatten keine zeitliche Möglichkeit einzugreifen", erklärte der stellvertretende Leiter des Gefängnisses gegenüber rosenheim24.de, nach dem tragischen Zwischenfall in der JVA Bernau am 15. August 2019. Im Rahmen des Hofgangs kam es zum Streit zwischen zwei Häftlingen. Ein heute 49-jähriger Bulgare traktierte einen 30-jährigen Mithäftling dann wohl mit Schlägen und Tritten so lange, bis er an schweren Hirnverletzungen starb. 

Nun muss sich der 49-Jährige vor dem Landgericht in Traunstein verantworten. Angeklagt ist er wegen Totschlags. 

Wir berichten aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht. 

xe

Quelle: rosenheim24.de

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