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Gemeinderat vertagt Entscheidung

Photovoltaik im Bernauer Moos: Energiewende oder Tourismus?

Die Energiewende ist ein Gebot der Stunde, doch wenn es um konkrete Entscheidungen geht, kommen Poliker vor Ort manchmal in ein Dilemma. So geschehen vor kurzem im Bernauer Gemeinderat. Eine Firma möchte inmitten der Landschaft nahe des Chiemsee großflächige Photovoltaikanlagen aufstellen.

Bernau – Der Bernauer Gemeinderat war sich in seiner jüngsten Sitzung einig, die Entscheidung zu vertagen, ob zwei Flächen im Bernauer Moos für großflächige Photovoltaikanlagen überplant werden. Das Gremium kam mit der Verwaltung überein, dass die Projektanten zu einem Vortrag in eine der nächsten Sitzungen eingeladen werden sollen.

Bebauungsplan wäre notwendig

Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell (CSU) führte den Vorsitz. Er vertritt nach wie vor Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU), die sich noch in Elternzeit befindet. Er berichtete, dass das Thema bereits nicht-öffentlich vorberaten worden sei. Das Projekt könne nur über die Bauleitplanung ermöglicht werden. Das hieße, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen.

Eine Fläche zählt zu Hittenkirchen und eine zu Bernau. Beide sind laut Jell nicht Teil des Landschaftsschutzgebiets: „Die Ansicht vom Bernauer Berg kommend mit Blick auf und über den Chiemsee mit seinen Vorbereichen nördlich der Autobahn könnte als besonders schützenswerte Landschaft – auch für den Tourismus – betrachtet werden.“ Für Bernau seien Tourismus und Landschaftsbild eine wichtige Wirtschaftskraft.

„Der Standort sollte gut überlegt werden“

Die Errichtung von Photovoltaikanlagen sei grundsätzlich wünschenswert und werde von der Gemeinde vorangetrieben. Eine großflächige Anlage sei an der Autobahn über die Bauleitplanung bereits ermöglicht worden. „Dies ist grundsätzlich sinnvoll, jedoch sollte der jeweilige Standort gut überlegt werden.“ Jell zitierte mehrere Absätze aus dem Landesentwicklungsplan (LEP). Unter anderem ist darin festgelegt, dass Freiflächen-Photovoltaikanlagen möglichst auf vorbelasteten Standorten verwirklicht werden sollen. Als Beispiel nannte er an die Autobahn angrenzende Flächen.

Landschaft und Naturraum erhalten

Jell gab zu Bedenken, dass eine solche Anlage das Landschaftsbild vor dem Chiemsee beeinträchtigen könne. Um dies zu untermauern, las er aus dem LEP die Passage zur Entwicklung, Ordnung und Sicherung des Alpenraums vor, wonach Vielfalt, Schönheit und Eigenart der Landschaften samt Tier- und Pflanzenwelt erhalten werden sollen.

Weiter sagte Jell, dass bei einer Überplanung der Flächen mit Bezugsfällen zu rechnen sei. Jakob Müller (CSU) unterstützte den Vorschlag von Rathaus-Geschäftsleiterin Irmgard Daxlberger, den Beschluss zu verschieben und sich erst näher über das Projekt zu informieren. Zweiter Bürgermeister Jell schloss sich an und sagte: „Das ist so elementar wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen sollten.“

Mit dem Beschluss folgte der Gemeinderat der Empfehlung von Klimaschutzmanager David Schmidtner, zuständig für die Gemeinden Bernau und Aschau. In einem Schreiben, das den Sitzungsunterlagen beigefügt war, gab dieser allerhand Aspekte zu bedenken.

Als Grundvoraussetzung für Projekte dieser Größenordnung empfahl Schmidtner in dem Schreiben zum Beispiel die Option einer Bürgerbeteiligung.

Blumen und Schafe um die Anlage herum

Freiflächenanlagen förderten die biologische Vielfalt, weil anstelle landwirtschaftlicher Nutzung über 20 bis 30 Jahre hinweg zum Beispiel Blühwiesen und Schafweiden um die Anlage herum entstehen könnten. Optisch gewöhne man sich an den Anblick, Nutzen und Notwendigkeit für eine Energiewende vor Ort würden überwiegen.

Was den Tourismus betreffe, schreibt er, dass ohne saubere Energie auch kein sauberer Tourismus in intakter Natur möglich sei. Bayern sei das sonnenreichste Bundesland und Solarenergie ein Hauptpfeiler sauberer Energieerzeugung. Was die Standortfrage betreffe, gebe es in Bernau nur wenige geeignete Flächen.

Am Ende bat der Klimaschutzmanager das Gremium, dem Projektentwickler, der Firma Max Solar, die Möglichkeit zu geben, sich und das Projekt vorzustellen.

Dieser Empfehlung will der Gemeinderat nach eigener Aussage folgen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa (Symbolbild)

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