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„Neuartige und oft unsichtbare Bedrohung“

Plastikmüll wohl nicht der Grund: Wie das Mikroplastik im Chiemsee landet

Nur ein Teil der Ursache für Mikroplastik: der sichtbare Kunststoffmüll am Chiemseeufer.
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Nur ein Teil der Ursache für Mikroplastik: der sichtbare Kunststoffmüll am Chiemseeufer.

Achtlos weggeworfener Müll auf dem Chiemsee ist immer wieder ein Ärgernis. Doch der Hauptgrund für den Eintrag kleinster Plastikteilchen ins Bayerische Meer ist er augenscheinlich nicht. Hier spielen zwei andere Faktoren eine bedeutende Rolle.

Bernau – Vor drei Jahren machten sich Forscher der Universität Bamberg daran, den Eintrag von Mikroplastik im Chiemsee zu untersuchen. Damals sprachen die Forscher von “auffällig hohen Werten an Mikroplastik“ an der Hirschauer Bucht östlich des Mündungsdeltas der Tiroler Ache.

Aber auch wenn aus dem Chiemsee immer wieder Plastikmüll gefischt werde, liege das Problem in Sachen Mikroplastik ganz woanders, sagt ein Priener Naturführer.

Es fehlt an Referenzwerten

Von der Untersuchung der Universität Bayreuth vor drei Jahren ist Heinz-Jürgen Pohl nicht unbedingt überzeugt. „Die vor einigen Jahren gemachten Untersuchungen, waren leider nicht sehr wissenschaftlich korrekt“, mahnt der Naturführer aus Prien. Denn: Zwar habe man einen bestimmten Anteil an Mikroplastikpartikeln in den Proben gefunden, aber es fehle der Vergleich zum Eintrag in andere Gewässer.

Wissenschaftlich ausgedrückt: die Referenzwerte zu anderen Gewässern ähnlicher oder gleicher Struktur wie der Chiemsee.

Aus dem Chiemsee fischen Wasserwacht und Wasserschutzpolizei pro Saison etwa drei große Säcke Müll zusammen. Selbst Autoreifen und Kanister hat man dort schon aus dem Wasser geholt. Schwierig sei es für die Ordnungshüter freilich, herauszufinden, wer seinen Unrat widerrechtlich im Bayerischen Meer entsorgt, wie der Leiter der Wasserschutzpolizei in Prien, Roland Kempf, schildert.

Reifenabrieb und Kosmetik

Aber der Eintrag von Mikroplastik in den Chiemsee komme nicht hauptsächlich durch eben jenen Müll, den Menschen unachtsam im Wasser entsorgen. So ist es zumindest einem Papier des EU-Projektes „LIFE Blue Lakes“ zu entnehmen“, welches sich mit dem Problem von Mikroplastik in Seen beschäftigt.

„Die bedeutendste Ursache für Mikroplastik ist laut einer Studie des Umweltbundesamtes der Reifen- und Straßenabrieb und dessen Auswaschung in die Gewässer“, ist darin zu lesen.

Aber auch andere Branchen würden zur Belastung der Gewässer mit Mikroplastik beitragen. Denn in Kosmetik- und Reinigungsmitteln komme zum Teil Mikroplastik zum Einsatz oder es entstehe als Faserabrieb beim Tragen und Waschen von Kleidungsstücken aus synthetischen Stoffen.

Neuartige und oft unsichtbare Bedrohung

„Über das Regen- und Abwasser findet so Mikroplastik seinen Weg in Seen und Flüsse“, so die Autoren des Papiers. Auch diese kritisieren: Während die Auswirkungen des Mikroplastiks auf die Meere seit vielen Jahren untersucht werden, seien Studien zu den Folgen von Binnengewässern hingegen „eher spärlich“ vorhanden.

Das führt die Autoren des Papiers zur Schlussfolgerung: „Mikroplastik ist eine relativ neuartige und oft unsichtbare Bedrohung, die unsere fragilen Ökosysteme gefährdet und deren genaue und langfristige Auswirkungen noch weitgehend unerforscht sind. Es ist davon auszugehen, dass gerade Seen sehr empfindlich reagieren, da sich hier die Partikel konzentrieren können.“

Grobe Stücke nicht der Hauptfaktor

Auch eine Studie des österreichischen Umweltbundesamts sieht groben Kunststoffmüll, der in der Natur entsorgt wird, nicht als Hauptfaktor, der zu Mikroplastikeinträgen in Gewässer führe.

„Der Beitrag durch Littering (Vermüllung, Anm. d. Red.) in Österreich kann nur sehr grob aus wenigen Einzeldaten geschätzt werden und dürfte unter 0,5 Prozent der gesammelten Kunststoffabfallmenge von 875.000 Jahrestonnen betragen“, schreibt die Behörde über die Situation in der Alpenrepublik.

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