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Neue stellvertretende Frauenbeauftragte

„Frauen leisten dasselbe wie Männer“: Bernauer Feuerwehrfrau Sophie Hamberger im Porträt

Sophie Hamberger ermutigt Frauen, zur Feuerwehr zu gehen – im Bild ist die neue stellvertretende Frauenbeauftragte im Kreis ihrer Kameraden Marinus Gsinn (links) und Kreisjugendwart Manuel Phömerer.
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Sophie Hamberger ermutigt Frauen, zur Feuerwehr zu gehen – im Bild ist die neue stellvertretende Frauenbeauftragte im Kreis ihrer Kameraden Marinus Gsinn (links) und Kreisjugendwart Manuel Phömerer.

Viele Feuerwehren haben kaum weibliche Mitglieder. Wie lässt sich das ändern? Die neue stellvertretende Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim ermutigt interessierte Frauen.

Bernau – Vor sieben Jahren hat Sophie Hamberger aus Bernau ihre Leidenschaft für die Feuerwehr entdeckt. Heute mit 21 Jahren will sie als neue stellvertretende Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim mehr Frauen als Kameradinnen an Bord holen. Dafür seien Aktionen nötig, ist sich Hamberger sicher.

„Frauen sind unsicher, was sie erwartet“

„Viele Frauen trauen sich noch immer nicht, zur Freiwilligen Feuerwehr zu gehen. Sie sind unsicher, was sie dort erwartet und wie sie als Frau aufgenommen werden“, schildert die Feuerwehrfrau. Nicht jede junge Frau ist sofort derart von der Feuerwehr angezogen wie sie es war. „Ich war 14, als ich mit meinen Eltern nach Bernau gezogen bin und ein Plakat der Jugendfeuerwehr gesehen habe. Mein Schwager meinte, er könne sich mich dort gut vorstellen und so bin ich gleich zu einer Gerätekundeübung gegangen“, erinnert sich Hamberger. Noch am selben Abend ließ sie ihre Mutter den Anmeldezettel unterschreiben – und stieg ein in die Jugendfeuerwehr.

Sie helfen Menschen, Tieren – und einander

Faszinierend an der Feuerwehr ist für die Schreinerin, die im Oktober als Angestellte im Gesundheitsamt Berchtesgaden eine neue Arbeit beginnt, gleich Mehreres: „Wir halten in und auch zwischen den Feuerwehren zusammen. Da ist eine schöne Kameradschaft vorhanden“, so Hamberger. Treffe man irgendwo jemanden von der Feuerwehr, habe man sofort ein Gesprächsthema. Das verbinde. Nicht zu vergessen die Hilfe in der Not: „Wir retten Menschenleben, Tierleben und sind für Verunfallte da“, so Hamberger. Für Hilfsbedürftige springen die Feuerwehrmitglieder auch regelmäßig in die Bresche. In der Coronazeit gaben sie Näh-Kits an Freiwillige aus, die damit Mundschutz-Masken nähten. Die Feuerwehr konnte anschließend mehr als 10 000 Masken zu bedürftigen Leuten bringen.

Die meisten ihrer rund 60 Einsätze im Jahr erlebt Sophie Hamberger auf der A8 zwischen Frasdorf und Übersee. Wenn sie und ihre Kollegen dort zur technischen Hilfeleistung angefordert werden, bergen sie Autos, die liegengeblieben oder ineinander gekracht sind. Immer wieder auch Fahrzeuge von Lenkern, die eingeschlafen sind und dann die Leitplanke touchierten. Auch wenn Lastkraftwagen Teile ihrer Ladung verlieren, rückt de Feuerwehr aus. Verkehrsabsicherungen wie etwa Straßensperren bei Gaufesten, Kleintierrettungen und Kellerauspumpen bei Hochwasser sind weitere Einsatzfelder – Brände dagegen vergleichsweise selten.

Wenn die engagierte junge Frau mit ihren Kollegen ausrückt, ist sie in der Minderheit. In der Bernauer Feuerwehr sind von 56 Mitglieder nur vier Frauen, in der Jugend acht von 15. „Da kommen schon mehr junge Frauen“, freut sich Hamberger, die auch Bezirksjugendsprecherin für den Regierungsbezirk Oberbayern ist. Einen Grund dafür, warum sich noch immer erst so wenige Frauen zur Feuerwehr trauen, sieht sie darin, dass es am Land noch weniger frauenfreundlich sei als in der Stadt.

„Frauen können dasselbe leisten wie Männer“

Hamberger konkretisiert es so: „Da herrscht halt oft noch eine schroffere Einstellung. Manche Männer sehen Frauen bei der Feuerwehr noch immer kritisch und fragen sich, ob eine Frau das überhaupt kann.“ Kann sie, beweist Sophie Hamberger seit sieben Jahren und ebenso ihre Kolleginnen im Landkreis. „Wenn es nicht passt, sagt man als Frau auch einmal etwas. Eine Frau kann dasselbe leisten wie ein Mann. Körperlich brauchen auch manche Männer die Hilfe der Kollegen“, so Hamberger. Blöde Sprüche wie „Kannst du das eh tragen?“ hätten manche immer scherzhaft auf den Lippen, so Hamberger. Sie nehme dergleichen leicht und meint dazu: „Wir sind halt immer noch in Bayern.“

Den Frauen zeigen: „Ihr seid nicht allein“

Frauen zur Feuerwehr bringen wollen sie und ihre Kolleginnen mit Aktionstagen. Bei denen sollen interessierte Frauen erfahren, was sie bei der Feuerwehr erwartet und wer ihre Ansprechpartnerinnen sind. Sie wollen Interessierten zeigen: „Ihr seid nicht allein.“

Auch nach einer Babykarenz könne man wieder einsteigen, so Hamberger: „Schon jetzt fahren zu vielen Einsätzen am Vormittag hauptsächlich Frauen.“ Es sind die Mütter, deren Kinder vormittags Kindergarten oder Schule besuchen und deren Männer in der Arbeit sind. Hamberger: „Wir brauchen Frauen bei der Feuerwehr und wollen ihnen diese schöne Aufgabe ans Herz legen.“

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