Weder Bürgermeister noch Gegner verschont

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Bernau - Unterhaltung vom Feinsten war beim Bernauer Starkbierfest geboten: Fastenpredigt und Gstanzlsingen versetzten das Publikum in Verzückung.

Gleich drei Unterhaltungs-Höhepunkte im bis auf den letzten Stuhl besetzten Saal des Gasthofes Kampenwand in Bernau konnte der CSU-Ortsverband Bernau-Hittenkirchen bei seinem diesjährigen Starkbierfest verzeichnen. Sowohl Fastenpredigt, als auch das G´stanzlsingen und nicht zuletzt ein Singspiel nahmen die Gemeindepolitik und den Rathausneubau auf´s Korn. Dabei verschonten die Akteure weder Bürgermeister noch die gastgebende CSU und schon gar nicht den so genannten politischen Gegner.

Auch ohne die drei Einlagen bot die Veranstaltung schon beste Voraussetzungen für ein wohltuendes Ereignis für die Fasten- und Starkbierzeit. Zünftige Bernauer Blasmusik und eine gute Bewirtung sowie viel Gelegenheit zur Unterhaltung waren angesagt. Eine erste Unterhaltung boten CSU-Ortsvorsitzender Christian Hügel, Auerbräu-Vertreter Rainer Scholz und Bürgermeister Klaus Daiber beim Anzapfen zum 9. Bernauer Starkbierfest, das alle zwei Jahre stattfindet und das erstmals vor 15 Jahren von der CSU ins Leben gerufen wurde. Mit zwei sicheren Schlägen zeigte sich Bürgermeister Klaus Daiber als souveräner Könner. Trocken wie das Anzapfen war auch zuweilen der Humor bei der Fastenpredigt. Erstmals in seiner nunmehr 34jährigen Tätigkeit als Gemeinderat von Bernau sorgte Willi Weitzel als Frater Wilhelm für Einblicke in das Innerste einer Gemeinderatssitzung. „Eigentlich wollte ich gestern ins Bauerntheater gehen, aber da wurde mir gesagt, dass ich beim Besuch des zeitgleich tagenden Bernauer Gemeinderates mehr zum Lachen kommen würde“, so begann Willi Weitzel seine Predigt. Alsdann stellte er sowohl die 28 Punkte umfassende Tagesordnung als auch die einzelnen Gemeinderats-Charaktere vor. Der Rathausneubau bzw. dessen Standort waren dabei immer wieder ein Thema. Ulla Zeitlmann (Grüne) wurde als eifrige Kopfnickerin bezeichnet, Horst Saur (Gewerbeliste) unterbricht die Sitzung immer wieder, um telefonisch die Abschlepp-Einsätze zu koordinieren, Christian Hügel (CSU) verkehrt zeitgleich mit seinem Laptop mit Christine Haderthauer und Horst Seehofer und somit mit der höheren Landespolitik, Rainer Wicha (CSU) meldet sich seit seiner Pensionierung nur noch zu äußerst wichtigen Themen, Philipp Bernhof (Bernauer Liste) schlug einen Radweg durch das Rathaus vor, Hansjörg Decker (Bernauer Liste) sorgt sich beim vom Volk ausgewählten Rathausstandort immer noch um die gestörte Sichtachse zu Chiemsee und zur Kirche und Willi Weitzel (SPD) raucht draußen drei Zigarren derweil drinnen viel geredet, aber nichts entschieden wird. Dies war auch ein Hinweis auf Gemeinderat Edi Wierer, der vor Abstimmungen immer wieder von vorne anfängt frei nach dem Motto „Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem“. Das Resümee „Die Ergebnis- und Entscheidungsfindung könnte auch einfacher und schneller sein“ war ein Seitenhieb auf Sitzungsleiter und Bürgermeister Klaus Daiber.

Starkbierzeit in Bernau

„Braxen-Toni“ mit See-Blick

Das so angesprochene Gemeindeoberhaupt amüsierte sich unabhängig vom Gesagten bei einem von ihm frisch gezapften Starkbier und einem Fitnessteller. Chiemseefischer Toni Lackerschmid, ebenso wie das Singspiel seit Bestehen des CSU-Starkbierfestes ein fester Bestandteil des Unterhaltungsabends, informierte in gereimter Form von seinen ganzjährigen Beobachtungen vom See aus. Selbstbewusst begann er mit der Feststellung, dass Bernau mehr durch seine G´stanzl berühmt und bekannt geworden ist als durch die Freiberger-Klinik oder durch die Bier-Badewanne vom Badehaus. Bei seinem von der Musikkapelle begleiteten Derblecken verschonte er weder den Bauhof (ist am liebsten beim Badenixen-Einsatz am Badeplatz), den von Bayerns Ministerpräsidenten so bezeichneten Ortsteil „Hüttenhausen“, die Ausgrabungsschätze (Nachthaferl anstatt Römerfunde) und das Rathaus, das er gerne in das „Haus der Hoffnung“ umbenannt haben möchte. Gleich nachdem der „Braxen-Toni“ weitere Themen wie das florierende Ski-Karussell in Kraimoos streifte, hörte er trotz lauter Zugaberufe auch wieder auf, damit ihm nicht zu Ehren auch noch ein Kulturdenkmal am neuen Rathaus geschaffen wird.

Abschließender Höhepunkt beim CSU-Starkbierfest war das Singspiel „Die Kronprinzen vom Staffelstein“ mit hoher musikalischer und schauspielerischer Qualität. Eine Stunde lang wurde das von Nikolaus Reiter erdachte und geschriebene Stück aus dem Mittelalter gespielt, die Musiktexte von Christian Hügel und Werner Schuhmann wurden von Arthur Hügel, Christian Hügel, Werner Schuhmann und Fritz Weißhart auf der aufwendig und gelungen dekorierten Bühne umgesetzt. Beim Spiel wurde der alternde Herzog von Bernau, Klaus von Staffelstein (gespielt von Nikolaus Reiter) immer wieder nach seinem Nachfolger im Amt gefragt. Dabei kamen sowohl Vorschläge aus Bernauer und Hittenkirchener Terrain. Am Spiel wirkten mit Andrea Mayer als Burgräulein von zu Renate und stellvertretend für Gemeinderätin Renate Wendlinger, Werner Schuhmann als Minnesänger Weilhelm von der Weitzelweide, Christian Hügel als Sepp der Hofnarr und stellvertretend für Gemeinderat Sepp Genghammer, Josef Wörndl als Ritter Donat von der Grube und stellvertretend für Gemeinderat Donat Praßberger, Robert Weingartner als Edi von der traurigen Gestalt und stellvertretend für Gemeinderat Edi Wierer sowie Andreas Reiter als Robin von Hittenkirchen und Franz Schnaiter als Bauer Heinrich. Und die Singspiel-Moral von der Geschichte: „Liabe Leit, des lost´s eich sog´n, gega CSU do g´winnt ma nicht, des müaßt´s scho vertrog´n. Immer nur dageg´n sei, das macht doch koan Sinn, a amoi mitanander glei´, bringt für d´Gmoa an G´winn“. Verständlich, dass es bei soviel unterhaltsamen Derbleckerein noch guten Grund gab, zusammen zu sitzen, sich zu unterhalten und sich der Blasmusik zu erfreuen.

Quelle: rosenheim24.de

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