Fachklinik für Psychosomatik eröffnet

Bernau-Felden - Mit dem "Medical Park Chiemseeblick" in Bernau-Felden betreibt die Mediacal Park AG von Ernst Freiberger seit Freitag nun eine dritte Klinik am Bayerischen Meer.

Ende der 30er-Jahre entstand die Raststation an der Autobahn. Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner das Gebäude am Ufer des Bayerischen Meeres als Erholungsheim für ihre Soldaten. Nachdem sie den Chiemsee verließen, kaufte Freiberger die Anlage 2009. Alsdann ging er daran, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in eine Klinik um- und auszubauen. Die Investitionen: 33 Millionen Euro.

Neben dem "Medical Park Prien Kronprinz" und dem "Medical Park Chiemsee" in Bernau-Felden unterhält das Unternehmen nun mit dem "Medical Park Chiemseeblick" eine dritte Klinik am Bayerischen Meer. In 157 Doppel- und Einzelzimmern stehen insgesamt 180 Betten zur Verfügung. Zur Genesung ins Haus kommen Patienten, die an Burnout und Depressionen oder auch an Stresserscheinungen, Angst- und Zwangs- sowie chronischen Schmerzerkrankungen leiden.

Mit "viel Herzblut" habe man, so Freiberger, aus einem überlieferten Denkmal eine funktionierende, moderne Klinik gemacht - "mit aller Rücksicht auf die historische Bausubstanz, aber auch mit aller Verantwortung gegenüber den medizinisch-therapeutischen Notwendigkeiten unserer Zeit". Die im "Medical Park Chiemseeblick" angebotenen Therapien seien "dringend nötig". Etwa 30 Prozent der Bevölkerung sei mindestens einmal im Leben von einer psychischen beziehungsweise psychosomatischen Erkrankung betroffen.

Damit die "Mission" gelinge, Patienten in einer schwierigen Zeit ihres Lebens zu helfen, habe sich der Medical Park mit der Spitzenforschung verbunden. "Wir sind über die Kooperation mit dem Max-Planck-Institut München sehr glücklich."

Landrat Josef Neiderhell betonte, dass der "Medical Park Chiemseeblick" die Gesundheitswelt Rosenheim mit rund 30 Kliniken bereichere. In ihrer Ausrichtung auf die Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen liefere sie ein besonderes Angebot. Christian Bredl, der Leiter der Landesvertretung Bayern der Techniker Krankenkasse, erinnerte daran, dass sich der Krankenstand im Lande zuletzt auf durchschnittlich 11,1 Tage im Jahr erhöht habe - und zwar deshalb, weil vor allem psychosomatische Erkrankungen zugenommen hätten.

Wie ist mit einer Hinterlassenschaft aus einer problematischen, "bösen" Zeit umzugehen? Diese Frage stellte Professor Dr. Christoph Stölzl, der Sprecher der Ernst Freiberger-Stiftung und Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur a.D. Die Antwort sei "verblüffend einfach". Stölzl: "Wir müssen die Geschichte eben so nehmen wie sie ist."

Das Rasthaus habe, so der Professor weiter, eine Reihe von "Zeitschichten" durchlaufen. Mit der Umwandlung in eine Klinik habe das historische Gebäude eine "Neuformierung" erfahren. Der Professor sprach von einem "Glücksfall". Und weiter: "Jetzt beginnt eine neue Zeit."

Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Florian Holsboer, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, meinte, "dass psychische Erkrankungen zur größten Gesundheitsbürde unserer Volkswirtschaft zählen". Die Bedeutung der Versorgung könne vor diesem Hintergrund gar nicht überschätzt werden, auch wenn der eine oder andere Kostenträger "argwöhnisch" meine, es gäbe jetzt schon genug psychosomatische Kliniken. Der Professor betonte: "Wir brauchen diese Kliniken mehr denn je."

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie sprach von einer "großen Freude", mit der Fachklinik "Chiemseeblick" zusammenzuarbeiten. Die Kooperation biete die Gelegenheit, die entwickelten Therapieoptimierungen im Rahmen der Anwendung weiter verfolgen zu können. "Wir können so lernen, welche Nachhaltigkeit unsere Forschungsergebnisse im Langzeit-Verlauf haben."

Professor Dr. med. Michael Bach, der Chefarzt und Ärztliche Direktor des "Medical Park Chiemseeblick", erläuterte unter anderem, dass die Behandlung ganzheitlich erfolge. Körperliche, psychische und soziale Aspekte fließen seinen Angaben zufolge in die Therapie mit ein. Hartmut Hain, der Vorsitzende des Vorstands der Medical Park AG, sagte, dass die Familie Freiberger unternehmerischen Mut bewiesen habe. In der kurzen Zeit, seitdem die Klinik ihren Betrieb aufgenommen habe, habe sie sich in der Fachwelt und unter Patienten schon einen "hervorragenden Ruf" erworben. "Die Klinik nimmt bereits eine wichtige Stellung in Deutschland ein."

Den kirchlichen Segen für die Fachklinik spendete Bernaus katholischer Pfarrer Josef Bacher. Ein Streichquartett umrahmte den Festakt.

Gernot Pültz

Quelle: rosenheim24.de

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