Rathaus auf 63 Pfählen

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Bernau - Für den Bau des neuen Rathauses braucht es ganze 63 Pfähle: Auf den durchschnittlich 16,5 Meter langen Pfählen soll das Gebäude festen Halt finden.

In ihrer letzten Planungsphase für das Rathaus an der Chiemseestraße hat die Gemeinde Bernau noch einmal eine Änderung vorgenommen: Das neue Gebäude steht künftig nicht auf wenigen Pfählen, die ihrerseits auf Fels gründen, sondern auf vielen, die im Seeton über Reibung festen Halt finden. Um genau zu sein: Nach Angaben von Tragwerksplaner Ludwig Wimmer werden 63 Pfähle in den Boden getrieben. Ihre Länge im Durchschnitt: 16,5 Meter.

Als sich die Gemeinde auf den Standort Ecke Chiemsee-/Widholzerstraße für das neue Rathaus festlegte, war allen Beteiligten von Anfang an klar: Das neue, 36 Meter lange und 14 Meter breite Gebäude absolut standfest zu machen wird alles andere als einfach. Der ehemalige Seeboden ist morastig, besondere Maßnahmen sind erforderlich, um dem Gebäude Halt zu verschaffen. Wie andere Bauherrn in diesem Bereich setzte sich als dann auch die Gemeinde zum Ziel, Pfähle so weit in den Boden zu treiben, bis Fels, also fester Untergrund kommt - und dann auf ihnen das Rathaus zu errichten.

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Bereits mehrmals haben Fachleute den Boden auf dem ehemaligen sogenannten Schuhmann-Grundstück untersucht. Erste Gutachten waren bereits vor Jahr und Tag entstanden, als die Gemeinde schon einmal geplant hatte, das neue Rathaus auf dieser Fläche zu bauen. Und jetzt, als die Pläne - nach vielen Diskussionen im Gemeinderat und auch einem Bürgerentscheid - konkrete Gestalt annahmen, ließ die Kommune noch einmal eine Untersuchung erstellen. Das Ergebnis liegt nun vor und bildet die Grundlage für die Tragwerksplanung.

An sechs Stellen hat der Gutachter den Boden untersucht: an den vier Ecken und in der Mitte des künftigen Rathauses. Die Bohrungen hätten ergeben - wie Wimmer das Ergebnis in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung zusammenfasste -, dass man in der Südwestecke 13 Meter unter der Oberfläche auf Fels stoße. An allen anderen Stellen sei man bis zu einer Tiefe von 20 Metern hingegen nicht fündig geworden.

Ursprünglich hatte Wimmer, wie er berichtet, generell geraten, auf Fels zu gehen. Angesichts der Erkenntnisse, die das neue Bodengutachten nun zutage gefördert habe, wären jedoch Pfähle von nöten, die womöglich 30 Meter oder gar noch länger sein müssten. Schließlich habe die nahegelegene Brücke über die Eisenbahn auf Pfähle gestellt werden müssen, die 54 Meter in den Boden gehen. Der Aufwand - vor allem auch die Ausgaben, die die Gemeinde in einem überschaubaren Rahmen halten wolle - wäre im Falle einer Pfahlgründung des Rathauses auf Fels nicht abzuschätzen gewesen. Im Klartext also: Die Kosten drohten aus dem Ruder zu laufen.

Vor diesem Hintergrund empfahl der Tragwerksplaner der Gemeinde, auf ein anderes Verfahren umzusteigen: das Rathaus nicht auf wenige lange Pfähle auf Fels, sondern auf viele, die im weichen Boden stehen, zu stellen. Diese "Mantelreibung" sei ein "gängiges Verfahren", so Wimmer. In seiner langen Tätigkeit als Statiker und Tragwerksplaner - nach eigenen Angaben hat er in den vergangenen 45 Jahren "schon mehr als 1000 Pfähle" in den Boden eingebaut - habe er auf diese Art und Weise etwa auch dem "Medical Park Chiemsee" in Felden Standfestigkeit gegeben. In diesem Verfahren ergebe sich die Tragkraft der Konstruktion über viele Pfähle, die sich mit ihrer insgesamt sehr großen Oberfläche an ihrer Umgebung reiben. Halt bringe außerdem der "Spitzendruck" der Pfähle.

Die von ihm ausgearbeitete und vom Gemeinderat übernommene Tiefengründung des neuen Rathauses wird nach Angaben von Wimmer voraussichtlich zwischen 250.000 und 300.000 Euro kosten. Zurzeit werde die statische Konstruktion geprüft. Grundsätzlich nicht auszuschließen sei, dass der Gutachter auf Nummer Sicher geht und Probebelastungen fordert. Da der Aufwand, Gerätschaften herbeizuholen und höchste Drucklasten zu erzeugen, sehr groß sei, sei in diesem Fall dann mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von etwa 100.000 Euro zu rechnen.

Und so sieht die Planung von Wimmer nun genau aus: Vorgesehen hat er 63 Pfähle für das Gebäude sowie vier weitere für den Kran, der auf der Baustelle benötigt wird. Sie bestehen allesamt aus Beton, haben einen Durchmesser von 90 Zentimeter und sind 16,5 Meter lang. Einige von ihnen - Wimmer spricht von acht bis zehn - sind nicht so lang und werden in der Südwestecke auf Fels und Kies gegründet.

Gernot Pültz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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