Für und wider Windräder

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Bernau - Nicht nur auf Zustimmung stößt der Kurs des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern, das Alpenvorland auch weiterhin von großen Windrädern freizuhalten.

In Bernau zum Beispiel sind Stimmen zu hören, die dieses Vorgehen ablehnen. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend hat sich diese Kritik Bahn gebrochen - und damit eine hitzige Debatte ausgelöst.

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In vollem Gange ist die Diskussion, wo der Bau von Windrädern möglich ist. Der Freistaat hat in einem "Windatlas" bereits die Gegenden festgehalten, die sich nach seiner Auffassung für deren Bau eignen. Und diese Diskussion vertieft sich jetzt im Südosten des Landes. So hat der Planungsverband Südostoberbayern - sein Zuständigkeitsbereich umfasst die Landkreise Altötting, Mühldorf, Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land sowie die kreisfreie Stadt Rosenheim - beschlossen, seinen aus dem Jahr 1988 stammenden "Regionalplan" erneut fortzuschreiben und in diesem Schritt insbesondere den Abschnitt "Windenergie" zu aktualisieren. Und in diesem Verfahren nennt der Planungsverband Gebiete und Gegenden, die sich für den Bau von Windrädern eignen. Einen Entwurf für die Fortschreibung haben die Landräte und Bürgermeister in ihrer Sitzung vor kurzem in Trostberg diskutiert. Im Frühjahr beginnt das Beteiligungsverfahren - und dann sind Anregungen aus den Kommunen möglich.

In Bernau informierte nun Bürgermeister Klaus Daiber den Gemeinderat. In der Sitzung am Donnerstagabend erläuterte der Rathauschef, dass der Planungsverband die Gemeinde Bernau als "Ausschlussgebiet" vorgesehen habe. In dieser Ausrichtung können dann laut Daiber "große Anlagen über 50 Meter" nicht gebaut werden. Das Vorgehen sei in der Versammlung in Trostberg "mit starker Mehrheit" beschlossen worden.

Nicht einverstanden mit einem "Ausschlussgebiet" in Bernau zeigte sich Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen). Seinen Angaben zufolge werden im Bereich Hittenkirchen - sehr wohl Windgeschwindkeiten von über fünf Meter pro Sekunde erreicht, die für den Bau eines Windrades gemeinhin als erforderlich gelten. Vor diesem Hintergrund kritisierte Genghammer alle Bestrebungen, einer Nutzung der Windenergie in diesen Formen in Bernau einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Schon jetzt forderte Genghammer, dass die Gemeinde im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zum Entwurf für die Fortschreibung des Regionalplanes Stellung nimmt - und dass sie dann fordert, ein Gebiet mitaufzunehmen, das sich im Sinne des Baus von Windrädern für die Nutzung dieser regenerativen Energiequelle eignet. Die Gemeinde sei aufgefordert, sich die Nutzung der Windkraft "nicht zu verbauen" und sich stattdessen eine "Fläche zu reservieren", die sie - wann auch immer - möglich erscheinen lässt.

Franz Schnaiter (CSU) kritisierte, dass Genghammer den Bau eines Windrades im Bereich Hittenkirchen nahelege, ohne ein Wort mit den betreffenden Grundstückseigentümern und Anliegern gesprochen zu haben. Dieses Vorgehen sei "unverschämt". Sein Bruder etwa, so Schnaiter weiter, habe einen Hof und beherberge Gäste. Er müsste um diese Einnahmequelle fürchten, wenn in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ein großes Windrad gebaut werden würde.

Daiber konnte sich nicht vorstellen, dass in Giebing oder etwa auch in Schörging ein Windrad möglich ist. Schließlich könne in diesen Lagen der geforderte Abstand zu bebautem Gebiet - statt bislang 500 Metern werden im Planungsverband jetzt 800 Meter diskutiert - nicht eingehalten werden. Und außerdem müsse man die Sache auch einmal von der anderen Seite sehen: Sollte ein Windrad errichtet werden, dann könnte im Umkreis von 500 oder 800 Metern nichts anderes mehr gebaut werden.

Mit Blick auf die Nutzung regenerativer Energien sagte Christian Hügel (CSU), dass "wir in diesem Bereich offener sein müssen". Was die Nutzung der Windkraft im Speziellen betreffe, "brauchen wir aber nichts mit der Brechstange machen". In Bernau eröffnet sich seinen Angaben zufolge eine Reihe anderer Vorhaben im Bereich der regenerativen Energien. Fürs Erste seien diese Möglichkeiten zu verfolgen.

Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) sagte, dass der Bund Naurschutz in Bayern den Bau von 1500 Windrädern für erforderlich hält. Sie könnten in vielen Gegenden errichtet werden. Die Gemeinde Bernau müsse aufpassen, so Bernhofer, dass sie nicht in den Ruf "Windrad Ja - aber nicht bei uns" kommt. Wie Hügel mahnte aber auch Bernhofer, in Bernau "nichts vom Zaun zu brechen". In diesem Zusammenhang erzählte Bernhofer, dass er in diesem Jahr im Urlaub den größten Windpark in Europa erlebt habe. Seine Beobachtungen: Die Lärmbelästigung sei gar nicht so hoch gewesen. In 200 Meter Entfernung hört man von den Windrädern seinen Angaben zufolge nichts mehr. Auch die Beeinträchtigungen durch den "Schlagschatten", den die Windräder am Boden werfen, sind laut Bernhofer überschaubar.

Dritter Bürgermeister Alexander Herkner (SPD) meinte: "Man muss sich schon klar sein, dass die Energiewende die Landschaft verändert." Und weiter: "Man darf die Windräder für die Zukunft nicht ganz ausschließen."

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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