Ein besonderer Ort der Besinnung

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Platz für rund 60 Besucher bietet die neue Krankenhauskapelle. Mit knapp 100 Quadratmetern ist sie viel größer ausgefallen, als ursprünglich einmal geplant war.

Prien - Die neue Krankenhauskapelle ist ein ganz besonderer Ort der Besinnung. Hoch oben, im vierten Stock, bietet sie Platz für rund 60 Besucher, die Gottes Nähe suchen.

Wer sie künftig krank oder gesund, am Tag oder in der Nacht aufsucht, erfährt Trost. Und wer auf einem der Sitze Platz nimmt, lebt die Ökumene. Gleich welcher Konfession, ob katholisch oder evangelisch, sitzen künftig Patienten wie auch Mitarbeiter der Romed-Klinik Prien Schulter an Schulter in der neuen Krankenhauskapelle.

Nach jahrelangen Bemühungen ist das Gemeinschaftswerk vollbracht: Die neue Kapelle ist fertig - abgesehen von einigen weiteren Arbeiten zur Ausgestaltung des Raumes, die in den nächsten Jahren noch folgen. Ganz oben im neuen Seebettenhaus hat der Landkreis Rosenheim die Kapelle gebaut. Und am heutigen Freitag nehmen die Kommunalpolitiker diesen großen, neuen Trakt in Betrieb - und dann öffnen sie auch die Tür zum Ort der Besinnung in dessen vierten Stock. Einen Tag später, morgen, Samstag, erhalten dann alle Einheimschen wie auch Auswärtige die Möglichkeit, Trakt samt Kapelle an einem Tag der offenen Tür zu besichtigen.

Alle haben sie, wie aus dem Rathaus zu hören ist, an einem Strang gezogen: einst Landrat Dr. Max Gimple und der - mittlerweile verstorbene - Bürgermeister Lenz Kollmannsberger, jetzt Landrat Josef Neiderhell und Bürgermeister Jürgen Seifert, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und der 2010 gegründete Förderverein sowie nicht zuletzt die beiden Krankenhausseelsorger Pfarrer Josef Götzmann von der katholischen und Pfarrerin Christine Wackerbarth von der evangelischen Kirche. Ihre Bemühungen haben sich gelohnt, jetzt sind sie am Ziel. Die Freude ist besonders groß, nicht nur weil die Tür jetzt aufgeht, sondern auch deshalb, weil der Raum, der sich hinter ihr verbirgt, viel größer ausgefallen ist, als ursprünglich einmal geplant war.

"Wir haben eine große Kapelle bekommen", freut sich stellvertretend für alle Hildegard Waas, die Vorsitzende des Fördervereins. Mit rund neun auf zehn Meter stehen knapp hundert Quadratmeter zur Verfügung - und damit nicht nur 25, die am Anfang einmal im Raum gestanden waren. Der Hintergrund: Allein der Bau einer Kapelle bis zu dieser Größe wird vom Sozialministerium gefördert. Alle Kosten für einen Bau, der über 25 Quadratmeter hinausgeht, muss der Bauherr, in diesem Fall der Landkreis, dann in voller Höhe aus der eigenen Tasche nehmen.

Ein besonderes Anliegen hatte der Förderverein in die Planung mit eingebracht: Einer Ausstattung mit moderner Technik redeten Waas und die anderen vom Förderverein immer wieder das Wort. Und ihre Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. So stehen in der Kapelle nun etwa auch ein Beamer und eine Leinwand zur Verfügung, die in Gottesdiensten, aber auch im Rahmen von Vorträgen oder auch anderen Veranstaltungen eingesetzt werden können. Vor allem ist in dem Raum auch eine Kamera. Und sie filmt jetzt insbesondere die Gottesdienste in der Kapelle - womit künftig, was früher nicht möglich war, diese Gottesdienste auf die Fernsehbildschirme übertragen werden können, die in den Zimmern der Patienten sind. Die Beteiligung der Bettlägrigen an den Feiern in der Kapelle sei dem Verein ein großes Anliegen gewesen, so Waas.

Getreu dem Grundsatz, an einem Strang zu ziehen, öffneten die Beteiligten auch gleichermaßen alle ihre Geldbeutel, um das Vorhaben zu verwirklichen. 470000 Euro hat die neue Krankenhauskapelle nach Angaben aus dem Rathaus in Prien insgesamt gekostet. Mit 318000 Euro stemmt der Landkreis, der Bauherr des Seebettenhauses, die größte finanzielle Last. 124000 Euro kommen von der katholischen, 15000 von der evangelischen Kirche. Und 13000 Euro bringt der Förderverein ein.

Nimmermüde begleiteten auch die Krankenhausseelsorger die Verwirklichung des Vorhabens. Vor allem auch im Rahmen der Ausgestaltung des Raumes hatte ihr Wort Gewicht. Vorschläge und Anregungen brachten sie ein. Viele erfuhren schon eine Verwirklichung, einige warten aber auch noch auf ihre Umsetzung. Das kleine Gotteshaus ist zwar schon fertig - aber noch nicht ganz.

So ist die Kapelle im vierten Stock fürs Erste allein mit dem Aufzug zu erreichen. In einem weiteren Bauabschnitt wird dann auch ein Zugang über die Treppe eingerichtet. In der Kapelle selbst wird unter anderem der Marienort noch neu gestaltet. Und: Vor allem der Kreuzweg, der entlang der Südwand geplant ist, steht noch auf der Agenda. Die baulichen Voraussetzungen - etwa die Stromanschlüsse - sind zwar schon geschaffen, aber die Stationen harren noch ihrer Verwirklichung. Auf dem Kreuzweg wird einmal, so die Planung, nicht nur die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Leiden zu befassen, gleichermaßen wird er einmal die Hoffnung stärken. Denn nach christlicher Überzeugung endet das Leben nicht im Tod, sondern in der Auferstehung.

Ganz besonders dieser Kreuzweg versinnbildlicht den Anspruch der beiden Kirchen, im Krankenhaus die Ökumene zu leben. Schließlich ist ein Kreuzweg nicht die Sache der evangelischen Christen, dennoch stehen sie hinter dessen Errichtung in der Krankenhauskapelle. Und so freut sich etwa auch Bügermeister Seifert, dass die Kapelle ein Ort nicht nur der Besinnung sei, sondern auch der Ökumene.

Gernot Pültz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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