Bewegte Worte am Grab

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Weit über 1000 Menschen nahmen am Samstagvormittag im Priener Friedhof Abschied von Lorenz Kollmannsberger.

Prien - In einem bewegenden Gottesdienst haben weit über 1000 Trauergäste am Samstag Abschied von Lorenz Kollmannsberger genommen.

Am offenen Grab würdigten 15 Redner das Lebenswerk des Priener Altbürgermeisters und Ehrenbürgers. Sie zeichneten das Bild eines gläubigen Christen, der sich bis zu seinem plötzlichen Tod unermüdlich und leidenschaftlich für seine Heimat und besonders auch für soziale Belange eingesetzt hat.

In zum Teil sehr bewegten und persönlichen Worten würdigten die Redner weit über eine Stunde lang die überaus großen Verdienste Kollmannsbergers. Bürgermeister Jürgen Seifert bezeichnete ihn als einen Mann, der "bis zuletzt beseelt von Visionen zum Wohle Priens und seiner Heimat" gewesen sei. "Es ist unsere Pflicht, seine Ziele in seinem Sinne weiterzuverfolgen." 1972 war der studierte Jurist als Zweiter Bürgermeister in den Marktgemeinderat gekommen, von 1978 bis 2002 Priens Erster Bürgermeister, danach noch sechs Jahre stellvertretender Landrat. Georg Fahrenschon, als bayerischer Finanzminister zugleich oberster Dienstherr der staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung, charakterisierte Kollmannsberger als "sympathisch, weltoffen und höchst engagiert", als "Kämpfer für die gute Sache, der "immer am Ergebnis orientiert" gewirkt habe. Er versprach, die Aufnahme von Herrenchiemsee in die Unesco-Liste der Weltkulturerbestätten, zu der Kollmannsberger vor Jahren den Anstoß gegeben hatte, weiter voran zu treiben. "Wir verlieren eine Persönlichkeit, die ganz Bayern geprägt hat", schloss der Minister.

Rosenheims Landrat Josef Neiderhell würdigte Kollmannsberger als "Brückenbauer und leidenschaftlichen Gestalter", der mit "kreativer Schaffenskraft bis zu seinem Tod für andere da war". Der Verstorbene war Vorsitzender der Rosenheimer "Aktion für das Leben". "Fürsorge und Verantwortung prägten sein Leben. Lorenz Kollmannsberger war unser soziales Gewissen. Er hat einen festen Platz in der Geschichte unseres Landkreises", so Neiderhell.

Sein Vorgänger als Landrat, Dr. Max Gimple, ein persönlicher Freund des Verstorbenen, führte - wie zuvor auch schon Seifert - eine lange Liste von Projekten an, die in Kollmannsbergers langer Amtszeit als Gemeindeoberhaupt verwirklicht worden waren.

Neben einer "nicht versiegen wollenden Kreativität" und einem "erfrischenden Naturell" nannte auch Gimple die "soziale Nähe" als besonders ausgeprägten Wesenszug des Verstorbenen und belegte das mit einer Episode. Kollmannsberger hatte einen Obdachlosen mit zu sich nachhause genommen, "abgeschrubbt" und ihn in ein geordnetes Leben zurückgeführt. "Er war keiner, der wegeschaute. Wenn er Handlungsbedarf sah, packte er zu."

Gimple hob nicht nur den einnehmenden Humor des Verstorbenen hervor, sondern auch dessen Sensibilität, eine "Schwachstelle". "Für die, die ihn kannten, kam sein plötzlicher Tod nicht nur überraschend." Wie der ehemalige Landrat erinnerte auch der frühere Landtagspräsident Alois Glück, ebenfalls ein Freund Kollmannsbergers, an dessen Bescheidenheit. "Er hat seine Ämter immer als Dienst verstanden und sich nicht in den Mittelpunkt gestellt." Glück attestierte ihm "eine besondere Verbindung von liebenswürdig und hartnäckig" und "große Integrationskraft", die er mit dem Beispiel vom Bau des Chiemsee-Ringkanals bekräftigte. "Unermüdlich" habe Kollmannsberger "weit mehr erreicht, als den meisten bewusst ist".

Wolfgang Berthaler aus Flintsbach, Rosenheimer Kreisvorsitzender der bayerischen Gemeindetags, würdigte den Priener Ehrenbürger im Namen aller Landkreisbürgermeister als "Leuchtturm in unserer kommunalpolitischen Familie. Er hat mit seinem Wirken im Landkreis Maßstäbe gesetzt".

CSU-Kreisvorsitzender Klaus Stöttner nannte ihn den "politischen Vater des Chiemsees", einen "Motor, Visionär und Antreiber. Er brauchte kein politisches Programm, er war das Programm". Kollmannsberger habe immer gekämpft "für ein besseres Prien und für ein besseres Miteinander in Prien", betonte der Landtagsabgeordnete. CSU-Ortsvorsitzender Andreas Becker würdigte die Verdienste aus jahrzehntelanger Arbeit im Ortsvorstand der Christsozialen.

Josef Mayer, Vorsitzender der Abwasser- und Umweltverbandes (AZV) Chiemsee, stellte Kollmannsbergers Wirken bei der Verwirklichung des Ringkanals und als jahrzehntelanger AZV-Vorsitzender heraus. Er charakterisierte den Verstorbenen unter anderem als "kollegial und weitsichtig".

Bernhard Greimel, Kollmannsbergers Stellvertreter als Vorsitzender der "Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee", erinnerte an "Geschick, Fleiß, Übersicht und nie endende Energie", mit denen der Verstorbene viele Anstöße gegeben habe, besonders auch zur Einbindung der Jugend in die Kulturarbeit. Als "größten Wunsch" nannte Greimel den Inseldom, für dessen Wiederherstellung sich der Verein seit vielen Jahren einsetzt.

Präsident Georg Hefter schilderte Kollmannsberger als Mann, der nicht nur in seinen 35 Jahren als Mitglied des Lions-Clubs dessen soziale Ziele vorgelebt habe. Er würdigte besonders sein stetes Bemühen um Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie in Anspielung auf die Städtepartnerschaften mit Graulhet (Frankreich) und Valdagno (Italien) den Aufbau länderübergreifender Freundschaften.

Priens Partnerschaftsreferent Dr. Hans-Rainer Hannemann begrüßte die Delegationen aus den beiden Partnergemeinden später in deren Landessprachen. Als Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde hob Hannemann Kollmannsbergers Verdienste um die Ökumene hervor. Er nannte ihn einen "bewundernswerten Menschen".

Dr. Friedrich von Daumiller, Vorsitzender des Kulturfördervereins, sprach von einer "nicht zu füllenden Lücke", die der Tod des Gründungsmitglieds und Mitinitiators hinterlasse. Von Daumiller schloss mit einem Zitat des Verstorbenen: "Wir Kommunalpolitiker werden nicht danach beurteilt, welche Straßen wir gebaut haben, sondern welche kulturellen Werte wir hinterlassen."

Peter Wendl, stellvertretender Vorsitzender der Sicherheitsgemeinschaft, die Kollmannsberger 1993 gegründet hatte und der er bis zu seinem Tod vorstand, hob unter anderem hervor, dass der Verstorbene stets darauf bedacht gewesen sein, das Verhältnis zwischen Bürgern und Polizei zu verbessern. "Besonders Jugend und Senioren lagen ihm am Herzen."

Im Namen von rund 30 Vereinen, denen Kollmannsberger angehörte, legte Michael Anner einen Kranz nieder. Der ehemalige Zweite Bürgermeister sagte ein "herzliches Vergelt's Gott" für die jahrzehntelange Unterstützung, bevor sich die Fahnen zum letzten Gruß am offenen Grab senkten und die Blaskapelle "Ich hatt einen Kameraden" anstimmte - ein Titel, der für sehr viele der Trauergäste wohl selten zuvor so treffend war.

db

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