Der Biber kehrt zurück

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An der Prienmündung ist ein Biberrevier: Einen dicken Baum hat das Tier schon zum Teil durchgenagt. Die Spuren, die das Tier hinterlässt, liest Biberbetreuer HeinzJürgen Pohl.

Chiemsee - Hundert Jahre war der Biber in Bayern ausgerottet. Jetzt kehrt er zurück. Auch den Chiemsee hat er mittlerweile erreicht. An der Mündung der Prien hat sich allem Anschein nach eine ganze Familie niedergelassen.

Die Chiemgau-Zeitung ging mit dem Biberbetreuer für den südöstlichen Landkreis Rosenheim, Heinz-Jürgen Pohl, auf einen Rundgang.

Einst hatten ihn die Menschen ausgerottet, jetzt versuchen sie, das Tier wieder heimisch zu machen. Vor 27 Jahren haben sie das größte Nagetier in Europa "eingebürgert". Und die Arbeit trägt Früchte: Der Bestand scheint sich zu stabilisieren.

Untrüglich sind die Zeichen, die auf das Revier an der Prienmündung im Schafwaschener Winkel hindeuten: Bereits einige kleinere Bäume sind von dem Nager gefällt und mehrere Sträucher abgenagt worden.

Das größte Nagetier in Europa ist wieder heimisch geworden: Einen Biber-Findling, der bei einem Hochwasser in Augsburg von seinem Bau abgetrieben worden war und dann in eine Aufzuchtstation kam, zeigte Pohl bei einer Veranstaltung in Traunstein.

Sehr gut beobachten kann man die Tätigkeit des Bibers von der umweltpädagogischen Hütte: Mit seinen selbst schärfenden Nagezähnen und seiner unglaublichen Bisskraft bearbeitet der Biber auf der gegenüberliegenden Auwaldseite der Prien einen meterdicken Weidenbaum. Dass er täglich dort arbeitet, sei an den Holzschnitzeln am Boden zu sehen, so Pohl. Das Tier fresse aber nicht die abgenagten Holzschnitzel, sondern nur die Rinde und Äste des Baumes. Der Biber wolle die Weide aus diesem Grund nach und nach durchnagen, um sie zu Fall zu bringen. So komme der reine Vegetarier an schmackhafte Zweige und Äste heran.

An dem Baum, der direkt am Ufer steht, hat der Biber auch eine Wasserrutsche angelegt: Er benutzt sie, um ins Nass zu kommen. Einige Meter flussaufwärts - und ebenfalls vom gegenüberliegenden Uferweg zur Mündung gut zu sehen - befindet sich das so genannte Biberfloß: An diese Stelle bringt das Tier seinen Vorrat an Zweigen. Wieder einige Meter weiter ist auch die "Biberburg" gut zu erkennen, ein aufgeschütteter Berg von Ästen und Zweigen direkt am Ufer. Der Eingang zu dem sogenannten Wohnkessel dagegen sei immer unter dem Wasserspiegel, erklärt Pohl. Der Wohnraum selbst mit einem Durchmesser von bis zu 120 Zentimeter und einer Höhe bis zu 60 Zentimeter liege über der Prien.

Pohl hat den Biber schon gesehen. Er vermutet, dass wohl eine ganze Familie mit ein bis zwei Jungen an der Prien Quartier bezogen hat. "Biber leben in Einehe", sagt er. Und aus diesem Grund schließt er aus, dass sich eine zweite Biberfamilie an der Prienmündung ansiedle.

Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren bestehen könne, umfasse je nach Qualität des Biotops bis zu drei Kilometer Fließgewässerstrecke. Die Reviergrenzen werden laut Pohl mit dem sogenannten Bibergeil, einem öligen Sekret aus einer Drüse im Afterbereich, markiert und gegen Eindringlinge verteidigt. Die Jungtiere können dann seinen Angaben zufolge bis zu 100 Kilometer weit wandern. "Sie suchen sich einen neuen Partner", so der Biberbetreuer.

Spaziergänger zur Prienmündung können, wenn es ganz ruhig ist, die Tätigkeit des Bibers, der allerdings ein Nachttier ist, auf dem gegenüberliegenden Ufer manchmal beobachten. Trotzdem sollte man die Halbinsel des Auwaldes zwischen der Prien und dem Zulauf zum Greamandl-Weiher auf keinen Fall betreten - schon allein aus Sicherheitsgründen, da auch ein Baum umfallen kann.

Von wo sind die Biber zugewandert? Pohl vermutet, dass sie aus dem östlichen Bereich von der Alz und der Salzach kommen. Mehrere Bibervorkommen werden seinen Angaben zufolge am Chiemsee im Mündungsdelta der Tiroler Ache, im Irschener Winkel, der Alz und der Ischler Ache vermutet.

Neben dem Bestand an der Prienmündung seien im Rahmen der Biber-Kartierung im vergangenen Jahr noch zwei Biberburgen zwischen Schafwaschen und Felden gefunden worden, so Pohl weiter. Allerdings habe man nicht feststellen können, ob sie bewohnt seien oder nicht.

Aufgrund der erfolgreichen Wiedereinbürgerung des streng geschützten Bibers, der auch auf der Roten Liste als "gefährdet" eingestuft sei, werde es absehbar sein, so Pohl, dass die Tiere in den nächsten Jahrzehnten alle geeigneten Gewässer in Bayern besiedeln. Zurzeit gebe es rund 1500 Biber in bis zu 350 Revieren.

Pohl ist außer Biberbetreuer auch Naturschutzwächter und Naturführer. Er freut sich, dass in diesem Jahr sogar geführte Natur-Erlebnis-touren "Dem Biber auf der Spur" an der Prienmündung angeboten werden können.

Hans Thümmler (Chiemgau-Zeitung)

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