Biomasse-Heizkraftwerk Prien

Noch kein Standort

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Das Prienavera verbraucht viel Energie, beonders im Winter (unser Bild). Bisher wird das Erlebnisbad mit Gas versorgt. Nach dem Bau des Biomasse-Heizkraftwerks sollen Hackschnitzel für die Wärme sorgen.

Prien - Im September soll der Gemeinderat darüber entscheiden, wo der Markt Prien ein Hackschnitzel-Heizkraftwerk baut. Das Millionenprojekt soll zunächst große Teile von Stock und Harras über ein Nahwärmenetz versorgen. Zwei Standorte sind in der engeren Wahl.

Im November vergangenen Jahres hatte der Marktgemeinderat einstimmig die „Gesellschaft beratender Ingenieure (GBI), ein Fachbüro aus Herzogenaurach, mit der Planung des Kraftwerks beauftragt. Parallel lief die Suche nach möglichen Standorten an.

Im Vorfeld hatten Bürgermeister Jürgen Seifert, Energiereferent Michael Schlosser und die Verwaltung bei potenziellen Großabnehmern in Seenähe vorgefühlt und waren nach eigenen Angaben auf großes Interesse gestoßen. Mit den Waldbauern der Region und dem Staatsforst wurden Vorverträge unterzeichnet, um die Versorgung mit ausreichend Hackschnitzeln zu gewährleisten.

Der ehrgeizige Fahrplan sah zunächst vor, dass eventuell schon heuer der Grundstein gelegt werden könnte. Aber die Standortsuche scheint nicht einfach zu sein. Seifert erläuterte auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung dieser Tage, dass der Marktgemeinderat in seiner Septembersitzung eine Standortentscheidung fällen könnte. Zumindest soll das Thema dann auf der Tagesordnung stehen.

Wie der Bürgermeister weiter ausführte, sind für vier mögliche Plätze Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt worden. Dabei spielt die räumliche Nähe zu potenziellen Großkunden, wie Kliniken und Hotels, aber auch zum gemeindeeigenen Erlebnisbad Prienavera, wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Denn je länger die Leitungen vom Kraftwerk zu den Kunden, desto teurer der Aufbau eines Versorgungsnetzes.

Seifert zufolge haben die Berechnungen „klare Prioritäten“ für zwei der vier wirtschaftlich untersuchten Standorte ergeben. Zwischen diesen beiden Plätzen soll also offenbar die Entscheidung fallen. Wo sie liegen, wollte der Bürgermeister noch nicht sagen, um den Beratungen im Gemeinderat am 30. September nicht vorzugreifen.

„Es gibt keinen perfekten Standort“, ließ das Gemeindeoberhaupt aber auch durchblicken, dass Plätze, die aus wirtschaftlichen Gründen vielleicht attraktiv sind, aufgrund rechtlicher Hürden nicht realistisch sein dürften. Landschaftsschutz- und Chiemsee-Schutz-Verordnung lassen viele Bauvorhaben in Ufernähe schlichtweg nicht zu.

Da sich der Markt Prien mit seinem Erlebnisbad selbst ein guter Kunde sein könnte, wurde vielfach bereits spekuliert, ob der Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks im Umfeld des Prienavera denkbar ist. Der Betrieb der Freizeiteinrichtung ist sehr energieintensiv und erfolgt derzeit mit Gas.

Großes Interesse, sich zu beteiligen, hat auch schon der Landkreis bekundet. Im Rahmen der Generalsanierung der „RoMed-Klinik Prien“, wie das Krankenhaus nach der Fusion der drei Landkreis eigenen „Triamed-Kliniken“ mit dem Klinikum Rosenheim nun offiziell heißt, soll auch die Energieversorgung umgestellt werden.

In bisherigen Überlegungen war eine Leistung des Kraftwerks von fünf Megawatt angedacht, was umgerechnet 1,5 Millionen Liter Heizöl im Jahr entsprechen würde beziehungsweise einer Verminderung des Ausstoßes von Kohlendioxid von 4000 Tonnen jährlich.

Die Anlage soll beileibe nicht nur Wärme erzeugen, sondern auch Strom. Und genau das macht sie letztlich wirtschaftlich lukrativ. Denn der Markt Prien, der mindestens 51 Prozent der Anteile und so die Kontrolle über den Betrieb der Anlage selbst behalten will, würde sieben Cent pro Kilowattstunde bekommen, die er quasi als Überschuss ins öffentliche Netz einspeist.

Sollte sich der Marktgemeinderat Ende September auf einen Standort festlegen, soll Seifert zufolge das Landratsamt als Genehmigungsbehörde eingeschaltet und die Bauleitplanung eingeleitet werden. Wenn alles einigermaßen glatt läuft, könnte dann 2010 das Kraftwerk gebaut werden.

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