Kein Brasilienfest mehr

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29 Jahre lang war das farbenprächtige Fest ein fester Bestandteil des Grabenstätter Veranstaltungskalenders, nun ist es vorbei damit.

Grabenstätt - Das Brasilienfest gehört der Vergangenheit an. Schweren Herzens gab Betty Wülfing, Mitbegründerin der Brasilienhilfe, die Entscheidung der Vorstandschaft bekannt.

29 Jahre lang war das farbenprächtige Fest ein fester Bestandteil des Grabenstätter Veranstaltungskalenders und weit über die Region hinaus, doch litt es in den vergangenen Jahren trotz eines anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programms immer mehr unter Besucherschwund.

Ein Grund dafür sei, dass das südamerikanische und speziell das brasilianische Flair längst auch bei anderen Anlässen geboten oder zeitnah im Fernsehen gezeigt werde, meinte Andreas Lindlacher, Geschäftsleiter der Gemeinde. Auch das vormals noch nahezu unbekannte Angebot an kulinarischen Spezialitäten und Getränken habe heute seinen Reiz zwar nicht verloren, doch sei es halt auch keine Besonderheit mehr, erklärte Lindlacher. Die schwindende Besucherzahl hatte, trotz des Einsatzes vieler ehrenamtlicher Mithelfer, zur Folge, dass die Festkosten gerade noch gedeckt werden konnten. Doch der aus dem Fest erzielte Erlös, mit dem früher Projekte in Brasilien aufgebaut oder unterstützt wurden, sei nur mehr relativ gering.

In einem Rückblick erinnerte Betty Wülfing, selbst Brasilianerin und seit 1975 in Deutschland lebend, an die Anfänge. Das erste Fest 1981 war eigentlich ein Dankeschönfest für die Grabenstätter und den damaligen Grabenstätter Pfarrer Johann Nepomuk Huber, auf dessen Initiative gut erhaltene Altkleider, mittlerweile 40 Tonnen, gesammelt und nach Brasilien geschickt wurden. Es war ein bescheidenes Fest auf dem Spielplatz des Kindergartens, doch schon typisch brasilianisch und mit hier lebenden Brasilianern.

"Damals dachte keiner daran, dass dieses Fest 29 Jahre lang die starke finanzielle Säule der Hilfe zur echten Selbsthilfe für die Bedürftigen in Brasilien werden würde", so Wülfing. Seine Höhepunkte erreichte das Fest in den 90er Jahren. Besucherzahlen von 15000 Gästen waren in aller Munde. Man musste einfach zum Fest, musste dabei sein, wollte etwas erleben, und dies für einen guten Zweck.

Die große Resonanz erfüllte natürlich auch dessen Ziel, nämlich Spenden und Erlöse in Höhe von 1,4 Millionen Euro. So konnten unmittelbar und direkt Aktionen und Maßnahmen in Brasilien unterstützt werden. Es wurden 27 Hilfsprojekte ins Leben gerufen, davon gehen mittlerweile 24 Gemeinden eigene Wege und bedürfen nur noch gelegentlich der Hilfe des Brasilienvereins, denn für viele von ihnen war die Unterstützung eine Art Anschubfinanzierung und nun sind sie in der Lage, sich selbst zu helfen.

Nach Wülfings Worten erfahren derzeit drei Gemeinden Hilfe, deren Sorgen die Erziehung, Ausbildung und Verpflegung von Kindern und Jugendlichen ist. Auch ein entsprechendes Freizeitangebot gibt es, damit sie nicht auf der Straße landen oder bleiben. Dazu ist die angebotene warme Mahlzeit oft die einzige während des Tages.

Damit auch weiterhin Hilfe gewährt werden kann, sind sich die Gründungsmitglieder Pfarrer Johann Nepomuk Huber, Betty und Job Wülfing, Uschi Erl und Engelbert Gottsmann einig, ist, dass das Aus des Festes nicht auch ein Ende der Brasilienhilfe bedeutet. Es würden neue Wege gesucht und sicherlich auch gefunden werden, auf eine vielleicht andere Art, aber trotzdem auch, um in Zukunft nachhaltige Hilfsbeiträge leisten zu können. Wie dies ausschauen wird, stehe noch nicht fest, aber die ersten Gedanken und Überlegungen sprießen bereits wieder.

kem/Chiemgau-Zeitung

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