Von der Brauerei zur Goldschmiede

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Schuf in Bad Endorf die Basis für ihre Triumphe: Martina Beck (vormals Glagow).

Bad Endorf - Ohne sie hätte es viele deutsche Triumpfe bei Olympischen Winterspielen nicht gegeben: die Bundespolizei-Sportschule in Bad Endorf. Heute wird 50. Geburtstag gefeiert.

Umso mehr Grund für die Bundespolizei-Sportschule in Bad Endorf, heute den 50. Geburtstag der renommierten Medaillenschmiede im Chiemgau groß zu feiern. Im August 1959 zogen die Beamten - damals noch unter dem Dach des Bundesgrenzschutz - in die Einrichtung im Endorfer Ortsteil Ströbing. Was nur wenige wissen: Zuvor war in den Gebäuden, die eine lange Geschichte haben, zeitweise Bier gebraut worden.

Seit 30 Jahren bekommen junge Athleten in der Sportschule die Chance, Spitzensport zu treiben und gleichzeitig beruflich vorwärts zu kommen. Ein Modell, das zum Volltreffer wurde: Seit 1978 gab es bei Olympischen Winterspielen 12-mal Gold, 14-mal Silber und fünfmal Bronze für die "Endorfer" Athleten. Bei Weltmeisterschaften waren es sogar 42 Gold-, 59 Silber- und 45 Bronzemedaillen.

Superstars wie Claudia Pechstein, die im Eisschnelllauf in Lillehammer (1994), Nagano (1998) und Salt Lake City (2002) zu vier Olympischen Goldmedaillen flitzte, und Biathletin Martina Beck (geborene Glagow) schufen in Bad Endorf die Basis für ihre Erfolgsgeschichten. Dass die Sportschule laufend modernisiert und vergrößert wurde, hat ihnen gegenüber der internationalen Konkurrenz so manchen Vorsprung verschafft. Ein weiterer Standortvorteil: Die Leistungssportler fühlen sich wohl und gut aufgehoben im Chiemgau.

Die Bad Endorfer Goldschmiede befindet sich auf geschichtlich interessantem Boden. Jahrhunderte lang standen hier zwei landwirtschaftliche Höfe, die bereits im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurden. Ab 1866 wurde das Areal als Brauerei mit weitläufigen Wirtschafts- und Wohngebäuden genutzt. Das damalige Hauptgebäude ist im Wesentlichen erhalten geblieben - trotz mehrfacher Umbauarbeiten.

1957 kaufte der BGS die Liegenschaft und zog am 5. August 1959 in Ströbing ein - unter dem Kommando von Hanno Bernhard, Oberleutnant im BGS und erster Leiter, startete die Einrichtung mit Ausbildungslehrgängen, 1968 bezogen die ersten Skisportler im Hauptgebäude ihre Betten, die in Bad Endorf zu einem Ski-Team heranreiften, das internationale Erfolge feierte.

1978 machte Bundesinnenminister Prof. Dr. Maihofer die Einrichtung zur BGS-Sportschule Süd, gleichzeitig startet ein Förderprogramm für Hochleistungssportler in den Disziplinen Ski alpin, Ski nordisch und Biathlon - die Geburtsstunde des "Bad Endorfer Modells", das Training und Wettkampf mit einer Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst kombiniert. Später kamen unter anderem Eisschnelllaufen und Bobfahren dazu..

Fast 400 Sportler haben das Modell seither durchlaufen. 1982 übernahm Detlef Braun die Führung und trieb die ständige Weiterentwicklung der Sportschule voran. Eine Sport- und Schwimmhalle sowie ein Sportplatz mit Tartanbahn verbesserten Infrastruktur und Trainingsbedingungen - Einrichtungen, die seit 1989 auch Sportlerinnen zur Verfügung stehen, nachdem sich der BGS 1987 den Frauen öffnete.

Seit 2007 hat Polizeioberrat Wolfgang Sommerer in Bad Endorf das Kommando. Heute gehören 80 junge Athleten in elf olympischen Sportarten der Sportschule an. Eine Vielzahl von Spezialeinheiten nutzen die professionellen Einrichtungen - aber nicht heute - da wird mit einem tollen Programm gefeiert. Verantwortliche und Sportler hoffen auf viele Besucher.

Oberbayerisches Volksblatt

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