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Wegen Sturmschäden gefällt

Breitbrunn: Zerstörte alte Linde wird zum Insektenhotel

Der Torso der Linde wird ein Insektenhotel. Das haben die drei Generationen der Besitzerfamilie Reiter (vorne von links) Wasti und Wast (auf dem Baum von links) Sebastian und Matthias beschlossen.
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Der Torso der Linde wird ein Insektenhotel. Das haben die drei Generationen der Besitzerfamilie Reiter (vorne von links) Wasti und Wast (auf dem Baum von links) Sebastian und Matthias beschlossen.

Die Linde von Wolfsberg war ein Wahrzeichen. Die starken Regenfälle der letzten Wochen und die damit verbundenen orkanartigen Windböen haben dem betagten Gewächs nun doch den „Garaus gemacht“. Jetzt bekommt sie einen neuen Nutzen.

Breitbrunn – Sie muss aus Sicherheitsgründen dringend gefällt werden, da es kein eingetragenes Naturdenkmal sei, erklärte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Rosenheim.

Baum war mehrere Hundert Jahre alt

Bereits 2007 wurde die altersschwache Wolfsberger Linde von der Behörde besichtigt, mit dem Ergebnis: Vitalität des Baumes sehr schwach, kleinlaubig, schütter, hoher Dürrholzbesatz, Vitalitätsabfall, Morschung am Wurzelansatz, gebrochener Haupttrieb in der Kronenmitte und vieles mehr.

In den 80er-Jahren fiel eine der beiden Uralt-Bäume einer starken Windböe zum Opfer. Jahre später gab es von Behördenseite die Auflage, die ausladende Linde mit Beton auszugießen und einem Eisenring zu verstärken.

Treffpunkt der Dorfjugend

Die Linde liegt als gefallener, aber beeindruckender, Torso derzeit in der Wiese. Er bekommt eine neue Aufgabe. War die Linde in den früheren Jahren einmal der Treffpunkt der „Dorfjugend“, so soll er jetzt ein Sammelpunkt für Bienen, Mücken und Co., also ein Insekten-Hotel werden, so die Idee seines Besitzers. So bleibt sie den nächsten Generationen auch noch erhalten, freut sich der Bernauer Wast.

Denn die Linde beziehungsweise die beiden Bäume dort waren einige hundert Jahre lang „historische Zeitzeugen“. Auf einem Foto von 1931 sieht man die zwei Lindenbäume von Wolfsberg. Generationen sind auf ihr rumgekraxelt oder haben sich in ihrem Schatten zu einem Stell-dich-ein getroffen. Und noch weiter geht ihre Historie zurück: „Oben in Wolfsberg, bei den zwei herrlichen alten Linden, wo das gute Königsträßchen zum See hinunter abzweigt....“ erwähnt Dr. Felix Schlagintweit (1868 bis 1950), Deutscher Arzt und Schriftsteller, in seinem Buch „Ein verliebtes Leben“ im Jahr 1912 die beiden schon damals uralten Lindenbäume.

Dabei geht die Bedeutung des Lindenbaums bis in die griechische Mythologie zurück. Dort steht die Linde für das weibliche, milde Gegenstück zur Eiche. Im Mittelalter wurde „unter den Linden Gericht gehalten“.

Baum von jeher im Besitz der Familie

Von der Linde sagt man: „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre bleibt sie, 300 Jahre vergeht sie“. Der Bernauer Wast weiß im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass der Baum/die Bäume seit jeher im Besitz der Familie waren. Das Alter der verbliebenen Wolfsberger Linde ist schwer zu taxieren: Nimmt man den Umfang von 5,90 Meter, lässt sich ein Durchmesser von 1,88 Meter errechnen. Der halbe Durchmesser 94 Zentimeter – notwendig für die Berechnung - multipliziert mit fünf Millimeter Wachstum pro Jahr (Weichholzbäume wachsen konstant) ergäbe ein voraussichtliches Alter von 188, maximal gut 200 Jahren, erklärt Dorfarchivar Franz Burghardt.

Auf einem Foto von 1931 sieht man vorne in der Mitte die zwei Lindenbäume (Bildmitte, rechts neben dem Bauernhaus) von Wolfsberg. Generationen sind auf ihr rumgekraxelt oder haben sich in ihrem Schatten zu einem Stell-dich-ein getroffen.

Krone mit Durchmesser von 15 Metern

Man kann also davon ausgehen, dass diese alten Alleebäume bereits zu Zeiten von Napoleon Bonaparte (1808), Otto von Bismark (1815), König Ludwig II (1845), Ludwig Thoma (1867) oder Albert Einstein (1879) gestanden haben. Linden können nicht nur bis zu 40 Meter groß werden, sondern einen Stammdurchmesser von bis zu zehn Metern sowie eine Krone von etwa 15 Metern erreichen.

Die Jahresringe und Verwachsungen von Bäumen bergen einen riesigen Schatz an verlässlichen Umweltinformationen. In ihnen steht alles über das Baumleben. Ein Jahresring spiegelt die verschiedenen Entwicklungsphasen in einer Vegetationsperiode wider.

Kletterhilfen an der Rückseite

„Unsere „Lind´n“ war über Generationen im Fokus. Eigentlich einmal zwei Bäume, standen sie etwa zehn Meter von einander entfernt. Jeder Jugendliche der späteren Jahrgänge, der etwas auf sich hielt, hatte sich mindestens einmal in seinem Leben dem Koloss erprobt. Ein paar Kletterhilfen an der Rückseite des Baumstamms erleichterten es auch dem Unbegabten, in die überdimensionale Baumkrone zu gelangen“, erinnern sich die Reiters,

Liebelien entstanden auf dem Bankerl

Ein „Millibankerl“ galt in den 50er-Jahren als beliebter Treffpunkt für die Jugend aus dem Ort, war von jetzt-Senioren zu erfahren. Dort hielt man sich gerne und lange auf und es entstanden auch mal so manche Liebeleien. In der Nähe war da noch die „Groaßn-Lack“, ein kleiner Tümpel, auf dem man im Winter gerne mal Eisstock schoss.

In der Baumkrone versteckt

Da „Groaßn Luck“ (90) weiß noch, dass auch sie als Buam immer wieder auf die „Lindn“ gekraxelt waren. Als sie zum Ende des Zweiten Weltkrieg wieder einmal droben saßen, fuhr ein Konvoi mit amerikanischen Jeeps vorbei.

Nach einem schrillen Pfiff durch die Finger, hielt der Tross auf einmal an, um die unbekannten „Pfeiffer“ (Übeltäter) zu lokalisieren, kann sich der Senior noch sehr gut erinnern. „Gott sei Dank waren wir wegen des dichten Laubbesatzes nicht entdeckt worden. „Da haben wir uns ganz schön gefürchtet“ grinst der Luck noch heute verschmitzt.

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