Frauenfußball während Corona

Sie wollen doch nur kicken: Fußballerinnen aus dem Chiemgau scharren schon mit den Füßen

Als die Mädchen der Breitbrunner und Gstadter B-Jugend noch spielen durften: Klara Podmirseg (links) und Daniela Sandbichler (rechts) in den blauen Trikots im Zweikampf gegen Ann-Kathrin Steiger vom FC Ingolstadt: Die B-Juniorinnen standen kurz vor dem Aufstieg in die Bezirksoberliga, nun aber muss wegen Corona der Spielbetrieb ruhen.
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Als die Mädchen der Breitbrunner und Gstadter B-Jugend noch spielen durften: Klara Podmirseg (links) und Daniela Sandbichler (rechts) in den blauen Trikots im Zweikampf gegen Ann-Kathrin Steiger vom FC Ingolstadt: Die B-Juniorinnen standen kurz vor dem Aufstieg in die Bezirksoberliga, nun aber muss wegen Corona der Spielbetrieb ruhen.

Die Fußballerinnen des TSV Breitbrunn-Gstadt sind beliebt und erfolgreich. Aber Corona hat ihnen die jüngste Saison ordentlich verhagelt. Vom zehnjährigen Mädchen bis zur Mittdreißigerin kicken die Sportlerinnen im Verein und haben bislang einiges erreicht. Nun wird es höchste Zeit, das digitale Training durch den echten Rasen zu beenden, finden sie.

Breitbrunn – Ihrem Sport bleiben auch in Corona-Zeiten die Fußballerinnen des TSV Breitbrunn-Gstadt treu. Die Kickerinnen von der D-Jugend bis zu den Damen, die auf dem Breitbrunner Fußballplatz zwei- bis dreimal die Woche trainieren und am Wochenende gegen andere Mannschaften aus Südbayern antreten, halten auch in der Pandemie zusammen.

Seit vier Jahren sind sie im Fußballfieber. „Bis vor Kurzem haben wir digitales Training absolviert“, erzählt Co-Trainer Sven Künzel.

Lockdown kurz vorm Einzug in die Bezirksoberliga

Mit Jürgen Pfluger ist er für die 55 „Mädels“ verantwortlich. Mädels ist hier allerdings ein großzügiger Begriff, denn die Kickerinnen sind zwischen zehn und 35 Jahre alt.

„Wir waren vor dem Lockdown gerade so gut drauf“ erzählt Hannah Stadler (17), Kapitänin der B-Jugend-Mannschaft. Ihre Mitglieder kommen aus Breitbrunn, Prien, Eggstätt, Bad Endorf, Bernau und Aschau. Auch wenn es viel Fahrerei bedeutet, sei es zum Training, zu Spielen am Wochenende, gegen Teams aus München oder bis nach Niederbayern. „Die Eltern unterstützen ihre Töchter, wo sie können“, betont Künzel.

Überhaupt ziehe der Frauenfußball magisch an, meint er, die immer recht hohen Zuschauerzahlen bestätigten dies. „Unser mannschaftsübergreifender Teamgeist und Unternehmungen auch außerhalb des Sports machen uns zu einer eingeschworenen Truppe.“

Die B-Juniorinnen stiegen gleich in die Bezirksliga auf, errangen zwei Jahre in Folge die Kreismeisterschaft (Inn/Salzach) bei den Hallenturnieren, was das Team zur Teilnahme an den Oberbayerischen Meisterschaften berechtigte, und Testspiele wie gegen die B-Juniorinnen des FC Ingolstadt (1:3) oder JFG Sempt Erding (4:3) waren weitere Highlights. Die deutlich jüngere D-Mannschaft und auch die Damenmannschaft haben sich erst vor gut einem Jahr zusammengefunden, doch auch hier zeige sich Leidenschaft und der Wille, hart zu trainieren, so Künzel.

In der Damenmannschaft mehr im Fokus

„Wir arbeiten dran“, erklärt Hannah. Genau wie ihre Mitspielerin Sophia Igl (17) sind die beiden Breitbrunnerinnen seit Langem als Kickerinnen unterwegs, aber „irgendwann sei das mit den Jungs nicht mehr gegangen“, und deswegen waren sie Feuer und Flamme für eine eigene Mädelsmannschaft. Sophia findet, dass damit die Motivation gewachsen sei: „Da stehen wir im Fokus und können uns auf unsere Leistung als Sportlerinnen und im Team konzentrieren.“

Corona hat nun den Spielbetrieb verhagelt, die Saison hatte gerade erst angefangen. Die jüngeren Mannschaften hätten sich – wie bisher auch schon – erfolgreich bei kleineren Wettbewerben behaupten können; die B-Jugend stand vor dem Aufstieg in die Bezirksoberliga. „Wir haben weiter trainiert“, erklärt Künzel.

Im Winter habe man daheim Trainingseinheiten per Video absolviert. Zum Beispiel Liegestütze an der Wand halten oder Toilettenpapierrollen in Eimer schießen, oder oder – da sei Erfindergeist gefragt gewesen, um die Mädchen bei der Stange zu halten. Hannah empfand das digitale Training als „effektiv, aber auch lustig.“

Mit Lauftraining soll wieder gestartet werden

Für Sophia war der Faktor Zeit „sinnvoll“, man wollte ja doch immer noch ein bisschen weiter, noch besser sein als die Mitspielerinnen. Auch Künzels Tochter Leonie (17) ist aktive Fußballerin – so wie weitere Familienmitglieder. Leonie fand das Digitaltraining motivierend: „Das war gut fürs Team.“ Trainer Jürgen Pfluger freut sich dennoch, wenn es wieder draußen losgehen kann: „Als erstes beginnen wir mit dem Lauftraining.“

Allein oder in Zweiergruppen. Da werde ihm und seinem Mittrainer schon einiges einfallen, um die Ausdauer der Spielerinnen zu stärken und sie für die nächsten Spiele, und seien sie erst in der nächsten Saison, wieder fit zu machen um die gesteckten Ziele zu erreichen.

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