Bis zu 70 Graugänse belagern zu Hochzeiten das Strandbad in Stadl

So will Breitbrunn die watschelnde Population am Chiemsee in den Griff kriegen

Breitbrunn am Chiemsee - Freche Graugänse samt Nachwuchs belagern gerade im Sommer den Chiemsee und ziehen sich gerne in Buchten zurück. Das Strandbad in Stadl hat es dem Federvieh besonders angetan. Dass sie ihr Revier mit Badegästen teilen müssen, stört sie dabei nicht im Geringsten - ganz im Gegenteil zu den Sommerfrischlern. Nun möchte die Gemeinde dem Federvieh den Riegel vorschieben.

„Die Graugans-Problematik bei uns ist nicht neu und ein Thema, das von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark auftritt. Vor zwei Jahren war es extrem - da verbuchten wir eine sehr große Population an Gänsen, die immer auf der Liegewiese unterwegs war. Da war die Rede von 50 bis 70 Graugänsen, die dort natürlich auch entsprechend Dreck hinterlassen haben - was auch für die Badegäste ja nicht ungefährlich ist. Daher sind die vielen Graugänse tatsächlich ein Problem, das wir versuchen in den Griff zu bekommen“, erklärt Bürgermeister Anton Baumgartner im Gespräch mit rosenheim24.de, nachdem die Graugänse im Fokus der jüngsten Gemeinderatssitzung am 10. November standen.

Hauptsächlich sammeln sich die Gänse am Strandbad im Ortsteil Stadl - dort ruhen sie auf der Liegewiese mitsamt dem Nachwuchs, suchen nach Futter und können gemütlich mit den Jungtieren ins seichte Wasser watscheln. Auch wenn es mit den Gänsen heuer nicht ganz so extrem war, die Gemeinde möchte auf lange Sicht gegensteuern. Denn trotz dass sie im Winter weiterziehen, man müsse damit rechnen, dass die Population im nächsten Jahr wieder wachsen könne am Chiemsee. Auch die Nachbargemeinden Rimsting und Bernau hätten an ihren Strandbädern Baumgartner zufolge regelmäßig mit der Graugans-Problematik zu kämpfen.

Schonende Lösung: Zaun vor Abschuss?

Doch was tun? In der Vergangenheit habe man es mit Bejagen versucht - dafür habe die Gemeinde Breitbrunn auch eine Schonzeitverkürzung seitens des Landratsamts und die Genehmigung zum Abschuss erhalten. „Das Landratsamt sieht die Problematik ebenso, dass es zu viele Gänse am Chiemsee gibt“, unterstreicht der Bürgermeister und schildert gleichzeitig, das Vorgehen sei für die Jäger mühsam, die Gänse sehr schlau: „Teilweise haben sie den Wagen des Jägers am Parkplatz schon erkannt und vor dessen Eintreffen am Strand die Flucht ergriffen.“

Nun wolle man es auf andere Art, mit einer „humanen Lösung“ versuchen: Die Gemeinde wolle im Frühling 2021 zur Brutzeit, beziehungsweise, sobald die Gänse mit den Jungvögeln unterwegs sind, den Strandbereich in Stadl mit einem niedrigen Zaun für Kleintiere mit circa 65 Zentimeter Höhe abstecken. Somit wäre der Weg vom Wasser auf die Wiese für die Vögel passé, wie der Bürgermeister erläutert: „Wir erhoffen uns, dass die Gänse lernen, dass dieser Bereich für sie uninteressant wird und sie im Sommer Stadl gleich gar nicht mehr ansteuern, wenn sie mit den Jungen schon im Frühjahr nicht auf den Strand ausweichen konnten.“

Die Kosten für den mobilen Zaun, der jederzeit vom Bauhof wieder abgebaut werden könne, belaufen sich auf wenige hundert Euro. „Das stellt auch für uns eine schonende Möglichkeit dar, die wir probieren möchten. Wir wollen die Tiere ja nicht ständig umbringen, gerne schießt man auch nicht. Ob‘s wirklich funktioniert, bleibt abzuwarten. Der Aufwand dieser Lösung wäre immerhin überschaubar“, schließt der Bürgermeister seine Erklärung.

mb

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