Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Breitbrunner Dorfarchivar zum Kirta

„A g´scheiter Kirta, dauert bis zum Irta“ – Kirta-Hutsch‘n ist aus der Mode gekommen

Die Aufnahme von 1950 zeigt eine eine Riesengaudi auf einer Kirta-Hutschn beim Franzen in Breitbrunn/Frieberting. Das Foto ist von Arnold Höfer und entstammt der Breitbrunner Chronik.
+
Die Aufnahme von 1950 zeigt eine eine Riesengaudi auf einer Kirta-Hutschn beim Franzen in Breitbrunn/Frieberting. Das Foto ist von Arnold Höfer und entstammt der Breitbrunner Chronik.

Auch im Chiemgau gab es die Kirta-Hutschn und Kirta-Tänze. Die rückläufige Tendenz bei den Landwirtschaften lässt das Brauchtum etwas ins Hintertreffen geraten. Vor einigen Jahren hatte die Gollenshausener Landjugend noch ein Kirta-Hutsch’n im Betrieb.

Breitbrunn – Im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen erzählt der Breitbrunner Dorfarchivar Franz Burghardt, dass noch in den 1950er Jahren die Kirchweih fast ausschließlich vom Bauernstand gefeiert wurde.

Erst zur Kirche, dann die Verwandschaft

Nachdem die Ernte eingebracht, Obst und Früchte eingeweckt, Gemüse eingemacht, Fleisch geräuchert sowie Feld und Flur in Ordnung gebracht war, lud man die Verwandtschaft ein. Zuerst erfolgte aber der Kirchgang, zudem man das „guade Gwand“, die Tracht getragen hatte.

Nach der Messe am Sonntag ging es dann richtig los, mancherorts sogar schon Tage zuvor, wie Burghardt erzählt. Oft sei zwei bis drei Tage lang gefeiert worden. Von daher kommt auch das überlieferte Sprichwort: „A g´scheiter Kirta, dauert bis zum Irta“, wobei der Irta der Dienstag war. Das Sprichwort geht noch weiter: „Und wann sie´s duat schicka, aa bis zum Migga“, also zum Mittwoch.

Oft genug gab es bei diesen Feiern auch Raufhändel unter den jungen Burschen. Wenn dies ein gerichtliches Nachspiel hatte, gab es bis ins Jahr 1803 in Langbürgen bei Breitbrunn eine Besonderheit. Genau bei der Kirche grenzten die Gebiete der beiden Gerichtsbarkeiten Kling und Wildenwart aneinander. Je nachdem, auf welcher Seite der Kirche sich die Streithähne in die Haare bekamen, war eine andere Gerichtsbarkeit zuständig, erzählt Burghardt.

Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Breitbrunn

Um die Strapazen des ganzen Jahres mit einem kleinen Fest zu beenden, gab es verschiedenste Lustbarkeiten. In Altbayern zum Beispiel servierte man zu Kirchweih fast traditionell den Gänse- oder Entenbraten – das Kirtag-Ganserl – meist mit Kartoffelknödeln und Blaukraut. Nachdem die Kinder „o´gfuadat“ (satt) waren, ging es für sie auf die Kirta-Hutsch´n.

Üblicherweise ist das in Oberbayern eine große Längsschaukel, etwa fünf bis sechs Meter, auf der bis zu 15 Personen hinter- oder nebeneinander Platz finden. Als Sitzgelegenheit dient vornehmlich eine Leiter, eine Bohle (Lod´n) oder ein Baumstamm. Befestigt wurde die Hutsch´n mittels dickem Seile oder Ketten an den „Brett´n-Balken“ über der Durchfahrt einer Tenne, kann man auf alten Fotos erkennen.

Zwei kräftige Burschen tauchen die Schaukel an

Um das Konstrukt „o´zutauchen“, also in Schwung zu bringen, stehen an beiden Enden üblicherweise zwei kräftige Burschen, um die Gruppe dann in schwindelige Höhen zu schaukeln, erklärt Dorfarchivar Burghardt das Procedere. Gab es die Hutsch´n in früheren Jahren noch in fast jedem Dorf, so ist sie aus unfalltechnischen Gründen mittlerweile fast vollkommen von der Bildfläche verschwunden. Außerdem gibt es die traditionellen Kirtanudeln, das ist ein rundes Hefegebäck, das schwimmend in Butterschmalz herausgebacken und mit Puderzucker bestreut wird. Sie werden auch als „Auszogne“ genannt.

Kirta-Tanz in Gstadt in den 50er Jahren

Veranstaltungen mit Musik und Tanz wie zum Beispiel der Almkirta an Jakobi Ende Juli oder Kirchweihmärkte sind neuere Erscheinungen, erklärt der Dorfarchivar. Noch in den 1950er Jahren gab es in Gstadt beim „Cafe am See“ einen Kirta-Tanz, steht in den Annalen der örtlichen Chronik.

Zur Historie. In den Dörfern Altbayerns wurde Kirchweih bis 1866 an den Sonntagen vor oder nach dem jeweiligen Patroziniums-Fest der örtlichen Kirche gefeiert. Das Kirchweihfest entstand im Ursprung zur Erinnerung an die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem im Jahre 335.

Weihetag des Kirchenpatrons wird gefeiert

Bereits seit dem vierten Jahrhundert war es üblich, neben dem Gedenktag des Kirchenpatrons auch den Weihetag zumeist am Todestag oder am von der Kirche zugewiesenen Gedenktag des entsprechenden Heiligen zu feiern.

Das könnte Sie auch interessieren: Die bewegte Geschichte der Kriegsopferglocke von Breitbrunn

Die Lateran-Basilika in Rom hat durch ihre Bezeichnung als Papst-Kathedrale im Laufe der Liturgiegeschichte eine durchaus sinnvolle Koordinierung aller, an verschiedenen Tagen gefeierten Kirchweihfeste veranlasst. Ihr Weihetag war ursprünglich auf den 9. November angesetzt. Um die geschichtliche und geistliche Präsenz der Papst-Kathedrale zu respektieren, wurde für Kirchen in vielen Diözesen ein gemeinsames Weihefest angesetzt – und zwar am drauf folgenden Sonntag. Heute ist das der dritte Sonntag im Oktober, der für alle gilt. Das Fest wird manchmal auch „Zachäus-Fest“ genannt. Auch die Fahne, die vom Kirchturm weht, heißt „Zachäus“.

Kommentare