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Besondere Bräuche um die Weihnachtszeit

Weihrauch-Rituale am Chiemsee - Mit dem Bügeleisen durch die Rauhnächte

Theresa Pfaffinger vom Hoanznhof in Weisham mit dem alten „Familien-Räucherbügeleisen“. Damit werden in den Rauhnächten Hof und Stall ausgeräuchert – ausschließlich mit geweihtem Weihrauch.
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Theresa Pfaffinger vom Hoanznhof in Weisham mit dem alten „Familien-Räucherbügeleisen“. Damit werden in den Rauhnächten Hof und Stall ausgeräuchert – ausschließlich mit geweihtem Weihrauch.

Weihrauch ist aus der Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Besonders liebt ihn die Familie von Ortsbäuerin Theresa Pfaffinger aus Bernau. Sie hat ein ganz spezielles Ritual entwickelt, das 400 Jahre alt sein könnte. Wer das Baumharz aus dem Orient außerdem noch liebt.

Bernau/Breitbrunn/Fraueninsel – Winterzeit, dunkle Zeit, Zeit der Rauhnächte. Brauchtumsforschern zufolge deutet schon der Name „Rauhnacht“ auf einen uralten Brauch hin, das heilbringende und reinigende Räuchern zwischen Weihnachten und Dreikönig. Dem Weihrauch kommt dabei eine tragende Rolle zu.

Vermutlich begeht man diesen Brauch auf dem Hoanznhof in Weisham schon seit über 400 Jahren, „so lange bewirtschaftet die Familie meines Mannes diesen Hof schon“, erzählt Ortsbäuerin Theresa Pfaffinger.

Wichtigstes Utensil: Das alte Bügeleisen

Momentan liegt die Ausübung des Weihrauch-Rituals noch in den Händen ihrer Schwiegerleute: „Am 24. und am 31. Dezember sowie am Dreikönigstag räuchern wir Haus und Hof komplett aus.“ An Heiligabend gehe es los, wenn es dunkel ist. Dann werden glühenden Reste aus dem Holzofen in ein schweres, eisernes Bügeleisen gefüllt, darauf kommen die Weihrauch-Harzbröckchen.

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„Das Bügeleisen ist bestimmt schon 100 Jahre alt“, lacht die Bäuerin, „es ist ein praktisches Räucherwerkzeug, weil viel reinpasst und durch die Schlitze an den Seiten der Rauch gut durchkommt.“ Das Räuchern sei die Angelegenheit der ganzen Familie, während nebenher der Rosenkranz gebetet werde: „Immer drei Leute gehen dabei zusammen in einen Raum, zum Beispiel in den Stall. Einer geht mit dem Licht, einer brennenden Kerze, voran. Es folgt die Person mit dem Bügeleisen, die es nach links und rechts schwenkt. Hinter ihr geht die dritte Person, die Weihwasser versprengt.“

Auf die glühende Kohle kommen die Harz-Kügelchen.

Zwischen Himmel und Erde

Beim Räucherwerk überlässt sie nichts dem Zufall: Sie wallfahrtet gern, und bringt dabei geweihtes Harz aus Altötting mit. Etwas anderes als Weihrauch käme für das traditionelle Räuchern nicht in Frage: „Weihrauch soll Himmel und Erde verbinden und ihm wird eine reinigende, antibakterielle Wirkung zugeschrieben.“

Bestätigen kann dies Eva Derwart vom Klosterladen auf der Fraueninsel. Hier und im zugehörigen Onlineshop gibt es neun verschiedene Weihrauchsorten in diversen Duftrichtungen, von „Erzengel“ bis „Zirbe“.

Die Harzkügelchen seien das ganze Jahr über gut gefragt, erzählt sie, „wobei das Interesse gewachsen ist, vor allem jetzt zur Weihnachtszeit.“ Die Wirkstoffe des Harzes werden durch die Erwärmung freigesetzt, „dann beeinflussen sie uns auf körperlicher und geistiger Ebene.“ Der Klosterladen bestellt seine Boswellia, so der lateinische Name der Pflanzenart, seit 2012 bei einem Projekt in Äthiopien, „die einzige Initiative weltweit, die Weihrauch aus nachhaltiger Quelle anbietet und ihn fair handelt“, sagt Derwart.

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Sehr gefragt seien in jüngster Zeit Weihrauch mit Zirbenspänen sowie der lieblichere Rosenweihrauch: „Er riecht nicht ganz so streng nach Kirche“, schmunzelt sie.

Biblischer Ursprung

Dabei darf das in einem Gotteshaus durchaus so sein, meint Pfarrer Andreas Przybylski vom Pfarrverband Selige Irmengard, der die Kirchen in Breitbrunn und Gollenshausen betreut. „Es ist ein besonderer Ort, Weihrauch riecht nun einmal feierlich. Schon in der Bibel heißt es, er steige zu Gott empor.“ Die große spirituelle Bedeutung des Weihrauchs nehme ihren Ursprung im frühen Judentum und anderen Religionen, stets sei es um die Gottesverehrung gegangen. In der Kirche werde er heute eher zu höheren Feierlichkeiten und beim Sonntagsgottesdienst eingesetzt, wobei geräuchert werde, was wertvoll sei: Altar, Evangelienbuch, Brot und Wein, freilich auch der Priester und „nicht zuletzt die Menschen als Volk Gottes.“

Geräuchert wird, was wertvoll ist

Warum kommt diese hohe Aufgabe eigentlich den Ministranten zu? Przybylski lacht: „Der Pfarrer hat auch nur zwei Hände.“ Wie Eva Derwart vom Klosterladen hat er eine Vorliebe für Rosenweihrauch, er mag auch eine „würzigere Sorte mit feiner Vanille-Note.“ Zu besonderen Anlässen darf es die Sorte „Lourdes-Gold“ sein. Przybylski mag Weihrauch auch privat, „etwa, wenn ich mich in meine Gebetsecke zurückziehe sowie zum Abendlob.“ Die Kirche mag sich wandeln, der Weihrauch bleibe.

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Bleiben darf, nein, soll er im Hoanzhof nach dem Räuchern: Danach darf auf keinen Fall kräftig gelüftet werden. „Um Gottes Willen!“ ruft Theresia Pfaffinger lachend aus, „der Rauch bleibt erst mal drin.“ Solange jedenfalls, bis sich die göttliche Wirkung der „Gabe aus dem Morgenland“ entfaltet hat .

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