Rathaus-Bau: Die Bürger reden mit

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Als Standorte für ein neues Rathaus in Bernau stehen zur Debatte: Grundstücke an der Aschauer Straße ("A"), an der Chiemseestraße ("C") und an der Rottauer Straße ("R"). In letztem Fall kommt ein Neubau anstelle des Minigolfplatzes ("R") oder auch anstelle des "Paul-" oder "Bonnhauses" in Betracht.

Bernau - Wo ist der beste Standort für ein neues Rathaus in Bernau? Diese Frage haben die Bürger am Mittwochabend im Gasthof "Kampenwand" erörtert.

Alle drei zur Debatte stehenden Varianten an der Aschauer, Chiemsee- und Rottauer Straße fanden Fürsprecher. In der Diskussion nicht zu überhören war der Ruf, die Abstimmung in die Hände des Bürgers zu legen und einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

So groß war das Interesse an einer Bürgerversammlung in Bernau schon lange nicht mehr: Rund 200 Besucher kamen in den Gasthof "Kampenwand". Nachdem Gerhard Hajer vom Planungsbüro "Straßer + Partner" in Traunstein die zur Debatte stehenden Standorte für ein Rathaus erläutert hatte (ein eigener Bericht folgt), ergriffen die Bürger das Wort. Die Diskussion moderierte Orts- und Regionalplaner Professor Ulrich Pietrusky.

In Ergänzung der drei möglichen Standorte brachte Günter Obermaier einen "vierten Weg" ins Gespräch: "Wir brauchen überhaupt kein neues Rathaus." Ein Neubau sei "nicht bezahlbar". Die Erfahrung zeige, dass im Rahmen einer derart großen Baumaßnahme die Kosten am Ende doppelt so hoch wie am Anfang seien.

Ekkehard Barchewitz kritisierte, dass der Gemeinderat das Thema Rathaus "so isoliert" betrachte. Er vermisse ein Konzept für die Ortsentwicklung. Er könne nicht erkennen, nach welchem "Strickmuster" der Gemeinderat vorgehe. Dr. Rainer Pausch kann den Nutzen eines neuen Rathauses für den Bürger, wie er sagte, "nicht erkennen". Vielmehr sei zu befürchten, dass die Schulden der Gemeinde, die ohnehin schon hoch seien, noch einmal erheblich steigen.

Norbert Klauck, der Vorsitzende des Gewerbevereins Bernau, brach eine Lanze für den Standort Chiemseestraße. Die Gewerbetreibenden in Bernau betrachten die zunehmenden Leerstände seinen Angaben zufolge mit wachsender Sorge. Gemäß Klauck wünschen sie sich eine "Belebung". Die Chiemseestraße sei als Standort für ein neues Rathaus "sehr gut geeignet".

Für einen Neubau des Rathauses anstelle des "Paul-" oder "Bonnhauses" hat sich hingegen Klaus Praßberger ausgesprochen. Dieser Standort an der Rottauer Straße sei "etwas erhöht" gegenüber seiner Umgebung und biete "perfekte Gestaltungsmöglichkeiten". Eine Anbindung zum Kurpark sei gegeben, der Baugrund sei gut. Praßbergers Vorschlag: Die Gemeinde sollte das "Schuhmann-Grundstück" an der Chiemseestraße verkaufen und mit dem Erlös an den Bau des Rathauses an der Rottauer Straße gehen.

Seit 20 Jahren lebt Barbara Kebeck-Altinger, die Präsidentin der Faschingsgilde "Chiemseenixen", im Ort. "Ich liebe Bernau, aber in Bernau passiert nichts." Eindringlich appellierte sie an alle, sich einig zu werden - damit dann die Gemeinde das Rathaus endlich bauen könne. Fritz Wanner sagte, ein neues Rathaus passe gut an die Aschauer Straße.

Peter Kasperczyk, der Vorsitzende der Ortsgruppe Bernau des Bund Naturschutz, könnte sich einen Neubau an der Chiemseestraße mit Eingliederung des Kurparkes "gut vorstellen". "Ich kann aber auch mit der Rottauer und Aschauer Straße leben." Ihn interessiere vor allem, was der Bürger in den folgenden 20 Jahren bezahlen müsse. Mit Blick auf die Kosten, die die Baumaßnahme beschert, zweifelte er daran, dass die Gemeinde "wirklich alles mit der nötigen Sorgfalt" untersucht und durchgerechnet habe.

"Wir brauchen das Rathaus", unterstrich Bürgermeister Klaus Daiber. Das jetzige Gebäude der Gemeindeverwaltung sei "uralt". Das Dach sei undicht, die Räume eng. Die Technik entspreche "nicht mehr der heutigen Zeit". Die Gemeinde sei aufgefordert, den Mitarbeitern moderne Arbeitsplätze zu bieten und somit das "Umfeld" zu schaffen, dass sie weiterhin "gute Arbeit leisten".

Gregor Thalhammer plädierte für eine "Stufenlösung": Die Gemeinde sollte das Rathaus "nicht auf einen Schlag", sondern vielmehr Schritt für Schritt bauen. Michael Städter forderte, das Raumprogramm mit aller Sorgfalt aufzustellen. Nicht alles, was wünschenswert sei, sei auch "definitiv notwendig".

"Wir sind in der glücklichen Lage, drei Standorte zur Auswahl zu haben", sagte Sepp Seiser. Die Chiemsee- und die Aschauer Straße habe eine "wunderbare Alternative": die Rottauer Straße. Ein Neubau anstelle des "Paul-" oder "Bonnhauses" besitze eine gute Anbindung an den Ortskern. Er brach eine Lanze für diesen, wie er meinte, "Kompromiss" und appellierte daran, das Rathaus miteinander zu bauen - und nicht gegeneinander.

Auch Dr. Andreas Lang stimmte für einen Standort "Paul-Haus". An dieser Stelle könne man ein "sehr repräsentatives Rathaus" errichten. Seiner Ansicht nach sollte nicht der Gemeinderat die Entscheidung treffen, sondern vielmehr der Bürger. Und so schlug er vor, einen Bürgerentscheid herbeizuführen und dem Bürger die Standorte zur Auswahl zu stellen.

Herbert Hartl zweifelte an den vom Planer angegebenen Mehrkosten, die eine "Tiefengründung" des Rathauses auf dem schlechten Boden an der Chiemseestraße nach sich ziehen würde. Statt 260000 Euro, wie Hajer schätzte, fürchtete Hartl einen zusätzlichen Aufwand in Höhe von "400000 bis 500000 Euro". Wie Dr. Lang plädierte auch Hartl dafür, die Entscheidung in die Hände der Bürger zu legen. Er beantragte, dass der Gemeinderat ein Ratsbegehren beschließt und letztlich dann den Bürger abstimmen lässt.

Als Gewerbetreibender und Bürger wünschte sich Helmut Wachter ein neues Rathaus an der Chiemseestraße. Ein Neubau an dieser Stelle könnte den Charakter eines "Leuchtturmes" bekommen und eine weitere Ortsentwicklung begünstigten, die von dieser Stelle ausgeht. Auch Donat Steindlmüller plädierte für die Chiemseestraße, weil er dann große Chancen für eine Ortsentwicklung sah. Der Standort "Paul-Haus" sei ihm, wie er weiter sagte, "zu schade" für ein Rathaus.

Ex-Bürgermeister Wolfgang Zeitlmann plädierte für einen Neubau im Kurpark: Seiner Ansicht nach ist die Stelle, an der früher das Haus "Germania" stand, ideal. Am Geld dürfte der Bau eines neuen Rathauses nicht scheitern. Denn Bernau habe "ein Vermögen" an Grund und Boden wie kaum eine andere Gemeinde.

pü/Chiemgau-Zeitung

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