Bürgersolaranlage geplant

Übersee - Das Fundament für eine erste Bürgersolaranlage im Ort hat jetzt die Gemeinde Übersee gelegt. Sie erlaubte der Firma Solar Bayern in Grassau, auf dem Dach des Bauhofgebäudes Module für die Stromerzeugung zu montieren.

Die Bürger erhalten in den nächsten Wochen die Möglichkeit, sich Anteile an der Anlage zu sichern - in der Aussicht, dass sie dann auf ihre Einlagen 20 Jahre lang eine effektive Rendite erhalten, die voraussichtlich zwischen vier und viereinhalb Prozent liegt.

Mit großem Erfolg laufen bereits Bürgerprojekte in anderen Kommunen. In Bernau oder etwa auch in Prien haben Gesellschaften Fotovoltaikanlagen gebaut. Sie erzeugen Strom und speisen ihn in das allgemeine Netz ein - und zwar zu einem festgeschriebenen, vom Staat geförderten Preis. Und jetzt ist auch ein erstes gemeinsames Vorhaben in Übersee auf den Weg gebracht. Den Anstoß hat die Gemeinde gegeben.

In den vergangenen Wochen steckte sie die Rahmenbedingungen ab. Die Kommune beschloss, das Dach ihres Bauhofgebäudes kostenlos zur Stromerzeugung zur Verfügung zu stellen, sie legte den Bürgern in einer Informationsveranstaltung nahe, mit ins Boot zu steigen, und vergab jetzt - wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschloss - den Auftrag für den Bau der Anlage. Zwei Firmen hatten sich beworben, den Zuschlag erhielt die "Solar Bayern Vertrieb und Service GmbH". Die Wahl fiel auf diesen Betrieb, weil er die höhere Rendite versprochen hatte.

Die Anlage bestehe aus 157 Modulen, so Mona Blos, die Geschäftsführerin von Solar Bayern, auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Das rund 200 Quadratmeter große Dach des Bauhofgebäudes werde vollständig zur Stromerzeugung genutzt. Die vergleichsweise große Fotovoltaikanlage habe eine Leistung von 29,83 Kilowattpeak. Pro Jahr könne sie 30.000 Kilowattstunden produzieren. Zu erwarten seien jährliche Verkaufserlöse in einer Höhe von rund 10.000 Euro.

Die Anlage kostet nach Angaben der Geschäftsführerin 103.000 Euro (mit Mehrwertsteuer). Sie sagte, dass Solar Bayern die Module auf jeden Fall noch in diesem Jahr auf dem Dach montiere und den Betrieb noch vor dem Jahreswechsel aufnehme. Schließlich wolle die Firma für sich und vor allem auch für die Bürger, die mit einsteigen, noch die derzeit geltende Einspeisevergütung in Höhe von 33 Cent pro Kilowattstunde auf 20 Jahre sichern. Denn der Gesetzgeber ziehe in Erwägung, sie zum 1. Januar um 13 Prozent zu senken.

"Wir gehen in Vorleistung", sagte die Geschäftsführerin mit Blick auf die Ausgaben, die der Firma nun bevorstehen. Wie von der Gemeinde gewünscht und gefordert, biete sie den Bürgern an, in den nächsten Wochen mit ins Boot zu steigen.

30 Anteilscheine zu je 2896 Euro

Den Bürgern steht jetzt offen, Anteile an der Anlage zu erwerben. Die Ausgabe regeln die Gemeinde und Solar Bayern. Entsprechend der Leistung der Anlage wollen sie - aufgerundet - 30 Anteilscheine zu je 2896 Euro ausgeben. Die effekive Rendite wird nach Angaben aus dem Rathaus im Einzelfall nach Einkommen und Steuerveranlagung zwischen vier und viereinhalb Prozent liegen. Weitere Auskünfte erhalten Interessierte im Rathaus in Übersee, Telefon 08642 / 89 89 0, und in der Firma Solar Bayern in Grassau, Telefon 08641 / 69 49 07.

Bürgermeister Marc Nitschke sprach in der jüngsten Gemeinderatssitzung von einem "guten und zukunftsweisenden Projekt". Gegeben sei die Möglichkeit, ohne finanzielles Risiko den Anstoß für eine Bürgersolaranlage geben zu können.

Weiter berichtete er aus der vorausgegangenen Informationsveranstaltung, dass sich bereits acht Personen eingehend informiert hätten und voraussichtlich insgesamt 13 bis 18 Anteile kaufen wollen. Laut dem Gemeindeoberhaupt werden die Kosten des Baus voll und ganz von der Firma getragen. Solar Bayern biete dem Bürger die Möglichkeit, sich finanziell zu engagieren. Anteile, die nicht verkauft werden, bleiben ihm zufolge im Eigentum der Firma.

Oliver Engels (CSU) mahnte, die Anlage nur dann zu realisieren, wenn die Bürger tatsächlich auch mitmachen und die angebotenen Anteile kaufen. Leo Segin (auch CSU) fragte, wer Eigentümer der Anlage sei und wer später anfallende Kosten tragen müsse. Nach Ablauf der 20 Jahre Laufzeit könne die Anlage entweder abgebaut oder von der Gemeinde zu einem symbolischen Preis von einem Euro gekauft werden, erwiderte Nitschke.

Nur Paul Reichl (CSU) stimmte dagegen, die Anlage von der Firma Solar Bayern bauen zu lassen. Er kritisierte, dass die Gemeinde das Dach des Bauhofgebäudes der Firma kostenlos zur Verfügung stelle.

pü/tb/Chiemgau-Zeitung

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