"Charivari" wird noch heuer abgerissen

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Prien - Die Tage des früheren Hotels "Charivari" am großen Kursaal sind gezählt. Der leerstehende Bau, der seit Jahren zusehends verfällt, wird noch in diesem Jahr abgerissen.

Das spart der Marktgemeinde viel Geld, das Bürgermeister Jürgen Seifert in die Verschönerung des Kursaals stecken will.

300.000 Euro für den Abriss stehen heuer im Haushalt der Marktgemeinde. Die hat das frühere Hotel vor Wochen im Paket mit dem angrenzenden Parkplatz an den Landkreis Rosenheim verkauft (wir berichteten). Der wiederum hat damit eine Option für den Neubau einer Turnhalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG). Die jetzige gilt als marode. Pläne oder gar einen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Beim Kauf habe sich der Landkreis vertraglich verpflichtet, das "Charivari", das viele Priener auch noch unter seinem früheren Namen "Hotel Wagner" kennen, noch in diesem Jahr auf seine Kosten abzureißen, sagte Seifert im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Markt Prien das Hotel mit Holzverkleidungen verbarrikadieren müssen, nachdem Unbekannte nachts wiederholt ins Gebäude eingedrungen und sogar bis in einen Raum mit Starkstromanschluss vorgedrungen waren (wir berichteten). Den wiederum konnte die Gemeinde nicht abschalten, weil er auch den Kursaal speist.

Der Markt Prien spart also 300000 Euro Abrisskosten, die Seifert am liebsten vollständig "zweckgebunden investieren" und in den benachbarten Kursaal stecken möchte. Darüber wird der Marktgemeinderat spätestens im Rahmen seiner Haushaltsklausur im Herbst beraten müssen, wenn die Eckdaten für den Etat 2011 abgesteckt werden.

Um gestalterische Möglichkeiten zu haben, hat Prien einen sieben Meter breiten Grundstücksstreifen entlang der Südseite des Saal-Baus behalten. Ein Anbau für eine moderne, größere Küche - seit Jahren ein sehnlicher Wunsch vieler Veranstalter - würde aber wohl nach Westen erfolgen.

Eine vollständige und kaum gebrauchte Gastronomieküche hatte der Markt Prien schon 2009 als "Schnäppchen" in weiser Voraussicht erworben, als ein örtliches Lokal aufgelöst wurde. Sie lagert seitdem in der Tiefgarage unter dem Saal. Neben der Küche möchte Seifert 2011 auch das Foyer in Angriff nehmen und ansprechender gestalten.

Beleuchtung und Garderobe stehen ebenfalls noch auf der Liste. Die alten Kronleuchter im Saal haben zwar einen ganz eigenen Charme, gelten aber schon lange nicht mehr als zeitgemäß. "In spätestens zwei Jahren soll der Kursaal wieder richtig aufgewertet sein", gibt der Bürgermeister als Ziel vor.

Mit dem "Charivari" hat der Landkreis auch den Parkplatz daneben gekauft. Für ihn hatte er mit dem Markt Prien bisher eine Nutzungsvereinbarung zum Vorteil des LTG und seiner Lehrkräfte. Solange keine neue Turnhalle gebaut wird, bleibe der Parkplatz inklusive der Wertstoffsammelstelle bestehen, erklärte Seifert.

Wenn der Landkreis einmal eine neue Halle neben der bestehenden baut und der Parkplatz dafür wegfällt, werde die Vereinbarung praktisch umgedreht. Dann entsteht ein neuer Parkplatz, den auch Kursaalbesucher nutzen können, dort, wo jetzt noch das "Charivari" samt Grünanlagen davor steht. Auch dies sei Bestandteil des Vertrags, sagte das Gemeindeoberhaupt.

Der Markt Prien habe das "Charivari" "verlustfrei" verkauft, verriet Seifert, ohne Zahlen zu nennen.

Sein Vorgänger Christian Fichtl hatte das leerstehende Hotel vor Jahren für rund eine Million Euro von der Sparkasse Regensburg erworben, damit die Gemeinde die Zukunft des Gebäudes und Areals selbst in der Hand hat.

Vorausgegangen waren jahrelange Streitereien mit einem früheren Betreiber, dem noch ein kleiner Teil gehörte und der nicht oder nur zu horrenden Summen verkaufen wollte. Als er starb, konnte Fichtl seinerzeit schnell Einigkeit mit den Erben erzielen.

Das geschichtsträchtige Hotel war in den Jahren davor mehrfach Objekt von Spekulationen. Im Gespräch war vor allem wiederholt ein Hotel. Dies scheiterte am Standort. Potenzielle Investoren wollten lieber am See bauen als mitten im Ort.

Zeitweise waren die Räume im Erdgeschoss zwischendurch mit großem Erfolg für Tanzpartys für ein jugendliches Publikum vermietet worden.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

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