Chiemgauer Gerätehändler verurteilt

Landkreis - Der Gerätehändler aus einer Gemeinde im westlichen Chiemgau wusste Rat. Im November 2003 benötigte ein Allgäuer Bauunternehmer eine teure Maschine, deren Kauf seine Möglichkeiten überstieg.

Der Händler riet seinem Kunden zum Leasing. Damit müsse er nicht soviel Kapital aufbringen.  Er, der Händler, würde das Gerät an die Leasinggesellschaft verkaufen, es ihm übergeben und sein Kunde müsse dann eben für dieses Gerät Leasingraten an diese Gesellschaft bezahlen. Damit wäre allen geholfen: Er verkauft das Gerät, sein Kunde ist mit den monatlichen Leasingraten nicht überfordert und die Leasingfirma kann auch noch Geld verdienen.

Ein ganz normales Geschäftsgebaren - wenn der Händler das Gerät besessen hätte. Nun verkaufte er der Leasinggesellschaft ein Gerät, das nur auf dem Papier existierte. Der Bauunternehmer bestätigte die Übernahme, bekam jedoch ein anderes, ähnliches Gerät, das der Händler gerade vorrätig hatte.

Der Händler kassierte von der Leasingfirma rund 60.000 Euro für ein nicht existierendes Gerät. Das wäre womöglich niemals aufgefallen, wenn nicht der Endkunde, also der Bauunternehmer, nach zwei Jahren hätte Insolvenz anmelden müssen. Damit blieben die Leasingraten aus, und die Leasingfirma forderte das Gerät zurück.

Das vorhandene Gerät gehörte ihr aber nicht und mit einem nachträglichen Tausch war sie nicht einverstanden.

Eine besondere Note erhielt dieses Geschäft, als sich herausstellte, dass der Händler den Kaufpreis für das nicht vorhandene Gerät mit seinem Kunden 40:60 geteilt hatte.

Die Erklärung in der Verhandlung wegen Betrugs vor dem Rosenheimer Amtsgericht, es hätte sich dabei um nicht näher bezeichnete Provisionen gehandelt, fand keinen Glauben.

Der Staatsanwalt hielt in seinem Schlussvortrag den Tatbestand des Betrugs für erwiesen. Weil der Angeklagte nicht vorbestraft ist, hielt der Staatsanwalt, trotz des immensen Schadens, eine Haftstrafe von 18 Monaten für ausreichend, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Vogel, forderte, seinen Mandanten freizusprechen. Der habe ein gleichwertiges Produkt zur Verfügung gestellt und es wäre Sache des Kunden gewesen, das Ersatzgerät, mit dem er sehr zufrieden gewesen sei, bei dem Leasinggeber als Gerätetausch zu melden.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Heinrich Loeber folgte der Argumentation des Staatsanwalts. Es verurteilte den Händler zu 15 Monaten Gefängnis, die es auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte.

Darüber hinaus wurde ihm auferlegt, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten und den entstandenen Schaden nach Kräften wiedergutzumachen.

au/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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