Bürgerinitiative gründet sich in Chieming

Bedenken vor 5G-Strahlung: „Unsere Gesundheit geht vor“

Die Sprecher der Chieminger Bürgerinitiative zu 5G, von links: Dominik Ehrich, Heike Joswig und Ingrid Kern-Minckwitz.
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Die Sprecher der Chieminger Bürgerinitiative zu 5G, von links: Dominik Ehrich, Heike Joswig und Ingrid Kern-Minckwitz.

Chieming - Welche Risiken und Gefahren birgt die neue Mobilfunkfrequenz 5G? Die neue Technologie ist in vieler Munde aber sie ist stark umstritten. Eine neue Bürgerinitiative macht sich für eine „gesundheitsverträgliche Digitalisierung“ der Gemeinde stark.

„Wir sind keineswegs Technikgegner, aber wir stellen uns gegen einen vermeintlichen Fortschritt auf Kosten unserer Gesundheit.“ Die Ansage ist klar und das Ziel auch: Die neue Bürgerinitiative „Lebenswertes Chieming – 5G frei“ will die gesundheitlichen Risiken der 5G-Technologie mehr ins Bewusstsein rücken. „Man muss sich überlegen, ob man die Risiken eingehen will, nur um beispielsweise das autonome Fahren zu forcieren“, so Heike Joswig von der Bürgerinitiative im Gespräch mit chiemgau24.de .


Bürgerinitiativen zu 5G im Landkreis Traunstein

Die Diskussionen um Vor- und Nachteile der „fünften Mobilfunkgeneration“ (5G) währen schon Jahre, doch nun wird es auch hierzulande konkret: Die Telekom verkündete jüngst stolz, ihre „5G-Initiative in Deutschland gestartet“ zu haben - mit dabei auch der Landkreis Traunstein. In Obing, Palling, Seeon-Seebruck, Siegsdorf, Tacherting, Traunstein, Übersee, Waging und Ruhpolding sei 5G in Betrieb genommen worden. Parallel dazu haben sich 5G-kritische Bürgerinitiativen unter anderem in Marquartstein, Übersee, Bergen, Siegsdorf, Vachendorf, Ruhpolding und eben auch in Chieming formiert.


Heike Joswig, Dominik Ehrich und Ingrid Kern-Minckwitz - Sprecher der Bürgerinitiative - betonen: „Unser Ziel ist es, 5G in Chieming zu verhindern, bis es eine gesundheitliche Unbedenklichkeitsprüfung von neutraler Stelle gibt.“ Denn Verkehrsminister Scheuer und Umweltministerin Schulze haben in einem Brief bereits im April alle Bürgermeister und Gemeinden dazu aufgerufen, den Ausbau des 5G-Netzes voranzutreiben und Liegenschaften dafür bereitzustellen.

Studien zu 5G kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen

„Da auf Bundesebene keine Handlungsbereitschaft gezeigt werde, sei die Vorsorge auf kommunaler Ebene erforderlich“, so Joswig. Deshalb haben sich Vertreter der Bürgerinitiative bereits am 30. Juni mit Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) und Mitgliedern des Gemeinderates zu einem Gespräch getroffen.

Viele Studien zeigen schädliche Effekte, andere halten die Technologie dagegen für unbedenklich. Gesichert scheint zumindest, dass die elektromagnetische Strahlung das Gewebe erwärmt. Und darüber hinaus? Bemängelt wird, dass die vielen Hinweise auf gesundheitliche Risiken für Mensch, Tier und Natur kein Gehör finden. Die Bürgerinitiativen verweisen auf Studien, die darauf zeigen, dass es durch die Strahlung zu verschiedenartigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen könne: Kopfschmerzen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Anomalitäten in der Blutzusammensetzung und im Hormonspiegel bis hin zu Folgeschäden an der Erbsubstanz – „ und zwar schon weit unterhalb der in Deutschland geltenden Grenzwerte“, so Kern-Minckwitz.

Einige Kommunen stoppten 5G bereits

Viele Menschen hätten zudem falsche Hoffnungen in die neue Mobilfunkgeneration: „Einen besseren Handyempfang bekommt man dadurch zum Beispiel nicht“, so Dominik Ehrich. Florenz, Brüssel, Genf und Rom haben einen 5G-Ausbau bereits vor einiger Zeit gestoppt. Auch in Bayern erkennen immer mehr Gemeinden, dass sie über die rechtlichen Mittel verfügen, um sich gegen die Telekommunikationskonzerne zu stellen. So haben sich die Gemeindevertreter von Hohenpeißenberg, Wielenbach und Bad Wiessee gegen einen weiteren Ausbau von 5G-Mobilfunk entschieden. 

xe

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