Bündnis 90/Die Grünen in Chieming

„Deutliche Verbesserungsmöglichkeiten“: Die Grünen über Corona-Lage in der Region

Bei der letzten Fraktionssitzung haben die Grünen in Chieming das Thema Corona und den Corona-Impfstoff diskutiert. Zudem war auch die Zentralküche für die Kliniken Südostbayern AG Thema.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Chieming - Die angelaufene Corona-Impfung und die zukünftige Krankenhausverpflegung standen im Mittelpunkt der jüngsten Fraktionssitzung. Corona bestimmt nicht nur die aktuelle öffentliche Debatte sondern auch die kommunalpolitische Arbeit. Deshalb fand die jüngste Fraktionssitzung der grünen Kreistagsfraktion wieder als Videokonferenz statt, bei der, wenig verwunderlich, die Pandemie auch die Sitzungsinhalte beherrschte.

„Das lokale Gesundheitssystem arbeitet am Limit“, so Fraktionssprecher Sebastian Heller. „Da auch die Kliniken an ihre Grenzen kommen, müssen die Ansteckungszahlen dringend gesenkt werden“, so Heller weiter. Neben den konsequenten Kontakt- und Distanzeinschränkungen, kommt der Impfung besondere Bedeutung zu. Die Kreistagsgrünen bedauern sehr, dass der Landkreis bislang nicht die ursprünglich zugesagte Impfstoffmenge erhielt.

Hat der Landkreis hier wenig Einfluss, so sehen die grünen Kreisräte aber durchaus an anderen Stellen deutliche Verbesserungsmöglichkeiten, die der Landkreis bewerkstelligen kann. Gerade bei der Information und Kommunikation ist der Landkreis gefordert. Vor allem zum Start der Impfungen hat die telefonische Anmeldung nur sehr unzureichend funktioniert. Termine wurden vergeben, jedoch stand nicht im diesem Umfang der erforderliche Impfstoff zur Verfügung. Absagen, weil kein Impfstoff mehr vorhanden war, kamen nicht rechtzeitig bei den Betroffenen an, viele Menschen mussten wieder ohne Impfung nach Hause geschickt werden.

Impfzentrum kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht erreicht werden

Kreisrat Willi Geistanger kritisierte die schlechte Erreichbarkeit des Impfzentrums mit öffentlichen Verkehrsmitteln: „Auch hier sehe man, wie dringend das Angebot des ÖPNV im Landkreis verbessert werden muss!“. Kreisrätin Margarete Winnichner berichtete, dass, entgegen einiger Berichte in den Medien, ihrer Einschätzung nach die Impfbereitschaft beim Pflegepersonal hoch sei. Sie sehe allerdings noch Defizite beim Schutz der Beschäftigten im Bildungs- und Erziehungsbereich.

„Um die Betreuungen der Kinder in den Kindergärten, Mittagsbetreuungen und Ganztagesklassen aufrecht erhalten zu können, muss man hier auch zügig Zugang zu Impfungen ermöglichen oder Schnelltests für das Personal zur Verfügung stellen“, so Winnichner. Arzt und Kreisrat Dr. Michael Hüller kritisierte die Einladung zum Impfen an alle Seniorinnen und Senioren durch den Landrat als „verspäteten“ Wahlkampf: „Impfen ist keine „Personality-Show“, es impft nicht der Landrat, sondern der Staat habe diese Impfungen ermöglicht“, so Dr. Hüller.

Thema war auch der Einsatz eines Impfbusses

Ausführlich wurde der Einsatz des Impfbusses diskutiert. Dr. Hüller sieht den Impfbus eher als „Showeinlage“. Er hält es für besser, die Impfungen in den örtlichen Arztpraxen durchzuführen, sobald ein dafür geeigneter Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht. „Solange aber dies nicht möglich ist, braucht es gerade für Menschen mit Mobilitätseinschränkung ein wohnortnahes Impfangebot“ gab Fraktionssprecher Heller zu bedenken. Für den Flächenlandkreis Traunstein mit nur einem Impfzentrum könne der Impfbus eine spürbare Verbesserung sein, um die Impfung näher zu den Menschen zu bringen. Deshalb habe man im Kreisausschuss der Anschaffung des Busses zugestimmt.

Heller bedauerte, dass in der Kreisausschusssitzung unter anderen die von Kreisrätin Ute Künkele eingebrachten Hinweise nicht ausreichend gewürdigt wurden, wonach pflegebedürftige und behinderte Menschen ernsthaft Probleme haben können, den Impfbus zu erreichen, selbst wenn er in der Nachbargemeinde steht. „Wir fahren hier auf Sicht und müssen aus den konkreten Praxiserfahrungen lernen“, so Heller, der dabei die notwendige Zusammenarbeit mit den Gemeinden hervorhob, um die „Zugangsschwellen“ zur Impfung so gering wie irgend möglich halten.

Neue Zentralküche für die Kliniken Südostbayern AG geplant

Das zweite zentrale Thema der Fraktionssitzung war die Krankenhausverpflegung, das auch von MdL Gisela Sengl als Landratskandidatin in den Vordergrund gerückt wurde. Die grüne Kreistagsfraktion begrüßt es einhellig, dass die Essensversorgung dauerhaft in der Hand der Kliniken Südostbayern AG gehalten wird und deshalb eine neue Zentralküche gebaut werden soll.

Ebenso unterstütze die Fraktion das Ziel, dass 35 Prozent der Lebensmittel aus der Region stammen und, sowie soweit als möglich, in Bioqualität eingesetzt werden sollen. Das sei ein erster, wichtiger Schritt, aber man solle sich damit noch nicht zufrieden geben und nach Möglichkeit eine weitere Steigerung des Anteils anstreben.

Kreisrat Sepp Hohlweger schlug vor, zur Erreichung der Ziele auf die Kompetenzen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises zurückzugreifen. Eine Möglichkeit, den regionalen und den Bio-Anteil der Lebensmittel in den Kliniken zu steigern, sehe er im Regionalmanagement und im Aufbau einer Vermarktungsstruktur für die Anbieter.

Kreisrätin Burgi Mörtl- Körner zeigte sich zuversichtlich, dass das 35 Prozent-Ziel bei Milchprodukten und Fleisch schnell erreicht werden könne. Bei anderen Produkten bedürfe es noch größerer Anstrengungen. Bei allen Vorgaben müsse beachtet werden, dass genügend Lebensmittel in der gewünschten Qualität vorhanden seien und der Einkauf wirtschaftlich darstellbar ist.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow (dpa)

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