Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gemeinderatssitzung Chieming vom 15. Juni

Antrag zur Errichtung eines Heimatkreuzes im Gemeindegebiet sorgt für hitzige Diskussion

Ein Heimatkreuz könnte bald das Gemeindegebiet Chieming zieren. Die Diskussion dazu ist jedoch hitzig.
+
Das Heimatkreuz des Traunsteiner Künstlers Rolf Wassermann wird auch im Gemeindebereich von Chieming aufgestellt. Ein passender Standort soll bis Herbst 2022 gefunden werden. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden zunächst die gefassten Beschlüsse der vorausgegangenen öffentlichen Sitzung bekannt gegeben.

Chieming - Bezüglich Nachtrags und Messungsanerkennung zum Kaufvertrag von Straßenverkehrsflächen aus dem Grundstück Theresienstraße 3 wurde durch die Gemeinde Kenntnis genommen von der notariellen Urkunde und hat diese genehmigt.

Der Gemeinderat hat für Obdachlose die Beschaffung von Wohncontainern per zeitlichem Mietvertrag bis Jahresende beschlossen. Die Obdachlosenunterkünfte der Firma Ela-Container mit monatlichen Mietkosten von gut 1200 Euro sollen mit Bereitstellung von gemeindlichen Haushaltsmitteln 2022 erworben werden.

Unterstützt wurde die Wasserwacht Chieming im Rahmen der Vereinsförderung für die Reparatur des Rettungsbootes des BRK Kreisverband Traunstein in Höhe von 2813,60 Euro.

Der Gemeinderat hat Kenntnis von den Antragsunterlagen zur Erweiterung der Ortsabrundungssatzung für den Ortsteil Siedenberg genommen.

Bauleitplanungen in den Ortsteilen Siedenberg und Eglsee

Der Grundstückseigentümer des Grundstücks Siedenberg 7 hat die Erweiterung der Ortsabrundungssatzung zur Errichtung eines Wohnhauses und einer Oldtimergarage beantragt. Der Gemeinderat hat dem Antrag mit zwölf zu drei Stimmen zugestimmt. Lediglich die seitliche Wandhöhe der 240 Quadratmeter großen Oldtimer-Garage wurde von 5,50 Metern auf 4,50 Meter reduziert festgelegt, das Wohnhaus kann antragsgemäß auf einer Grundfläche von 150 Quadratmetern und einer Wandhöhe von 7,50 Metern gebaut werden.

Kritische Nachfragen kamen von den Gemeinderäten Bernhard Hecht, Angelika Maier und Elisabeth Heimbucher (alle von der Fraktion B. 90-Grüne), die wissen wollten, ob statt der Oldtimergarage nicht Wohnraum geschaffen werden könnte. Da dies baubehördlich nicht in Frage komme, fiel der Aufstellungsbeschluss positiv aus, wobei der Antragsteller die Kosten für die Erweiterung der Ortsabrundungssatzung, der Herstellung etwaiger Ausgleichsflächen und möglichen Gutachten in Bezug auf Artenschutz oder Immissionsgutachten zu tragen hat.

Hinsichtlich der elften Änderung des Flächennutzungsplanes südlich des Ortsteils Eglsee wurde für den Bereich des Kies- und Betonwerks Kleeham 9 durch das Gemeindegremium vier Beschlussvorschlägen einstimmig zugestimmt. Der Änderungsplan wurde von der Planungsgruppe Strasser aus Traunstein ausgearbeitet.

Es wird der jüngsten Stellungnahme des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rechnung getragen und die Wasserversorgung erfolgt über die Mühlener Gruppe. Der Gemeinderat hat Kenntnis von 15 Stellungnahmen Träger öffentlicher Belange ohne Einwendungen, 19 Träger haben keine Stellungnahme abgegeben. Auf die Frage von Bernhard Hecht, wie viel Ausgleichsfläche für die Bauvorhaben zur Verfügung gestellt werden müssen, antwortete Dritter Bürgermeister Josef Mayer (CSU), dass dies von einem Punktesystem abhängig sei, auf das die Gemeinde keinen Einfluss nehmen könne.

Antrag der UW-BBW Gemeinderatsfraktion zur Errichtung eines Heimatkreuzes im Gemeindegebiet

Zu einer kontrovers und teilweise emotional geführten Diskussion kam es unter den 14 Gemeinderäten im Beisein von Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) hinsichtlich des Antrags der UW-BBW-Fraktion auf Errichtung eines Heimatkreuzes im Gemeindegebiet. Ähnlich wie bereits in Traunstein, sorgte das von Landrat Siegfried Walch initiierte Projekt für polarisierende Meinungen. Die fünf Mitglieder der Grünen-Fraktion argumentierten geschlossen gegen das von Zweiten Bürgermeister Markus Brunner (UW) angeregte „Chiemgauer Heimatkreuz“.

Bereits Mitte März wurde der Antrag zur Errichtung des Kreuzes bei Reichelt eingereicht, mit der Begründung, „die im Kreuz dargestellten Werte Liebe, Glaube, Hoffnung, Friede seien oftmals die Quellen unserer Kraft, gerade in Zeiten von Corona, wo Verzweiflung, Angst und Unsicherheit in weiten Teilen der Bevölkerung um sich greifen“, so Brunner. „Dem Anderen liebevoll zu begegnen, gegenseitig Kraft mehren statt zehren“ sei das Gebot der Stunde. „Im Glauben verwurzelt sein, wobei die Glaubensrichtung keine Rolle spielen darf“ sollte jeden ansprechen, und dass „aus Hoffnung etwas Gutes, Neues entstehen kann.“ Die Gesellschaft sei durch die Pandemie bis in die Familien hinein in zwei Lager gespalten. „Nur durch Frieden schließen mit dem Gegenüber, das Akzeptieren von anderen Meinungen – kurz gesagt ‚leben und leben lassen‘ - werden wir es schaffen.“

Sebastian Heller (B. 90 – Grüne) wünschte sich bei der Erstellung eines Kreuzes einen Ortsbezug zu Chieming. Ein Chieminger Heimatkreuz sollte eine individuelle Prägung haben und womöglich von einem Chieminger Künstler geschaffen sein. „Wegen einem Kreuz sollte man aber nicht übers Kreuz kommen.“ Angelika Maier (B.90 – Grüne) vermisste ebenfalls den Bezug zu Chieming und wünschte sich eine individuelle Gestaltung.

„Das Heimatkreuz soll in mehr als 30 Gemeinden aufgestellt werden, es schaut immer gleich aus, der Landkreis bezuschusst das Projekt mit 87.000 Euro, aber es ist nur ein Künstler beteiligt, der keinen Bezug zu Chieming hat.“ Auch Gemeinderätin Elisabeth Heimbucher sprach sich dafür aus, dass „allen Künstlern eine Chance gegeben werden sollte, ein Heimatkreuz zu erstellen“. „Ich bin nicht gegen ein Kreuz, aber es widerspricht mir sehr, dass nur Herr Wassermann, der Stadtrat in Traunstein ist, seine Kreuze im ganzen Landkreis aufstellen soll.“

Bürgermeister Reichelt sagte, dass die Idee darin bestehe, dass es ein Heimatkreuz vervielfältigt an verschiedenen Orten im Landkreis stehen soll. Reichelt kenne den Künstler nicht, aber in dem Kreuz werde der Glaube dargestellt, es werde darin ein Zeichen gesetzt, mit welchen Werten die Pandemie überstanden werden kann.

Christian Fischer (CSU) fand, dass die entstandene Diskussion zum Heimatkreuz „absolut daneben“ sei. Es sollte eine Abstimmung darüber stattfinden, ob die Errichtung eines Heimatkreuzes in Chieming befürwortet wird, der Antrag sollte aber „nicht zerredet werden“.

Bernhard Hecht (B.90 – Grüne) sprach sich dafür aus, dass ein Kreuz sehr vielfältig gestaltbar sei. Eine Diskussion darüber, welches Kreuz für Chieming am besten passt, sollte möglich sein. Für ihn als Religionslehrer drücke ein Kreuz die Offenheit des Glaubens aus, die zum Ausdruck gebracht werden sollte, „aber nicht 35 mal auf dieselbe Weise.“

Josef Mayer (CSU) sah in dem einheitlichen Heimatkreuz eine pragmatische Lösung, um auf einfache Weise ein Kreuz aufstellen zu können. „Die Gemeinde bekommt 2500 Euro Zuschuss vom Landkreis, muss lediglich denselben Betrag selbst zahlen und sich um ein Fundament kümmern, aber keinen Antrag stellen.“ Zudem würde kein Streit darüber entstehen, welches Kreuz schön sei oder nicht. Nachdem das Kreuz bisher nur in Maria Eck und am Traunstein aufgestellt sei, glaube er nicht, dass es zu 35 Exemplaren im Landkreis käme.

Schließlich wurde mit 10:5 Stimmen für die Errichtung des Heimatkreuzes auf dem Gemeindegebiet gestimmt. Zurückgestellt wurde aber die Entscheidung, an welchem Standort das Kreuz platziert werden sollte.

Von der Gemeindeverwaltung wurden als mögliche Standorte der Thielehafen, die Wiese der Friedhofwestseite und die Wiese Einmündung Berghofstraße in die Oberhochstätter Straße am Venusberg vorgeschlagen. Auf die Idee hin, ob man das Kreuz am Thielehafen nicht im Chiemsee errichten könnte, sagte Reichelt, dies müsse mit der Schlösser- und Seenverwaltung verhandelt werden. Heinz Wallner (BBW) meinte, alle vorgeschlagenen Plätze seien akzeptabel, „aber wenn das Kreuz im See steht, könnte es von den Badegästen zum Trocknen ihrer Bikinis verwendet werden.“ Heller gab zu bedenken, dass am Friedhof bereits ein Kreuz stehe, und beim Standort am Venusberg wurde erst in der Diskussion klar, dass es sich um Privatgrund handelt. Julia Siglreitmeier (UW) brachte als möglichen Standort Schützing ins Spiel. Dies müsse mit der Unteren Naturschutzbehörde abgeklärt werden, gab Reichelt zu bedenken. Der Ideengeber des Projekts, Markus Brunner, schlug schließlich als Standort noch den Kreisverkehr in Laimgrub vor, „es gab doch auch bereits mehrmals die Anregung, dass man dort eine Skulptur aufstellen könnte.“ Heller gab zu bedenken, dass dieser Vorschlag durch die Verkehrsbehörden kaum genehmigungsfähig sei.

Schließlich einigte man sich, bis Herbst 2022 einen geeigneten Standort im Gemeindebereich zu suchen, „selbstverständlich kämen dabei auch die Gemeindeteile Ising und Hart in Frage“, so Bürgermeister Reichelt.

zaa

Kommentare