Astronaut Dr. Ulf Merbold beim Sommerempfang

Astronaut berichtet in Ising von seinen Erlebnissen im All

Ising - Nach der Rede von Landrat Siegfried Walch, kam Astronaut Dr. Ulf Merbold auf die Bühne und erstaunte die interessierten Zuhörer mit seinen Geschichten aus dem All.

Seit dem 6. Juni hat das Thema Weltraumfahrt in Deutschland wieder Hochkonjunktur: Per Blog konnten die Zuschauer erstmals im Netz die Mission des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur internationalen Raumstation ISS verfolgen und ihn dort bei Experimenten in der Schwerelosigkeit beobachten. Ein echter Pionier der deutschen Raumfahrt berichtete jetzt als Gastreferent beim Sommerempfang der Wirtschaftsregion Chiemgau in Gut Ising von seinen Abenteuern im Weltraum: der Astronaut Dr. Ulf Merbold. 

Passend zur sonnenverwöhnten Seeblick-Kulisse stimmte Landrat Siegfried Walch die rund 250 Gäste von Unternehmen, Ämtern, Behörden und Politik ein. Gegenwärtig brumme die Wirtschaft im Chiemgau und angesichts einer Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent habe man "praktisch Vollbeschäftigung", erläuterte er. Bei einer Exportquote von 52 Prozent profitieren auch regionale Firmen von der globalen Vernetzung. Um deren Bedarf an Fachkräften langfristig abzusichern, investiere der Landkreis weiterhin viel Geld in die Bildung, speziell auch die berufliche Bildung. 110 Millionen Euro sind im Landkreishaushalt dafür in den nächsten fünf Jahren vorgesehen. 

"Investition in die Zukunft"

Weiter liege dem Landkreis die Wohnraumentwicklung am Herzen. Speziell junge Familien sollen davon profitieren, so Landrat Walch. Den Bau von 200 zusätzlichen Wohnungen sehe man als "Investition in die Zukunft", da dies fähige junge Leute in der Region halte. 

Als dritten wichtigen Punkt nannte der Landkreischef die Zertifizierung seiner Behörde als "mittelstandsfreundliche Kommunalverwaltung". "Bisher verfügen wir als erster Landkreis im Freistaat zusammen mit Ebersberg über diese Auszeichnung", erläuterte Walch.  Man sei nach Kräften bemüht, Unternehmen bei den behördlichen Genehmigungsverfahren zu unterstützen. "Wir geben Ihnen die Garantie, dass sie innerhalb von 40 Tagen eine Baugenehmigung bekommen." Dies sei eines von insgesamt 14 Serviceversprechen. 

Dreimal im All

Mit Spannung erwarteten die Zuhörer den mit Bildern unterlegten Vortrag "Der Blick von oben" von Dr. Ulf Merbold. Der heute 77-jährige Physiker war von 1977 bis 1998 als Astronaut im Dienste der Europäischen Weltraumorganisation ESA tätig. Als zweiter Deutscher im All nahm er 1983 am Jungfernflug des europäischen Raumlabors Spacelab teil, gehörte 1992 zur Besatzung der Internationalen Mikrogravitations-Labor-Mission IML-1 und besuchte 1994 als erster ESA-Astronaut die russische Raumstation Mir. Damit flog er als bisher einziger Deutscher dreimal ins All

Merbold berichtete den gespannten Zuhörern von dem "mit Worten nicht zu beschreibenden Gefühl" beim Abheben einer Rakete mit maximaler Schubkraft im Rücken. Mit bis zu 30.000 km/h erreiche man in 8,5 Minuten das Orbit in etwa 300 Kilometer Höhe. Im Wissen, "dass nur eine komplizierte und aufwendige Technik das Überleben im lebensfeindlichen Weltall sichere", so Merbold, habe er auch ein anderes Verhältnis zum "Raumschiff Erde" entwickelt. "Für den Erhalt müssen wir kämpfen, auch für künftige Generationen", appellierte der Astronaut an die Zuhörer. 

Der gebürtige Thüringer zeigte Bilder aus großer Höhe, darunter auch von der Chiemsee-Region und von Fahnen der Brandrodungen in Indonesien oder brennenden Ölquellen zur Zeit des Irakkrieges. Ebenso mahnte er angesichts austrocknender Gewässer wie des gewaltigen Aralsees vor dem unbekümmerten Umgang mit Wasser. Im Raumlabor Spacelab habe man das aus der Verbrennung der Antriebsgase Wasserstoff und Sauerstoff entstehende Wasser zur Zubereitung von Pulvergetränken genutzt.

Experimente in der Schwerelosigkeit

Merbold berichtete von seinen Erfahrungen und den Experimenten in der Schwerelosigkeit. Zu deren aufwendiger Vorbereitung habe er sich in viele verschiedene Wissensgebiete vertiefen müssen und mit unterschiedlichen Wissenschaftlern abgestimmt. "Von dem medizinischen Wissen profitiere ich heute noch", sagte der Thüringer grinsend. Die Ergebnisse hätten auch die Wissenschaft auf der Erde beflügelt. "Ein echter Knochen" sei das Russisch-Studium für seinen Einsatz auf der Raumstation MIR gewesen. "Wenn sie einen Notfall haben, können sie nicht mal eben im Wörterbuch nachschlagen."

Im persönlichen Gespräch zeigten sich die beiden Jugend-forscht-Gewinner Tassilo Schwarz aus Seeon und Noah Dormann aus Sondermoning beeindruckt von Merbolds universellen Wissenschaftskenntnissen. Sie löcherten den prominenten Astronauten mit Fragen. In gemütlicher Runde und angeregten Gesprächen zum Netzwerken klang der Abend bei lauen Sommertemperaturen aus.

Pressemitteilung des Landratsamtes Traunstein

Rubriklistenbild: © Landratsamt Traunreut

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