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Teil 1 der vierteiligen Reportage

Der Berg ruft: Chieminger tuckert mit altem Bulldog auf den Großglockner und will „Weltmeister“ werden

Mit dem Steyr T180 Baujahr 1948 mache ich mich auf zur Oldtimer-Traktor-WM am Großglockner.
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Mit dem Steyr T180 Baujahr 1948 mache ich mich auf zur Oldtimer-Traktor-WM am Großglockner.
  • Sebastian Aicher
    VonSebastian Aicher
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Mit einem alten Bulldog von Chieming an den Großglockner mit dem Ziel, bei der Oldtimer-Traktor-WM zu starten: OVB24-Volontär Sebastian Aicher hat im September eine besondere Reise auf sich genommen. In seiner vierteiligen Reportage berichtet er von seiner Fahrt, den gewonnenen Erfahrungen sowie besonderen Persönlichkeiten, die so eine Weltmeisterschaft prägen.

Chieming – Erstmal ordentlich vorglühen: Nicht etwa für eine Party am Abend, sondern den alten Dieselmotor aus dem Baujahr 1948. Rund anderthalb bis zwei Minuten dürfen es bei den aktuellen Temperaturen schon sein. Dann etwas Gas geben und den Anlasser drehen lassen - Putt, Putt, Putt! Er läuft! Wir haben Mittwochvormittag, den 15. September, die Sonne strahlt vom Himmel. Ich treffe die letzten Vorbereitungen, bevor es endlich losgehen kann mit meiner „Reise des Jahres“.

Ich habe mich im Frühsommer dazu entschlossen, mit einem meiner alten Bulldogs an den Großglockner zu fahren, um dort vom 16. bis 19. September an der Oldtimer-Traktor-WM teilzunehmen. Das Ziel: Natürlich nichts geringeres als der Weltmeistertitel.

Die Qual der Wahl

Aber zuerst einmal war einiges an Vorbereitung fällig. Und zwar musste ich mich grundlegend erstmal entscheiden, mit welchem meiner Traktoren ich überhaupt die Reise antreten möchte. Für mich als leidenschaftlichen Sammler war es hier eher die Qual der Wahl. Letztlich habe ich mich aber für den Steyr T180 entschieden, den ich eigentlich für meine Freundin gekauft habe – so ließ es sich damals etwas einfacher begründen, warum man jetzt den 22. Traktor gekauft hat.

Das Fahrzeug – eben wie bereits eingangs erwähnt aus dem Jahre 1948 – wurde in Österreich gebaut und darf nun sozusagen zum „Heimspiel“ in seine alte Heimat fahren. Doch bevor es letztlich losgehen kann, muss natürlich alles erst noch gründlich durchgecheckt werden. Alle Öle und Filter wurden gewechselt, die Luft in den Reifen kontrolliert, ebenso wie Kühlwasser und Beleuchtung. Zu guter Letzt stand noch eine frische Hauptuntersuchung auf dem Programm, um auch mit der nötigen Sicherheit zum „Gipfelstürmer“ werden zu können. „Ohne Mängel bestanden“ lautete das Fazit des Kfz-Sachverständigen. Jetzt konnte es aber wirklich losgehen.

Katastrophale Wettervorhersage lässt Anfahrt „auf Achse“ ausscheiden

Die rund 120 Kilometer vom beschaulichen Chieming bis an den Fuße des Großglockners wollte ich angesichts der katastrophalen Wettervorhersage und des fehlenden Wetterschutzes nicht „auf Achse“ zurücklegen, weshalb ich mich entschied, den Traktor auf einem Anhänger zu verladen. Das passende Zugfahrzeug für das rund zweieinhalb Tonnen schwere Gespann stellte mir ein Freund zur Verfügung – wofür ich mich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bedanken möchte.

Am Donnerstagvormittag (16. September) startete die Fahrt letztlich relativ unspektakulär. Nach gut zwei Stunden Fahrzeit bin ich schließlich bei strömendem Regen in der Ortschaft Fusch direkt am Großglockner angekommen. Der Traktor wurde vom Anhänger abgeladen und hatte zum ersten Mal seit geraumer Zeit wieder einmal österreichischen Boden unter seinen Rädern. Nachdem das Gepäck auf das Zimmer der Pension gebracht wurde, ging es für mich bei widrigen Wetterbedingungen gleich auf zur ersten Fahrt.

„Welcher Depp kam eigentlich auf die Idee?“

Die sieben Kilometer lange Fahrt bis nach Bruck, wo die Anmeldung und Startnummernvergabe erfolgte, erschien bei sattem Regen und teils starken Windböen schier unendlich. Mit einem Regenschirm auf den Fahrersitz gekauert habe ich versucht, wenigstens halbwegs trocken zu bleiben – allerdings eher mit mäßigem Erfolg. Dies war übrigens das erste Mal, dass ich mir die Frage gestellt habe, die zwangsläufig irgendwann kommen musste: „Welcher Depp kam eigentlich auf die Idee, hier mit einem Traktor ohne schützendes Dach teilnehmen zu müssen...?“ Gut, der Depp war in diesem Fall ich, doch das Wetter könnte eventuell im Lauf des Wochenendes noch besser werden, also warten wir‘s mal ab und machen wir das Beste daraus.

Nach der Anmeldung, bei der neben der Erfassung der Fahrzeugdaten für die Weltmeisterschaftswertung auch die gültige Hauptuntersuchung des Traktors sowie die 3G-Regeln in Bezug auf Corona kontrolliert wurden, ging es völlig durchnässt wieder zurück ins Hotel. Okay, man hätte vielleicht auch die Regenklamotten für die Rückfahrt nach Fusch anziehen können, aber jetzt war ich auch schon nicht mehr trocken und wie heißt es so schön: Nur die Harten kommen in den Garten...

Rund 500 Oldtimer-Traktoren tuckern auf den Großglockner

Während am Donnerstag der Großteil der Teilnehmer anreist und es noch kein offizielles Programm des Veranstalters gibt, geht es dann von Freitag bis Sonntag für die 500 Oldtimer-Fahrer richtig zur Sache. Zuerst steht ein Geschicklichkeitswettbewerb auf dem Programm, bei dem die Traktoristen zeigen, wie gut sie mit ihrem Fahrzeug umgehen können. Am Samstag folgt dann am frühen Morgen das eigentliche Highlight: Die Großglockner Hochalpenstraße gehört ausschließlich den Traktoren, welche im 15-Sekunden-Intervall von der Mautstation Ferleiten auf das Fuschertörl fahren. Rund 13 Kilometer und gut 1300 Höhenmeter gilt es zurückzulegen, was sowohl Mensch als auch Maschine durchaus fordert.

Diese Fahrt ist schlussendlich auch entscheidend für die Vergabe des Weltmeistertitels. Doch Sieger ist nicht, wer als Erster die Ziellinie erreicht, sondern es geht darum, eine individuell für das Fahrzeug errechnete Durchschnittszeit möglichst genau zu erreichen. So haben alle Teilnehmer identische Bedingungen und Chancen auf den Titel – egal wie schnell oder leistungsstark ihr Fahrzeug ist.

So geht‘s in den nächsten Tagen weiter

Wie geht es aber abseits der Wettbewerbe in den nächsten Tagen weiter? Natürlich werde ich weiter von den Geschehnissen rund um die WM berichten. Allerdings habe ich auch persönliche Gespräche mit Zuschauern und anderen Teilnehmern geplant, immerhin sind die Oldtimer-Besitzer teilweise aus Holland, Luxemburg, Belgien, Polen, Tschechien und vielen anderen Ländern mit ihren Schmuckstücken angereist und haben teilweise ihren kompletten Jahresurlaub dafür geopfert, um hier an der Traktor-WM teilnehmen zu können.

So habe ich mich beispielsweise morgen mit einem Mann aus den Niederlanden zu einem persönlichen Gespräch verabredet, der seit Jahren immer wieder zur Oldtimer-Traktor-WM an den Großglockner kommt und sich dabei auch nicht von einer halbseitigen Lähmung, die er nach einem Schlaganfall davongetragen hat, aufhalten lässt. Man darf also gespannt sein auf seine Geschichte, die er zu erzählen hat.

Die bisherigen Teile der Reportage in der Übersicht:

Teil 1: Der Berg ruft: Chieminger tuckert mit altem Bulldog auf den Großglockner und will „Weltmeister“ werden

Teil 2: Wander-Tipp 2.0: Mit dem Oldtimer-Traktor auf 1188 Meter Höhe nach Bad Fusch

aic

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