Gut Ising geht kein Risiko ein

Gefährliches Herpesvirus lässt weltweit Pferde sterben - erste Absagen auch in der Region

In Deutschland und Spanien sterben mehrere Pferde nach Herpes-Infektionen. In acht weiteren Ländern werden Turniere verboten. In Doha hingegen starteten die besten Reiter der Welt trotz zwei positiv getesteter Pferde. Nun sind die letzten Sprünge absolviert: Die Topreiter reisen nach Deutschland zurück. Die Probleme mit dem aggressiven Herpesvirus gehen aber weiter.

Chieming - Die verstörenden Bilder von qualvoll sterbenden Pferden in Valencia hatten auch die Reiter in Doha gesehen. Die Videos von Kadavern, die mit Radladern abtransportiert werden, schauten viele auf ihren Handys. Doch trotz des Herpes-Schreckens, trotz zweier positiv getesteter Pferde vor Ort und der Angst vor Ansteckung, wurde in der Hauptstadt Katars geritten.

Begleitet von der Angst um ihre Pferde reisen Deutschlands beste Reiter nun wieder heim - in eine mehrwöchige Zwangspause. Nach dem Ende der ersten Global-Champions-League-Station in Doha und dem Abbruch der Turnierserie in Vejer de la Frontera (Südspanien) müssen ihre Vierbeiner in Quarantäne. Und in zehn europäischen Ländern gibt es ohnehin ein Turnierverbot wegen der aggressiven Herpesvariante aus Valencia, der weiterhin Tiere zum Opfer fallen.

Mindestens neun tote Pferde und „sehr großen Anzahl von schweren klinischen Fällen“

Nach jüngsten Angaben sind es inzwischen neun tote Pferde, darunter zwei in Deutschland und vier deutsche Spitzenpferde. Nach Angaben von Teilnehmern der Turnierserie in Valencia ist die Zahl sogar noch höher. Der Weltverband FEI berichtet zudem von einer „sehr großen Anzahl von schweren klinischen Fällen“. Aus Valencia waren mehrere Teilnehmer überstürzt abgereist und hatten das Virus in Europa verbreitet.

Mit der Rückkehr aus dem Ausland ist die Ungewissheit und die Zeit des Bangens wegen der möglichen Ansteckung noch nicht beendet. „Ich bete für unsere und alle anderen Pferde, dass sie von dem Virus verschont bleiben“, schrieb Weltmeisterin Simone Blum bei Instagram nach der Sunshine Tour in Vejer de la Frontera, welche noch früher als geplant abgebrochen worden. Nach dem ersten Fall war zunächst entschieden worden, dass wie in Doha am Samstag und Sonntag noch geritten werden soll. Weil aber nach Angaben der Veranstalter ein weiteres Pferd „neurologische Anzeichen von EHV-1“ gezeigt hatte, wurden auch diese beiden Turniertage gestrichen.  

Gut Ising sagt traditionellen Springlehrgang mit Karsten Huck ab

Das hochansteckende Equinen Herpesvirus sorgt bei Pferdebesitzern in der ganzen Welt für Verunsicherung. Auch in der Region musste die Reitschule Gut Ising mehrere Veranstaltungen absagen. Den traditionellen Springlehrgang mit dem internationalem Top-Trainer Karsten Huck (18.-21. März) wird es zum Beispiel nicht geben.

Und auch zwei weitere Turniere (13./14. März und 27./28. März) können nicht stattfinden. Dabei konnten sich die Isinger nach der ersten Veranstaltung des „Dreipacks“ bereits über eine wunderbare Saisoneröffnung freuen: „Es ist optimal abgelaufen. Die Wettbewerbe waren zwar alle in der Halle, aber wegen des traumhaften Wetters konnten die Pferde alle draußen angeritten werden“, so Sepp Beilmaier von Gut Ising. Nun ist aber erstmal Schluss. Bis einschließlich 28. März wurden alle nationalen und internationalen Wettbewerbe abgesagt.

Global Champions Tour 2021 in Doha: Zwei infizierte Pferde

Doha war die erste von 14 Etappen der internationalen Springsportserie Global Champions Tour 2021, mit Berlin Ende Juli und Hamburg Ende August stehen auch zwei deutsche Etappen auf dem Tourplan. „Die Bedeutung der Global Tour für uns ist riesengroß. Wir sind sehr, sehr froh, dass wir wieder auf Turniere fahren können und die Serie beginnt“, hatte der Weltklasse-Springreiter Christian Ahlmann zuvor noch betont. Nach dem Corona-Aus 2020 sollen in dieser Saison 25,9 Millionen Euro ausgeschüttet werden.

Zum ersten Mal wollte auch Nationenpreisreiter Sven Schlüsselburg (Ilsfeld) bei der Global Champions Tour an den Start gehen, aber daraus wurde nichts. Der Baden-Württemberger war zuvor mit seinen Pferden bei einer Springserie im spanischen Valencia unterwegs, wo der gefährliche Herpes-Virus ausgebrochen war. Beide Pferde von Schlüsselburg hatten sich infiziert, was aber erst in Doha festgestellt wurde. Sofort wurden die Pferde separiert und in der Klinik in Doha überwacht. Weitere Herpes-Fälle in Doha seien nicht aufgetreten.

Herpes-Virus breitet sich in Europa weiter aus

Derweil ist nicht nur die Zahl der toten Pferde gewachsen, sondern auch die Zahl der Länder mit nachgewiesenen Fällen der Virusvariante EHV-1. Neben Spanien und Deutschland sind in Europa auch Belgien, Frankreich und Schweden betroffen. In den USA gibt es ebenfalls einen zweiten vom Reit-Weltverband FEI gemeldeten Herpes-Fall bei einem Pferd. Dabei handelt es sich laut Mitteilung um die Variante EHV-1. Die beiden Pferde waren nach FEI-Angaben im Februar auf einem Turnier des World Equestrian Center in Ocala, wo seit mehreren Wochen eine Turnierserie läuft. Bei der Veranstaltungsreihe hatte zuletzt der deutsche Reiter Andre Thieme mehrere Erfolge verbucht.

mz

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