Projekt will Bairisch festigen

Welche Chance hat der Dialekt an unseren Schulen noch?

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Vor der Präsentation des Bayernbund-Buches mitsamt Ergebnissen spielten und sagen die Chieminger Grundschulkinder mit den Lehrern Doris Wagnerberger und Bernhard Hecht.
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Chieming - Welchen Platz hat der Dialekt noch an unseren Grundschulen? Mit einem Projekt soll dem Bairischen an den Schulen nun der Rücken gestärkt werden - im Fokus stehen dabei die Lehrer. *Mit Voting*

Schauergeschichten, in denen Schülern im Unterricht verboten wurde, Dialekt zu sprechen, kennen wohl viele - aber sie sollen der Vergangenheit angehören. Am Donnerstag stellte der "Bayernbund" an der Chieminger Schule die Ergebnisse eines breit angelegten Projektes vor. Das Ziel: Den Dialekt in den Unterricht einbeziehen und wertschätzen.

"Wer als Lehrer Dialekt sprechen will, kann das tun"

Wie also steht's ums Bairische in den Klassenzimmern? "Wer als Lehrer im Unterricht Dialekt sprechen will, der kann das bei uns tun. Da gibt es keine Regeln", bekennt Chiemings Rektor Alexander Fietz. Neue Lehrpläne im Freistaat stärken ihm dem Rücken: "Im neuen 'LehrplanPlus' gelten die Dialekte als Kompetenz, die auch vermittelt werden soll", so Traunsteins Schulamtsdirektor Otto Mayer

Von links: Helmut Wittmann (Ministerialdirigent im Kultusministerium a.D.), Chiemings Rektor Alexander Fietz, Schulamtsdirektor Otto Mayer und Franz Heigenhauser (Bayernbund).

Natürlich müsse kein Lehrer im Unterricht Dialekt sprechen, stellt Mayer klar - vor allem dann nicht, wenn's der Lehrer gar nicht kann: "Es geht umgekehrt auch darum, dass der Dialekt bei den Schülern wertgeschätzt wird." Ministerialdirigent im Kultusministerium a. D., Helmut Wittmann, brachte es in Chieming auf den Punkt: "Wenn Lehrer Dialekt reden, festigt sich bei den Kindern das Selbstbewusstsein, das auch zu tun."

Tipps zur Stärkung des Dialekts im Unterricht

Grundlage des Bayernbund-Projekts ist ein Buch ("Freude an der Mundart"), das die Gruppe Ende 2014 an alle Grundschulen in Ober- und Niederbayern, sowie der Oberpfalz verteilte. Dort werden Tipps gegeben, wie dem Dialekt in der Schule Rechnung getragen werden kann - Beispiele gibt es genügend: bairische Lieder, Mundart-Projekte, Filme im Dialekt. Mundart als Hemmschuh für die sprachliche Entwicklung der Kinder? Ein längst widerlegter Mythos, sogar das Gegenteil ist wohl der Fall.

Inzwischen hat sich der Bayernbund bei den Schulen erkundigt, wie mit dem Buch gearbeitet wird. 40 Prozent der Schulen nahmen an der Umfrage teil. Mit den Ergebnissen ist man zufrieden: In vielen Schulen ist das Buch wohl etabliert, vor allem die Praxis-Vorschläge werden von Lehrern geschätzt. Interessant auch, welche Rückmeldungen von den Schulen zum Thema darüber hinaus kamen - hier wechseln Licht und Schatten:

Zwei von 370 Münchner Schüler sprechen noch Bairisch

  • "Bei uns im ländlichen Raum im Süden Oberbayerns sprechen noch sehr viele Kinder ausschließlich Mundart, die auch bei uns gepflegt wird"
  • "Mundart ist in München nicht mehr vorhanden. Bei 370 Schülern verstehen etwa 15 Mundart, sprechen können diese nur zwei Schüler."
  • "Mundart hat nur eine Überlebenschance, wenn sie gesprochen wird - und zwar daheim. Selbst auf dem Land gibt es das nur noch sehr selten."
  • "Dankschee, dass da Dialekt a vo 'obn' wieda g'schatzt werd!"

Dass es ums Bairische im Allgemeinen und in den Schulen im Speziellen in unserer Region "nicht so schlecht ausschaut", wie Helmut Wittmann bemerkte, darin waren sich in Chieming wohl alle einig. Eines der konkreten Probleme in dieser Hinsicht wären aber Lehrerversetzungen innerhalb des Freistaates: In Franken werden verstärkt Lehrer ausgebildet, die dann im Süden gebraucht werden.

"20 bis 30 fränkische Lehrer kommen jedes Jahr in den Landkreis Traunstein", so Schulamtsdirektor Otto Mayer - und er weiß auch: Diejenigen, die das Lehramt in Österreich studiert haben und wieder bei uns unterrichten, haben ein oft viel entspannteres Verhältnis zum Dialekt: "Wenn es ums Wertschätzen geht, tun die sich oft viel leichter."

xe

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