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Beim „Young Director Award“ als Teil des „Kollektiv Senfblau“

Für dieses Video wurde eine Chiemingerin in Cannes ausgezeichnet

Von links nach rechts: Johanna Schmidt (Produktion, Soup Film), Christoph Amort (Regie, Kollektiv Senfblau), 
Patricia Neuhauser (Drehbuch, Kollektiv Senfblau), Christoph Platzer (Kamera, Kollektiv Senfblau)
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Die jungen Filmschaffenden in Cannes. Von links nach rechts: Johanna Schmidt (Produktion, Soup Film), Christoph Amort (Regie, Kollektiv Senfblau), Patricia Neuhauser (Drehbuch, Kollektiv Senfblau), Christoph Platzer (Kamera, Kollektiv Senfblau)

Für ihren eindrucksvollen Aufklärungs-Werbespot zum Thema Depression wurde das Filmschaffenden-Kollektiv „Senfblau“ nun beim „Young Director Award“ in Cannes ausgezeichnet. Teil des Trios ist auch Patricia Neuhauser aus Chieming, die uns im Interview vom Schaffen der Gruppe berichtet.

Chieming - „Nu komm, nun reiß dich mal ein bisschen zusammen“, fordert die ältere Frau den jungen Mann auf, der zusammengesunken mit dem Gesicht auf einem Teller an dem Esstisch liegt. „Du bist immer schlecht drauf“, hört die junge Frau, die zusammengekauert in der U-Bahn sitzt. „Mach doch mal Sport!“ - „Stell dich nicht so an!“ - „Probier doch mal Yoga!“ - Prasseln die Worte auf die Figuren in dem Video ein, bis sie daran verzweifeln. Das ganze hat eine leicht surreale, albtraumhafte Atmosphäre. „Depression ist eine Krankheit, behandeln wir sie auch so“, lautet die Botschaft am Ende. „In einer Welt, in der sich Depression durch halbtote Körper äußert, treffen Erkrankte nach wie vor auf Unverständnis in Form von naiven Ratschlägen für ein aktiveres Leben“, lautet die Beschreibung unter dem Clip.

Patricia Neuhauser aus Chieming von Film-Kollektiv „Senfblau“ gewinnt Preis bei Werbefestival

Das bedrückende und eindrucksvolle Video hat seinen Machern nun eine hohe Ehrung beschert. „Gemeinsam durften wir nach Cannes, zum ‚Young Director Award‘, der Verleihung eines Preises für junge Regisseure, fahren. Der Young Director Award hat während der Cannes Lions Woche stattgefunden, dem ältesten und größten Werbefestival der Welt - und ist einer der wichtigsten Preise für junge Filmschaffende“, berichtet die aus Chieming stammende Patricia Neuhauser. Gemeinsam mit Christoph Amort aus Matrei am Brenner in Tirol und Christoph Platzer aus Adlwang in Oberösterreich bildet sie das „Kollektiv Senfblau“. Ausgezeichnet wurden sie für ihren Aufklärungs-Werbespot „Mach Mal“.

„Wir haben uns an der Fachhochschule in Salzburg im Studiengang ‚MultimMediaArt‘ kennengelernt, den wir gemeinsam mit einem Bachelor abgeschlossen haben.“ Patricia und Christoph Amort studieren aktuell noch im Master, während sich Christoph Platzer bereits als Fotograf selbständig gemacht hat. „Nach einem ersten gemeinsamen Studentenprojekt im Jahr 2020 haben wir heuer das Künstlerkollektiv Senfblau gegründet. Wir schaffen damit Bilder in Form von Fotografie bis hin zu Bewegtbild und stellen sozial gesellschaftliche Themen in den Mittelpunkt. Unser Anliegen ist es für Aufklärung in unserer Gesellschaft zu sorgen und Tabus zu brechen – das Medium nutzen, um die Welt verbessern zu können und Menschen in gewissen Situationen eine Bühne zu schenken, die durch unsere Gesellschaft tabuisiert werden“, beschreiben die drei ihre Vision. „‘Mach Mal‘ behandelt das Thema Depression und soll eine breite Gesellschaftsschicht dabei unterstützen, Aufmerksamkeit und Emotionen zu diesem Thema zu erfahren.“

Erfahrungen im Familien- und Freundeskreis waren Inspiration

„Wir haben bei uns in Familie und Freundeskreis gewisse Erfahrungen machen dürfen. Deswegen wollten wir mit unserer Arbeit auf solche Tabus eingehen. Das ist etwas, das in der Gesellschaft drinnen und verankert ist, aberr man vermeidet, das Thema anzusprechen“, erklärt Christoph Platzer, der bei dem Projekt die Kameraführung übernahm. Neuhauser wiederum schuf das Drehbuch und Amort führte Regie. „Wir haben uns über ein Jahr damit beschäftigt, mit Film-Therapeuten und Psychologen gesprochen, um das Thema auf den Punkt zu bringen. Es ist ja letztlich aktuell wie nie in der aktuellen Zeit, die Corona-Krise und die damit einhergehende Isolation in Lockdown und Home Office hat die Lage für viele Betroffene verschärft.“

Das Projekt sei im Herbst ins Rollen gekommen, nachdem sie beim Deutschen Werbeförderpreis den ersten Preis und ein Budget von 20.000 Euro gewonnen haben. „Nach zweimonatiger Vorproduktions- und Konzeptphase wurde der Spot im Januar in Berlin mit Unterstützung der Produktionsfirma Soup Film gedreht.“ Zu den Locations hätten unter anderem der Berliner Mauerpark oder der Filmpark in Babelsberg gezählt. „Nach der Premiere im Zuge vom Deutschen Werbefilmpreis im März in Hamburg, war der Spot unter anderem auch für zwei Wochen in den deutschen Kinos in Hamburg, Berlin und München zu sehen. Auch in Österreich wurde die Arbeit bereits zu den besten des Landes gekürt, indem sie beim wichtigsten Werbepreis Österreichs namens CCA eine silberne Venus in der Kategorie Student of the Year holen konnten.“

Nächster Kurzfilm bereits gedreht

Ihr nächstes Projekt, das sie demnächst veröffentlichen werden, wurde zum gleichen Thema umgesetzt, werde jedoch ein Kurzfilm mit dem Titel „Goldfisch im Hamsterrad‘ sein. „Dieser Film wurde in einer Location in Traunstein gedreht mit der freundlichen Unterstützung von GreenRock Management GmbH, Martin Rütter DOGS Rosenheim/Traunstein, Hofbräuhaus Traunstein, Privatbrauerei Schnitzlbaumer, Blumen Schub und WINGMEN Media“, so Neuhauser. Bei letzterem Unternehmen aus Rimsting habe sie auch ihre ersten Schritte in die Branche gemacht. „Eine Vorpremiere feierten wir mit ‚Goldfisch im Hamsterrad‘ vor kurzem im Zuge vom Go Mental Filmfestival in Berlin, wo wir ebenfalls zum zweiten Platz gekürt wurden.“

Wie soll es nun weitergehen? „Man hört immer, dass die Branche händeringend nach Nachwuchs sucht. Andererseits wird auch ab Anfang des Studiums betont, dass wenn man Film machen will, dafür brennen muss. Sonst werde es schwierig“, mein Neuhauser, „Aber wenn man die Leidenschaft dafür hat, findet man auf jeden Fall einen Platz in der Branche.“ In jedem Fall wollten sie weiter zusammenarbeiten und nicht Teil einer großen Firma mit damit verbundenen Anpassungszwängen werden. „Wir wollen uns weiter sozialen oder gesellschaftlich relevanten Themen widmen. Aber wir sind nach allen Richtungen offen. Wenn es thematisch gut für uns passt, kann da alles mögliche entstehen“, schließt Amort.

hs

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