Kreisbauerntag in Chieming mit 700 Besuchern

Woher kommt die Kluft zwischen Landwirten und Bevölkerung? 

+
Stellvertretend für Ministerin Michaela Kaniber erläuterte die Eichstätter Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel beim Kreisbauerntag in Chieming die Zukunftsstrategie des bayerischen Landwirtschaftminiteriums.

Chieming - Welchen Weg muss die Landwirtschaft in Zukunft beschreiten? Und wie weit sollte die Politik sich einmischen? Der Kreisbauerntag in Chieming war bestens besucht. 

Wie lässt sich die Kraft bewährter Traditionen nutzen, um mit ihnen aktuellen Herausforderungen begegnen zu können? Es passte gut zum Thema, dass der Traunsteiner Kreisbauerntag mit rund 700 Besuchern im Festzelt des Trachtenvereins „D’Chiemseer“ in Chieming stattfand, der gerade sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. 

Landrat Walch fordert "Kooperation statt Konfrontation"

Der passende Weg zwischen Tradition und neuen Zukunftsstrategien für die bayerische Landwirtschaft bildete auch das Leitthema für die Festrede der Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel aus Eichstätt. Als Mitglied des Agrarausschusses war sie für Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eingesprungen, die wegen „dringlicher Terminüberschneidungen“ kurzfristig absagen musste. Für ihre bestandene Prüfung erhielten auf dem Fest außerdem 17 neue Landwirtschaftsmeister und –meisterinnen eine Auszeichnung. 

Landrat Siegfried Walch forderte „Kooperation statt Konfrontation“ im Umgang mit den Landwirten ein. Schließlich leisteten Dreiviertel aller Bauern im Landkreis mit 4.600 Agrarumweltmaßnahmen einen „aktiven Beitrag in unseren Kulturlandschaftsprogramm“. Als Wirtschaftsfaktor, Landschaftspfleger, Rohstofflieferant und Energiedienstleister sowie Erzeuger hochwertiger Lebensmittel seien leistungsfähige bäuerliche Betriebe unverzichtbar. 

Landwirte erwarten "Orientierung von der Politik"

Die aktuelle Kluft zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung, die im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich geworden sei, griff Tanja Schorer-Dremel in ihrem Festvortrag auf. Angesichts heftiger Diskussionen und Kritik an langjährig bewährten Produktionsverfahren erwarte die Landwirtschaft „zu Recht Orientierung von der Politik“. Durch Schwerpunkte bei Themen wie Ernährungssicherheit, einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit und dem technologischen Fortschritt habe man es verpasst, den Menschen die Hintergründe der modernen Landwirtschaft mit Blick auf Fragen zu Artenvielfalt, Klima- und Umweltschutz zu erläutern. 

Bereits jetzt sei Bayern in Deutschland Spitzenreiter bei Agrarumweltmaßnahmen, in Sachen Öko- Landwirtschaft und bei der Förderung von Blühflächen oder alten Kulturarten. Ebenso sei der Freistaat „Vorreiter in der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln“ durch Förderung entsprechender Alternativen. „Nur wissen dies die wenigsten“, ergänzte die Landtagsabgeordnete. Ansatzpunkte für mehr Aufklärung durch Bildungsarbeit sah Schorer-Dremel im Ausbau von Formaten wie „Erlebnis Bauernhof“ und „Landfrauen machen Schule“, die 50.000 Schüler pro Jahr erreichen sowie in Lehrerfortbildungen und dem neu geplanten Schulfach „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“. 

Bäuerliche Familien sollen "mit aller Macht" verteidigt werden

Begleitend dazu sollen auch digitale Kommunikations- und Marketingstrategien ausgebaut werden, zu deren Gelingen eine neu eingerichtete Junglandwirte-Kommission Impulse liefern soll. Im Rahmen der heißen Phase zur Reformdiskussion der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 in der EU wolle Bayern die 2. Säule mit starken Direktzahlungen zur Stabilisierung bäuerlicher Familien „mit aller Macht verteidigen“. Angesichts der Tatsache, dass China bereits die Hälfte der globalen Weizenvorräte und zwei Drittel der weltweiten Maisbestände horte, sei Ernährungssicherheit ein zentrales Gut. 

Mehr Transparenz bei den Gemeinwohlleistungen der Bauern, passende Kriseninstrumente sowie die verbesserte Förderung von Junglandwirten und Nebenerwerbsbetrieben samt einer Besserstellung in der Förderpraxis der ersten Hektare seien weitere Ziele, so Schorer-Dremel. Im Rahmen einer eigenen Nutztierstrategie seien auch die „Ställe der Zukunft“ immer wieder Thema der Diskussion. Die neue Ausrichtung müsse Planungssicherheit für die Bauern mit dem gesellschaftlichen Konsens über Nutztierhaltung verbinden. Sie soll sich aber auch im Preis an der Ladentheke widerspiegeln, betonte die Landtagsabgeordnete. Hier seien die Konsumenten gefordert. 

Die Aufgaben des Staates

Der Staat müsse dazu stärker auf eine Führungsrolle beim „Labelling“, das heißt bei Herkunfts-Etiketten, drängen und einen wissenschaftlich untermauerten, praktikablen Rechtsrahmen mit Bestandsschutz und langen Übergangsfristen im Auge behalten. Im Doppelhaushalt 2019/20 stehen für Zuschüsse im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF) und dem Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL) pro Jahr 63 Millionen Euro bereit. 

Ausführlich ging die Landtagsabgeordnete auch auf den Aktionsplan Wolf und kritische Punkte der neuen Düngeverordnung, neue Strategien für die Hofnachfolge, Inititiativen zur Mitfinanzierung von Mehrgefahrenversicherungen sowie die 200 Millionen Euro schwere Waldumbauoffensive der Staatsregierung ein.

Axel Effner

Zurück zur Übersicht: Chieming

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT