Jetzt scheint sich was zu tun

Ortsumfahrung: Es könnte schneller gehen als gedacht

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Chieming - Die Ortsumfahrung hatte für das Staatliche Bauamt bisher nur wenig Priorität - das hat sich nun scheinbar geändert: Schon 2019 soll in die Planung eingestiegen werden.

Nun kommt plötzlich Bewegung in die Sache: Das Staatliche Bauamt, das beim Bau der Chieminger Ortsumfahrung federführend wäre, hat der Gemeinde nun das Signal gegeben, schon im kommenden Jahr die ersten Planungsschritte einzuleiten - wenn die Gemeinde es will. In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend wurde dem Staatlichen Bauamt dann der Auftrag dazu gegeben, mit einer Stimmenmehrheit von 9:4.

Erste Schritte schon im nächsten Jahr?

Nach einem Gespräch zwischen Bauamtsleiter Christian Rehm und Bürgermeister Benno Graf am 7. Juni stellt sich die Situation so dar: Wenn es in der Gemeinde beim eindeutigen und dauerhaften Votum für den Bau bleibt, wird ab 2019 vom Staatlichen Bauamt eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Kartierung (Routenfestlegung) durchgeführt, dann folgt die Vorentwurfsplanung. Bisher hatte die Ortsumfahrung für das Staatliche Bauamt nur geringe Priorität, der Planungsbeginn schien immer in weiter Ferne zu liegen

Der neue Leiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, Christian Rehm, zeigt sich offen für eine schnelle Umsetzung.

Damit hat sich auch die Frage erledigt, ob die Gemeinde auf eigene Kosten mit Planung und Bau der Ortsumfahrung beginnt - die sogenannte kommunale Sonderbaulast: "Damit ginge es auch nicht schneller", so Graf am Dienstag. Das Staatliche Bauamt ist der Meinung, dass der Ratsbeschluss vom Februar (12:5 Stimmen für die Ortsumfahrung) ein eindeutiges Votum sei. Gegen den Willen einer Gemeinde würde man das Projekt nicht weiterverfolgen.

Die Fakten zur geplanten Route

Im Februar stimmte der Gemeinderat für eine Trasse (Variante 2) der Ortsumfahrung, die südöstlich an Chieming vorbeiführt, zwischen Pfaffing und Aufham hindurch und dann entlang des Feldweges hinüber zur Staatsstraße. Bei der Abzweigung Eglsee soll ein Kreisverkehr die Straßen verbinden. Die Trasse befindet sich bereits im Flächennutzungsplan, was ein Zeitvorteil bei der Umsetzung wäre.

Die fünf Varianten, ausgearbeitet von Traunreuter Ingenieurbüro ing. Die Variante 2 schneidet hinsichtlich Lärm- und Umweltschutz am besten ab. Auch der Abstand zum Kreisverkehr Laimgrub wäre nicht zu groß. Die Varianten 3, 4 und 5 würden dagegen auf einem Damm durchs Wasserschutzgebiet führen.

Die Gesamtkosten für die Ortsumfahrung wurden vom Planungsbüro auf 13,9 Millionen Euro geschätzt. Knapp vier Minuten Zeitersparnis im Gegensatz zur Fahrt durch den Ort würde die Umgehung außerdem bringen. Diese Variante 2 schneidet hinsichtlich Lärm-, Tier- und Umweltschutz am besten ab. Das Krebsbachtal zwischen Pfaffing und Aufham würde durch eine 118 Meter lange Brücke überwunden. Fünf Trassen wurden insgesamt untersucht.

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Durch die hohe Verkehrsbelastung der Staatsstraße durch Chiemings Zentrum sind aktuell 200 Menschen von zu hohen Lärmwerten betroffen. Rechnet man künftig mit noch mehr Verkehr, würde auch die Zahl der Lärmgeplagten steigen. Bei einer Ortsumfahrung würden die Lärm-Grenzwerte für keinen Anwohner mehr überschritten, Schallschutzmaßnahmen wären nicht notwendig.

Grundstückseigentümer klar dagegen

Die bäuerlichen Grundeigentümer der geplanten Ortsumgehung wandten sich erst im Mai mit einer Unterschriftenliste an Bürgermeister Benno Graf: "Wir lehnen es ab, unser Grundeigentum für die Ortsumfahrung zur Verfügung zu stellen." Eine klare Aussage, aber Grundstücksverhandlungen können ohnehin noch nicht geführt werden. Die Gegner der Ortsumfahrung fordern dagegen ein Schwerlast-Durchfahrtsverbot durch Chieming und Verweisen auf die Bundesstraße über Traunstein. 

Bürgermeister Graf (links) in der Diskussion mit Grundstückseigentümern. 

Der Gemeinderat scheiterte über die Jahre und Jahrzehnte immer wieder mit Anträgen auf ein Lkw-Verbot, zuletzt im März 2017: "Die Straße gehört nun mal nicht uns, sondern dem Staat. Wenn man x-mal etwas erfolglos probiert hat, braucht man eben andere Lösungen", so Bürgermeister Graf zuletzt. Er unterstützt die geplante Ortsumfahrung, ebenso die Mehrheit unserer Leser.

xe

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