Tierquälerei in Chieming? Proteste vor Bauernhof

Veterinäramt: "Kein einziges Tier dabei, das leidet"

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Tierschützer demonstrierten gegen die Haltung der Tiere auf diesem Hof in Chieming
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Chieming - Tierrechtler haben vergangene Woche vor einem Bauernhof in Chieming demonstriert, weil sie der Auffassung sind, dass dort Tiere unter schrecklichen Umständen gehalten werden. Wir haben mit dem Traunsteiner Veterinäramt und vor Ort mit den Landwirten gesprochen.

Am Freitag, den 30. August haben Mitglieder des Tierschutzvereins RespekTiere und des Tierschutzrings Traunstein vor einem Chieminger Bauernhof protestiert. 

"Wir hatten letzte Woche von einem Hof in Chieming erfahren, wo Tiere unter schrecklichen Umständen gehalten werden", so ein Vertreter der Tierschutzorganisation RespekTiere. "Nachdem wir uns von den schweren Vorwürfen selbst überzeugen konnten, entschlossen wir uns zu einer Spontan-Kundgebung vor dem Hof mit der Absicht, durch diese Maßnahme das Interesse auf den Fall von Tierquälerei zu lenken, auch deswegen, weil wir wussten, dass es im Vorfeld bereits schwere Kritik am Hof gab, das Amt aber dem Anschein nach nichts dagegen unternommen hatte. Oft geraten Dinge erst dann in Gang, wenn davor das öffentliche Interesse erregt wurde."

Auch die Polizei war bei der unangemeldeten Protestaktion der Tierschützer mit zwei Einsatzfahrzeugen vor Ort erschienen. Die Tierschutzorganisationen stellten Anzeige wegen Tierquälerei.

"Kein Tier dabei das leidet"

Die Protestler verständigten auch das zuständige Veterinäramt, das einen Amtstierarzt zu dem Hof schickte, der die Tiere in Augenschein nahm. Im Gespräch mit chiemgau24.de sagte der: "Die Platzverhältnisse auf dem Hof sind sehr beengt, aber es ist kein einziges Tier dabei, das leidet. Zwischen suboptimalen Haltungsbedingungen und Tierquälerei ist ein großer Unterschied." Schon vor längerer Zeit wurde festgestellt, dass die Haltung der Tiere zu beengt ist. "Die Ansprüche haben sich im Laufe der Zeit geändert", sagt der Amtstierarzt. "Der Bauer hat aber bereits entsprechend reagiert und einen neuen Stall gebaut. Das ist ein Vorzeigelaufstall mit Weideauslauf." 

Von der aktuellen Schweinehaltung sei der Veterinärmediziener sogar positiv überrascht gewesen: "Der Landwirt ist hier einer der einzigen, der den Tieren ihre Ringelschwänzchen nicht kupiert und diese auf Stroh hält." Die Gänsehaltung sei an sich auch ok, nur ein bisschen unordentlich. Auflagen bekam der Landwirt bei der Kaninchenhaltung, hier seien drei Käfige zu niedrig gewesen, dies müsse er nun ändern. 

Das sagen die Landwirte

Wir haben bei den Landwirten um Stellungnahme zu den Vorfällen gebeten, die uns sofort anboten, uns ein Bild von vor Ort machen zu können. Bereits eine Stunde nach unserer Anfrage entstanden folgende Bilder:

Bilder, die chiemgau24.de vor Ort machte

Das Landwirte-Paar hat den Hof derzeit noch gepachtet, wird dort aber nicht mehr lange bleiben. "Der Hof ist Baujahr 1968, damals wurde so gebaut, die Bauern wurden damals so beraten", sagt der Landwirt im Gespräch mit chiemgau24.de. "Uns ist sehr wohl bewusst, dass das hier nicht zeitgemäß ist. Es ist zu eng und zu dunkel." Deshalb hat sich das Ehepaar vor rund zwei Jahren entschieden, ein paar Autominuten entfernt einen neuen, biokonformen Stall zu bauen. Im Oktober sollen Kühe, Hühner, Gänse, Hasen und Schweine dort dann ein neues Zuhause bekommen. "Wir stellen gerade auf Bio um und erzeugen auch unser gesamtes Futter selber", sagt der Landwirt. 

Bilder vom neuen Laufstall

Oftmals spiele bei den Tierschützern auch Unwissenheit eine Rolle, so die Bäuerin. So seien die von den Tierschützern fotografierten Fußfesseln Aufstehhilfen, die den Kühen in Anbindehaltung das Stehen erleichtern und Verletzungen verhindern sollen. Dies bestätigte auch der Amtstierarzt gegenüber chiemgau24.de: "Die Fußfesseln sind kurz vor und nach dem Kalben zulässig, da in dieser Zeit die Beckenbänder der Tiere erweicht sind. Die Fesseln sollen dann ein Ausgrätschen der Beine verhindern, bei dem sich die Kühe verletzen können. Diese Maßnahme ist allerdings nicht dauerhaft zulässig", so der Mediziner.

Bilder, die RespekTiere machte

"Wir sind mit Leib und Seele Bauern und möchten das Beste für unsere Tiere. Mit den Tierschützern selber haben wir auch das Gespräch gesucht, als die hier demonstriert haben. Die hätten auch die Möglichkeit gehabt, unseren neuen Stall anzuschauen, was nicht passiert ist. Wir wollen mit gutem Gewissen unsere Tiere halten können."

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