"Gewitter machen, was sie wollen"

+
Bei aufziehenden Gewittern, wie hier beim Segelclub Prien am Chiemsee, ist es am sichersten an Land.

Rosenheim - Riesengroß war das Interesse an dem vom DHH Seglertreff Chiemsee im "Happinger Hof" in Happing veranstaltenden Vortrag des Diplom-Meteorologen Volker Wünsche über "Das Wetter am Chiemsee".

Dicht gedrängt saßen die Besucher, kein Platz blieb frei. Matthias Hubmaier, Vorsitzender des DHH Seglertreffs Chiemsee, zeigte sich überrascht und erfreut über den guten Besuch und dankte Volker Wünsche dafür, dass er sich bereit erklärte, die Segler über die Eigenarten und Gefahren des Wetters aufzuklären.

Der Meteorologe ist Leiter des Geschäftsbereichs Wettervorhersage in der Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München. Er hatte seinen Vortrag in allgemeine Grundlagen, Wetter am Chiemsee und Sturmwarndienst für die Bayerischen Seen eingeteilt. "Die Wettervorhersage ist ein hochkomplizierter Bereich", erläuterte er. Wind entstehe durch Luftdruckunterschiede, je höher diese Unterscheide seien, desto mehr Wind gebe es. Im Tiefdruckgebiet steige die Luft nach oben, im Hochdruckgebiet nach unten, dabei trockene die Luft ab.

Matthias Hubmeier (links) überreichte Wünsche einen Segel-Gutschein.

Überraschend war die Aussage Wünsches, dass die mittlere Windgeschwindigkeit vor 30 oder 40 Jahren nachgelassen habe. Die letzten Jahre gebe es weniger straffe Westströmungen. Von den verschiedenen Wolkenformationen seien am regenreichsten die Nimbostratuswolken, die im Extremfall von einer Höhe von 100 Metern bis zu 10 Kilometern reichen würden. Bei der Annäherung einer Warmfront von Westen entstehe zunächst Ostwind, der dann umdrehe. Nach Durchziehen einer Kaltfront entstehe böiger Wind. Eine sogenannte Vb (5b) Wetterlage komme aus dem Süden und bringe massiven Regen.

Das Wetter am Chiemsee sei geprägt von unseren gemäßigten Breiten mit Wechsel von Tief- und Hochdruckgebieten. Die Hauptwindrichtungen seien West, Ost, Nordost und Südost. Ein besonderes Problem für die Wettervorhersage seien Gewitter. Es gebe Frontgewitter und lokale Gewitter. "Die machen, was sie wollen", so der Meteorologe, und sie könnten höchstens eine Stunde vorher mit einiger Exaktheit vorausgesagt werden.

Wettergefahren für Segler seien besonders diese Gewitter mit "Downrush" genannten plötzlichen Böen und Kaltfronten mit plötzlichen Windwechseln. Beim Seewarndienst in Bayern unterscheide man die Starkwindwarnung ab sechs Beaufort Windstärke, mit 40 Blitzen in der Minute auf den Warnleuchten, sowie die Sturmwarnung ab acht Beaufort Windstärke, mit 90 Blitzen in der Minute auf den Warnleuchten. Diese Warnungen liefen vom 1. April bis 31. Oktober. Die Trefferquote läge bei Sturmwarnung bei 80 bis 90 Prozent und bei Starkwindwarnung bei etwa 70 Prozent.

Wünsche erhielt von den Zuhörern viel Beifall. Matthias Hubmeier überreichte ihm einen Gutschein für einen Segeltag am Chiemsee, einschließlich Brotzeit auf der Fraueninsel.

ni/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser