Umweltaktivisten mit Schwimmbanner an der Herreninsel

Auf dem Chiemsee: Greenpeace fordert Meeresschutz

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Chiemsee - Am vergangenen Samstag, dem 19.8.17, wurden Touristen, die mit den Fähren an der Herreninsel landeten, von einem ungewöhnlichen Anblick begrüßt:

Aktivisten der Greenpeace-Gruppen Rosenheim und Chiemgau waren mit einem 32 Quadratmeter großen Schwimmbanner in den Chiemsee gestiegen und trieben in Nähe von Landesteg und Fähren im kühlen Nass. "For plastic-free oceans" (Für Meere ohne Plastikmüll) stand auf dem schwimmenden Transparent, das vier Ehrenamtliche, gekleidet in knallrote Überlebensanzüge, ausgebreitet hatten. Sehr zur Neugierde einer Jungentenschar, die immer wieder das Banner umkreiste.

Trotz des regnerischen Wetters wollten die Umweltaktivisten gegen die weltweite Plastikvermüllung aller Gewässer der Erde protestieren. Regen und Nässe sahen sie dabei nicht als Hindernis: "Wir Schwimmer im Wasser sind trockener als unsere Kollegen am Infostand. Mit den Tauchanzügen können wir mehrere Stunden im Chiemsee bleiben, ohne zu frieren", sagte dazu Norbert Davis, ein Mitglied der Gruppe."Außerdem sehen wir den Plastikmüll in den Meeren als ein größeres Problem als unseren persönlichen Komfort. Vielmehr ist es sogar geradezu dieser unser Komfort, Konsum und Verbrauch, der diese Mengen Müll erzeugt."

Plastikmüll als Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft

Gleichzeitig informierte Greenpeace an Land, dass der Plastikmüll als Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft jedes Jahr bis zu 100.000 Meeressäuger und einer Million Meeresvögel das Leben kostet. Die Tiere verhungern mit vollen Mägen, da Plastik den Verdauungsapparat verstopft. Wale, Delfine und Schildkröten, verfangen sich in alten Fischernetzen, ertrinken oder erleiden schwere Verletzungen bei Befreiungsversuchen.

Ein besonderes Phänomen sind die sogenannten "Müllstrudel". Hydrographische Wirbel sammeln im Meer gigantische Müllteppiche an. Der wohl bekannteste ist der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Er hat inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht.

In Bhutan, Bangladesh und Teilen Australiens sind Kunststofftüten verboten. Irland hat den Plastiktütenverbrauch durch Abgaben um über 90 % gesenkt.

Auch Deutschland muss mehr tun

Doch laut Greenpeace tut die Bundesregierung bislang zu wenig, um das wachsende Plastikproblem einzudämmen. In Deutschland werden z.B. laut Umweltbundesamt (UBA) pro Jahr mehr als fünf Milliarden Plastiktüten verbraucht. Viele davon landen als Müll in der Umwelt, oft auch in Flüssen und schließlich im Meer.

Greenpeace fordert daher von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Plastiktüten gesetzlich zu verbieten. Gleichzeitig müssen Mikrokunststoffe in Pflegeprodukten und Kosmetika durch umweltverträgliche Alternativen ersetzt werden. Die Kosmetikindustrie setzt laut UBA in ihren Produkten in Deutschland jährlich allein 500.000 Kilogramm Polyethylen (PE) als Mikroplastik ein, das über das Abwasser bis ins Meer gelangt. Darüber hinaus kommen viele weitere Mikrokunststoffe in fester, flüssiger und andere Form zum Einsatz. „Freiwillig wird die Industrie nicht auf Plastik verzichten. Wir brauchen ein Verbot von kosmetischen Mikrokunststoffen und von Plastiktüten“, so Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace.

Deutschland europäischer Spitzenreiter im Plastikverbrauch

Deutschland sei europäischer Spitzenreiter im Plastikverbrauch, obwohl es sich als EU-Mitglied verpflichtet habe, einen Beitrag zu leisten, um die europäischen Meere bis zum Jahr 2020 in einen guten Umweltzustand zu bringen. Nach der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie muss die EU die Vielfalt der Arten in den Ozeanen erhalten und die Meere vor der Vermüllung schützen. Rechnerisch gelangten jedoch weltweit allein während der kürzlichen, dreitägigen G20-Konferenz fast 66.000 Tonnen Plastik von Land aus ins Meer.

Der bessere Schutz wäre laut Greenpeace, die Produktion von Plastik generell zu senken. Jährlich werden weltweit 322 Millionen Tonnen Plastik produziert, ein Großteil davon als Einwegverpackungen. In Europa liegt der Plastikverbrauch im Jahr bei fast 50 Millionen Tonnen, ein Viertel davon fällt allein in Deutschland an.

Pressemitteilung Greenpeace Rosenheim

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