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Nach Protestkundgebung am Kloster-Friedhof *Mit Voting* 

"Völlig sinnlose Taten": Jodl-Grab-Inhaber verurteilt Aktionen Kastners 

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Proteste gegen das leere "Jodl-Grab" auf der Fraueninsel, initiiert von dem Münchner Künstler Wolfram P. Kastner, fanden am 21. Juli auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel statt. 
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Chiemsee - Der Münchner Künstler Wolfram P. Kastner kämpft seit Jahren für die Beseitigung des sogenannten "Jodl-Grabs" auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel. Mit seiner jüngsten Protestkundgebung zog er den Zorn des Inhabers des Familiengrabs auf sich. 

Am Sonntagvormittag des 21. Juli 2019 versammelten sich 40 Personen auf der Fraueninsel um gegen das Ehrenkreuz für den verurteilten und hingerichteten Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl auf dem Inselfriedhof zu protestieren.

Es wurden unter anderem osteuropäische Weisen zum Gedenken an Millionen von Menschen, die auf Befehl des Kriegsverbrechers umgebracht wurden, gespielt sowie Berichtevon Menschen, die als Kind die von Jodl angeordnete 872 Tage dauernde Hungerblockade überlebten, aus dem Buch der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch vorgetragen.

Die Kundgebung löste sich nach rund eineinhalb Stunden wieder auf und sei insgesamt friedlich verlaufen, wie Polizeihauptkommissarin Karin Walter von der zuständigen Inspektion Prien am Chiemsee auf Nachfrage der Redaktion bestätigen kann: "Es blieb alles im Rahmen." 

Aktionen von Kastner und Anhängern werden weiter gehen

In den Augen des Münchner Künstlers Kastner sei das leere Grab Jodls ein "Skandal, der beseitigt" werden müsse. "Wir werden nicht ruhen, bis das geschehen ist", akzentuierte der Künstler und Initiator der Veranstaltung am Sonntagvormittag und kündigte zudem weitere Aktionen an. "Es darf nicht so bleiben, dass zum 20. Juli der Widerstand gegen die Nazis von Politikern gelobt und auch für heute als notwendig erklärt – und gleichzeitig ein verurteilter Nazi-General und Massenmörder dauerhaft öffentlich geehrt wird."

Die Anhänger Kastners und Teilnehmer der Kundgebung hielten auf dem Klosterfriedhof Protesttafeln in die Höhe, die Schriftzüge wie "Jodl-Ehrung ist eine Schande für die Fraueninsel" oder "Kein Gedenkstein für Kriegsverbrecher" zierten. 

Wolfram Kastner forderte dazu auf, mit Briefen unter anderem an den Bundespräsidenten oder Kanzlerin Merkel, mit Petitionen an den Landtag und mit weiteren Aktionen auf das Schandmal aufmerksam zu machen und auf seine Beseitigung hinzuwirken. Es sei"beschämend, dass die verantwortlichen Politiker nichts wirksam unternommen haben, um den Skandal endlich zu beenden", betonte Kastner und spielte damit auf das Urteil des Verwaltungsgerichts München an, das Anfang April 2019 die Verlängerung des Grabnutzungsrechts für weitere 20 Jahre erlaubte.

Kastner und seine Anhänger vor dem Klosterfriedhof auf der Fraueninsel. 

Stellungnahme des Inhabers des Familiengrabs "Jodl" zur jüngsten Kundgebung:

Kastner habe am 21. Juli die Grabstätte trotz einer laut dem Grab-Inhaber "bestehenden einstweiligen Verfügung, die dieses untersagt", betreten, um "abermals am Familiengrab tätig zu werden".

Aufgrund einer Erbschaft sei der aktuelle Grab-Besitzer, wie er sagt, "per Zufall alleiniger Inhaber des Grabnutzungsrechts für das Familiengrab Jodl auf dem Friedhof der Gemeinde Chiemsee" geworden. In dem Familiengrab sind Irma und Luise Jodl, die Ehefrauen Alfred Jodls, sowi Ferdinand und seine Frau Maria Jodl bestattet. Die sterblichen Überreste des verurteilten und hingerichteten Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl befinden sich nicht in dem Grab auf dem Inselfriedhof

Dessen Leichnam wurde nach der Hinrichtung 1946 durch das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal verbrannt und die Asche in einen Zufluss der Isar gestreut, um einer Pilgerstätte für Nazis entgegenzuwirken.

"Stiller Rückzugsort" für Familie

"Wäre der Leichnam damals an die Familie herausgegeben worden, wäre eine Beisetzung in dem genannten Familiengrab erfolgt", erklärt der Inhaber. "Da keine Beisetzung erfolgen konnte, wurde lediglich der Name 'Alfred Jodl' an dem Grabmal angebracht - genauso wie die oben genannten Namen der beigesetzten Familienangehörigen. Es existiert weder ein Ehrenkreuz noch eine öffentliche Gedenkstätte. Es handelt sich um ein normales Familiengrab, in dem historisch unbescholtene Familienmitglieder,  die in der betreffenden Gemeinde ortsansässig waren, bestattet sind - und auf dem auch der Name von 'Alfred Jodl' erscheint." 

Das Grab sei ein "stiller Rückzugsort" für die Familie, die "größten Wert" darauf legen, dass der Ort des Grabes nicht publik werde, um die Gefahr der Entstehung einer Gedenkstätte auszuschließen. "Meine Familie und ich haben die historische Schuld, die Alfred Jodl aufgrund seiner Handlungen im Zweiten Weltkrieg zu verantworten hat, nie relativiert, sondern diese in der Vergangenheit wie heute ausdrücklich verurteilt", hebt der Inhaber schriftlich hervor.

Den Namen des Wehrmachtsgenerals auf dem Grabstein überdeckten bis vor Kurzemzwei Thuja-Pflanzen, die nach Aussage des Grabinhabers von ihm persönlich gepflanzt und von unbefugten Unbekannten herausgerissen worden seien, sodass der Name Alfred Jodl nun wieder vollständig zu lesen ist. 

Familiengrab soll "privaten und abgeschiedenen Charakter bewahren" 

"Obwohl von meiner Seite alles getan wird, um den Namenszug 'Alfred Jodl' einer öffentlichen Zurschaustellung zu entziehen, geht es dem Straftäter Wolfram Kastner und seinen Unterstützern nicht um sachliche Anliegen. Erst die Aktivitäten von Kastner haben dazu geführt, dass die Öffentlichkeit überhaupt auf das Grabmal aufmerksam wurde. Die völlig sinnlosen Taten sind daher auch kontraproduktiv und schaden dem wichtigen Anliegen einer Aufarbeitung der historischen Schuld der damaligen nationalsozialistischen Machthaber", unterstreicht der Inhaber.

Seit 2015 begehe Kastner - zum Teil gemeinschaftlich mit Anhängern - Straftaten wie Sachbeschädigungen in Form von Farbanschlägen auf das Grabkreuz. Mit diesen Taten rühme sich der Münchner Künstler nach Ansicht des Inhabers im Internet und in verschiedenen Medien. 

Die Familie sei gewillt, "alles dafür zu tun, dass gerade keine Wallfahrtsstätte für Neonational-Sozialisten" entstehe, sondern das Familiengrab seinen "privaten und abgeschiedenen Charakter" bewahre. Kastner jedoch, so die abschließende Einschätzung des Inhabers, wolle "mit seinen Aufmärschen neben dem Friedhof offenbar das genaue Gegenteil erreichen".

**Aufgrund auffälliger Unregelmäßigkeiten bei den Abstimmungen wurde die Umfrage in diesem Artikel entfernt. Wir bitten um Verständnis**

mb

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