Auch der Chiemsee wurde untersucht

Antibiotikaresistente Bakterien in Badeseen?

Landkreis/Chiemsee - Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersucht südbayerischen Badeseen auf antibiotikaresistente Bakterien. Darunter auch den Chiemsee.

Dass Routineuntersuchungen an Badegewässern unternommen werden, um die Qualität des Wassers zu überprüfen, ist nichts Neues mehr. Zum Schutz der Badegäste wird die Badewasserqualität von den zuständigen Gesundheitsämtern alle vier Wochen kontrolliert. Neben den regelmäßigen hygienisch-mikrobiologischen Untersuchungen hat das LGL nun auch zur wissenschaftlichen Überprüfung eine begrenzte Anzahl von südbayerischen Badeseen unter die Lupe genommen. Bei einer Routine-Untersuchung wird der Grad der fäkalen Verunreinigung des Wassers durch einen Nachweis bestimmter Darmbakterien geprüft. Zusätzlich kommt nun die Untersuchung auf antibiotikaresistente Bakterien hinzu. 

Was sind antibiotikaresistente Bakterien?

Antibiotikaresistente Bakterien sind solche, die auf ein Antibiotikum bzw. mehrere Antibiotika nicht mehr ansprechen, also resistent dagegen sind. Diese Eigenschaft kann natürlichen Ursprungs sein, muss also nicht bedeuten, dass ein Bakterium erst nach dem Kontakt mir einem Antibiotikum resistent dagegen wurde. Bakterien können vor allem dort eine Resistenz erwerben, wo Antibiotika eingesetzt werden, da sie hier einen entscheidenen Überlebensvorteil haben. Beispiele für solche Orte sind Krankenhäuser oder Bereiche der industriellen Tierhaltung. Die dort entstehenden antibiotikaresistenten Bakterien gelangen dann mit dem Abwasser in die Umwelt und können sich dort auch verbreiten. 

Wie kommen diese Bakterien in unsere Badeseen?

Da Badegewässer oftmals vielseitig genutzt werden, kann eine Verunreinigung durch verschiedene Dinge entstehen. Vor allem durch das Einleiten von Abwasser oder Mischwasser in die Badeseen, aber auch durch die Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen kann eine fäkale Verunreinigung auftreten. Zudem können auch Menschen resistente Bakterien ins Wasser ableiten. 

Stecken im Chiemsee antibiotikaresistente Bakterien?

Bei den zusätzlichen Untersuchungen, wurden 10 Badeseen auf antibiotikaresistente Bakterien geprüft, darunter auch der Chiemsee. Zwar wurden bei der Überprüfung der Seen viele Resistenzen gefunden, diese kommen aber bei den unterschiedlichen Bakterienspezies, die sich in den Gewässern befinden, auf natürliche Weise vor.

Untersuchte Seen:

  • Chiemsee, Landkreis Rosenheim
  • Faulensee, Landkreis Ostallgäu
  • Feldmochinger See, Stadt München
  • Forggensee, Landkreis Ostallgäu
  • Langwieder See, Stadt München
  • Regattasee, Stadt München
  • Schlierseee, Landkreis Miesbach
  • Seehamer See, Landkreis Miesbach
  • Starnberger See, Landkreis Weilheim
  • Wakelake, Landkreis Landshut

Ergebnisse und Bewertung der Untersuchungen

Ja, es befinden sich antibiotikaresistente Bakterien in den überprüften Badeseen. Dadurch ergibt sich aber kein erhöhtes Infektionsrisiko beim Baden. Grund dafür ist, dass antibiotikaresistente Erreger nicht öfter zu Infektionen führen als nicht resistente Erreger. 

Damit das Aufkommen von Antibiotika und antibiotikaresistenten Bakterien in der Umwelt grundsätzlich verringert werden kann, ist der sach- und fachgerechte Einsatz von Antibiotika bei Tieren und Menschen sehr wichtig

Lediglich im Seehamer See sind Bakterien gefunden worden, die gegen drei für die Therapie wichtige Antibiotikagruppen resistent sind. Eine Gefahr beim Baden bestehe jedoch nicht. 2018 sollen nun auch nordbayerische Seen auf antibiotikaresistente Bakterien untersucht werden. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Diether Endlicher

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