Es wird nicht ruhig um das Jodl-Grab auf der Fraueninsel

Bund der Antifaschisten appelliert an Gemeinde

+
Der Aktionskünstler Wolfram Kastner beschmierte den Gedenkstein des Kriegsverbrechers Alfred Josef Ferdinand Jodl auf der Fraueninsel mit roter Farbe
  • schließen

Chiemsee - Kommt der umstrittene Gedenkstein auf dem gemeindlichen Friedhof auf der Fraueninsel weg oder bleibt er? Der Gemeinderat wird im Februar darüber entscheiden. Nun gibt es zwei offene Briefe, um eine Nutzungsverlängerung zu verhindern.

UPDATE, 8. Februar: Weiterer offener Brief

Nicht nur die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg verfasste einen offenen Brief, um eine Verlängerung der Nutzung des Familiengrab Jodl auf der Fraueninsel zu verhindern. Unsere Redaktion erhielt am Donnerstag ein weiteres Schreiben der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen/Kreisverband Traunstein. Auch sie appellieren in dem offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderat, sicher zu stellen, dass keinesfalls diese Grabstätte weiterhin als Denkmal für ewig Gestrige und als Beleidigung für die Opfer missbraucht werden kann.

Das Schreiben sei neben dem 1. Und 2. Bürgermeister an alle Gemeinderatsmitglieder der Gemeinde Chiemsee in der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn gegangen. Hier der Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Huber,

beunruhigt und überrascht haben wir die letzten Tage der Presse entnehmen müssen, dass über die Verlängerung der Nutzungsrechte eines Grabes der Familie Jodl, auf dem zusätzlich des verurteilten Kriegsverbrechers Alfred Jodl gedacht wird, nach den Debatten der letzten Jahre nun noch einmal beraten werden soll; dies, obwohl seit dem Jahr 2015 eine Beendigung des Nutzungsrechts in Aussicht gestellt wurde.

Das Grab wurde bisher gleichzeitig als Gedenk- und Erinnerungsort für einen der mächtigsten Männer des Naziregimes benutzt, obwohl Alfred Jodl dort nicht begraben ist.

Wir appellieren an Sie, sicher zu stellen, dass keinesfalls diese Grabstätte weiterhin als Denkmal  für ewig Gestrige und als Beleidigung für die Opfer missbraucht werden kann.

Im September diesen Jahres sind es 75 Jahre, dass die Nazis den in Übersee wohnenden Schrankenwärter Engelbert Steiner in Plötzensee ermordeten; vor 80 Jahren wurden rund um den Chiemsee Städte „judenfrei“ gemacht. Unsere Geschichte verbietet es, dass dem Kriegsverbrecher Alfred Jodl weiterhin auf der Fraueninsel gedacht werden kann."

Vorbericht, 7. Februar 2018:

Aktionskünstler Wolfram Kastner und die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg sind sich einig: Das Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl auf dem Gemeindefriedhof auf der Fraueninsel muss weg. 

Gemeinderat entscheidet wie es weiter geht

Das Nutzungsrecht für das Familiengrab Jodl läuft nun aus, weswegen der Gemeinderat in der Sitzung am 20. Februar über die vom Inhaber des Nutzungsrechtes beantragte Verlängerung entscheiden wird.

Nicht nur Wolfram Kanstner, der wegen seinen Aktionen am Jodl-Grab bereits vor dem Rosenheimer und Münchner Amtsgericht stand, ist gegen die Verlängerung des Nutzungsrechtes. "Es geht um das skandalöse Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl auf dem Gemeindefriedhof. Das muss weg. Aber die ChiemseeJODLer wollen es behalten", schreibt Kastner in einer Mitteilung an die Medien.

Kastner bekommt Unterstützung

Nun meldet sich auch die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg in einem offenen Brief an den Chiemseer Bürgermeister Georg Huber zu Wort, wie die Passauer Neue Presse berichtet: In dem Brief schreiben die Verantwortlichen, dass sich der Gedenkstein auf dem Weg zur Kirche immer noch ins Blickfeld dränge. "Mehrfach mussten wir beobachten, wie sich Besucher – auch aus dem Ausland – verständnislos und kopfschüttelnd abgewendet haben." Die Friedensinitiative erwarte, dass der Gemeinderat das Nutzungsrecht für die Grabstätte, zumindest aber für das "Schandmal Jodl" nicht verlängere. "Es muss das Interesse der Gemeinde sein, den guten Ruf der Fraueninsel zu wahren."

Nicht der erste offene Brief der Initiative

Vor fast genau einem Jahr veröffentlichte die Friedensinitiative bereits einen offenen Brief an Richterin Christina Wand vom Amtsgericht Rosenheim und an Richter Uwe Habereder vom Landgericht München I, um Kastner zu unterstützen. "Die Existenz eines Denkmals für einen Nazi-Kriegsverbrecher ist eine Provokation für jeden demokratischen Bürger unseres Landes", hieß es  in dem Schreiben.

Aktionskünstler Wolfram Kastner (links) vor dem Denkmal auf der Fraueninsel, nachdem er eine Aktion daran durchführte

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser