Keine Ruhe um das Jodl-Denkmal auf der Fraueninsel

Kastner: "Vielleicht ist noch ein Inselbesuch nötig"

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Aktionskünstler Wolfram Kastner (links) vor dem Denkmal auf der Fraueninsel, nachdem er eine Aktion daran durchführte
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Fraueninsel/Gemeinde Chiemsee - Der Aktionskünstler Wolfram Kastner steht wieder einmal vor Gericht. Diesmal geht es um Schadensersatz.

Aktionskünstler Wolfram Kastner kämpft schon lange dafür: Das Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl auf dem Gemeindefriedhof auf der Fraueninsel muss weg.

Sogar bis vor's Gericht hat es das Denkmal bereits gebracht. In der Vergangenheit hatte der Künstler Wolfram Kastner mit verschiedenen Aktionen den Gedenkstein des verurteilten NS-Kriegsverbrechers Alfred Jodl auf der Fraueninsel am Chiemsee verändert, beschmiert und beschädigt.

Der Gemeinderat hatte auch am am 22. Februar entschieden, dass der Stein entfernt werden muss. Seit Jahren ist der Gedenkstein heftig umstritten. Er solle als Pilgerstätte für Rechtsradikale dienen.

Kastner muss wieder vor Gericht

Wie Wolfram Kastner jetzt in einer Mitteilug an die Medien mitteilte, steht er wegen Schadenersatz und Forderungen am Dienstag, 09.10.2018 um 10.30 Uhr wieder einmal vor dem Landgericht München I. 

"Vielleicht ist noch ein Inselbesuch nötig?"

Kastner stellt in seinem Schreiben auch noch einige Überlegungen an, wie er eventuell weiter vorgehen möchte: "Vielleicht ist noch ein Inselbesuch nötig? Ich könnte mir vorstellen, dass man das „Ehrenkreuz“ mit weißen Binden fest einwickelt und mit etwas roter Farbe versieht. Und es wäre vorstellbar, dass man einen Aufkleber auf der schönen Insel immer wieder verteilt (insbesondere wenn viele Besucher auf der Insel sind und beim Weihnachtsmarkt) und nötigenfalls vielleicht sogar im Landratsamt zu Rosenheim?"

Kastner wandte sich im Vorfeld in Briefen an das Landratsamt Rosenheim und die Bayerische Staatsregierung, um für eine Entfernung des Gedenkkreuzes einzustehen. Das Rosenheimer Landratsamt teilte dem Künstler mit, dass „eine Klage gegen die Beseitigungsverfügung anhängig“ sei und dass bis zur rechtskräftigen Entscheidung über diese Klage nichts weiter veranlasst werden könne.

Die Bayerische Staatskanzlei teilte Kastner mit, dass sein Anliegen dem Staatsministerium des Inneren und für Integration weitergeleitet worden sei.

Jodl im Jahr 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt

 Alfred Josef Ferdinand Jodl war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1944 Generaloberst) und während des Zweiten Weltkrieges als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht an führender Stelle an der Planung der deutschen Militäroperationen beteiligt.

Jodl gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen. Er wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Seine Asche wurde in die Münchner Isar gelegt, demnach befinden sich auf der Fraueninsel keine sterblichen Überreste von Jodl.

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