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Interview mit dem Gebietsbetreuer

Gutes Zeugnis für den Chiemsee zum „Welttag der Feuchtgebiete“

Chiemsee/Starnberger See – Am Starnberger See wurde dieser Tage der Welttag der Feuchtgebiete begangen – mit Verzögerung. Denn eigentlich ist er am 2. Februar. Genau an diesem Tag wurde 1971 die Ramsar-Konvention unterzeichnet. Benannt ist dieses internationale Abkommen für den Vogelschutz nach dem Tagungsort, einer Stadt im Iran. Bei der Jubiläumsfeier am Starnberger See hat Dirk Alfermann den Chiemsee repräsentiert.

Das Bayerische Meer ist eines von nur neun Ramsar-Gebieten in Bayern. Alfermann ist als Gebietsbetreuer Vermittler zwischen allen Interessensgruppen. Die OVB-Heimatzeitungen haben zum Jubiläum eine Bestandsaufnahme mit ihm gemacht.

Bei der zentralen Veranstaltung zum Welttag der Feuchtgebiete am Starnberger See haben Sie den Chiemsee repräsentiert. Welches Zeugnis haben Sie dem Bayerischen Meer ausgestellt?

Dirk Alfermann : Grundsätzlich ein gutes. So sind über 80 Prozent des Chiemseeufers unverbaut, und hiervon können wiederum rund 40 Prozent sogar als naturnah bezeichnet werden.

Seit vielen Jahren hat der See wieder Trinkwasserqualität, was sicher ein großer Verdienst der 1989 fertiggestellten Ringkanalisation ist. Und der Chiemsee hat weiterhin eine herausragende Bedeutung als europaweites Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Wasservogelarten. Letztendlich ist er natürlich auch eines der bedeutendsten Vogelbrutgebiete in Bayern, wenn nicht sogar deutschlandweit.

Leider kommt es immer wieder auch in den sensiblen Bereichen zu Störungen für die Tier- und Pflanzenwelt; trotz speziell ausgewiesener Schutzgebiete oder auch sogenannter Ruhezonen. Hier bedarf es weiterhin der Information und Sensibilisierung der Bevölkerung durch Medienberichte oder Führungen beziehungsweise auch intensivere Kontrollen.

In Coronazeiten haben noch mehr Menschen als vorher in der Heimat Urlaub gemacht und das Erlebnis in der Natur gesucht. Hat sich das negativ auf den Chiemsee ausgewirkt?

Alfermann : In Teilen sicherlich. So hat die Anzahl an den verschiedensten Wassersportlern nachweislich zugenommen, was zwangsweise auch wieder zu mehr Störungen in den eigentlich für den Gemeingebrauch gesperrten Ruhezonen geführt. Und in den Ufergebieten kam es vermehrt zu Trampelpfaden in bislang unberührten Bereichen und damit auch zu vermehrten Störungen der Tier- und Pflanzenwelt.

Muss gegengesteuert werden, damit das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur gewahrt bleibt?

Alfermann : Es passiert schon ganz viel: So konnten in den letzten Jahren immer wieder Grundstücke gesichert werden, die speziell dem Naturschutz überlassen werden, und in den verschiedensten Schutzgebieten wurde die Beschilderung optimiert, sodass für die Besucher klar ersichtlich ist, wie sie sich zu verhalten haben.

Letztendlich wird sich ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur jedoch nur durch die Gesellschaft selbst herstellen lassen. Naturschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe und kann nicht durch einige wenige gewährleistet werden.

Sensibelster Bereich am Chiemsee ist das streng geschützte Mündungsdelta der Tiroler Ache. Ist es in der bisherigen Größe und mit den heutigen Schutzmaßnahmen langfristig zukunftsfähig? Das Delta schiebt sich ja jedes Jahr weiter in den See hinein.

Alfermann : Bis jetzt liegt das Mündungsdelta noch innerhalb der Schutzgebietsgrenzen. Aber es ist vollkommen richtig, dass über kurz oder lang der bestehende Schutzgebietsbereich auf dem See dann nicht mehr ausreicht. Es wäre daher durchaus wünschenswert, in naher Zukunft eine Erweiterung der Schutzzone auf dem See durch Verschiebung der Bojenkette anzugehen.

Ein Aufregerthema heuer war die Mückenplage in vielen Uferbereichen. Wie haben Sie die Plage erlebt und wie beurteilen Sie dieses ewige Reizthema?

Alfermann : Ja, ich habe durchaus Tage am See erlebt, an denen man von den Mücken regelrecht aufgefressen wurde. Für Tierarten wie Fledermäuse und Vögel, aber auch Fische und Amphibien haben die Mücken und ihre Larven hingegen eine ganz essenzielle Bedeutung als Nahrungsgrundlage und damit auch für die Erhaltung stabiler Populationen.

Für Einheimische und Urlauber hingegen kann es durchaus sehr lästig sein, und für eine Urlaubsregion wie den Chiemsee ist dies sicher nicht immer förderlich. Letztendlich gilt auch hier, einen geeigneten Mittelweg zu finden.

Anfang des Jahres haben Sie daran mitgewirkt, dass unter anderem in Prien in einigen Uferbereichen Infotafeln zum Schutz von Wiesenbrütern aufgestellt wurden? Hat sich das bewährt, nehmen die Menschen genug Rücksicht?

Alfermann : Ich meine schon. Wichtig war dabei natürlich auch, dass dies in Form von Presseberichten und dergleichen begleitet wurde. Mein Eindruck ist, dass die Infotafeln viele Freizeitnutzer erreicht haben, wobei es natürlich auch hier immer wieder Unbelehrbare beziehungsweise Uneinsichtige gibt. Diese Personen gilt es in Zukunft mit Kontrollen, Aufklärung und eventuell auch Bußgeldern auf den richtigen Weg zu bringen.

Erst vor wenigen Tagen sind die letzten Segel eingeholt worden, und die Wassersportsaison ist offiziell beendet worden. Welche Tiere und Pflanzen haben die Verschnaufpause jetzt am nötigsten?

Alfermann : Ich kann hier nur immer wieder meinen großen Dank an die Segelverbände und ihre Mitglieder aussprechen, dass sie nun schon seit bald 25 Jahren im Rahmen einer freiwilligen Vereinbarung zwischen November und März den Segelsport auf dem Chiemsee ruhen lassen. Dies kommt in erster Linie den vielen überwinternden Vogelarten zu Gute, die ausreichend Ruhe benötigen, um die Winterzeit gut zu überstehen und sich eben auch ausreichend Energiereserven anzufressen, damit sie dann im zeitigen Frühjahr den meist mehrere tausend Kilometer weiten Rückflug in ihre Brutgebiete in Nord- beziehungsweise Nordosteuropa oder auch Sibirien gestärkt antreten können.

Hier würde ich mir wünschen, dass auch weitere Wassersportler, wie etwa Kajakfahrer oder auch Stand-Up-Paddler dem lobenswerten Vorbild der Segelverbände folgen.

Hand aufs Herz: Wo ist Ihr Lieblingsplatz und welches ist Ihr persönliches Lieblingstier am Chiemsee und warum?

Alfermann : Oh, da gibt es durchaus einige. Aber hoch im Kurs steht sicher die Beobachtungsplattform bei Chieming. Von hier aus hat man einen tollen Blick über den See und auf die Alpen. Und zudem kann man von hier manch tollen Sonnenuntergang erleben.

Eines meiner Lieblingstiere ist sicher der Eisvogel. Zum einen fasziniert mich sein blauschillerndes Gefieder immer wieder aufs Neue und zum anderen begeistert es mich, ihn dabei zu beobachten, wenn er von seinem Ansitz kopfüber ins Wasser stößt, um kleine Fische zu fangen. Mit etwas Glück kann man dieses Naturschauspiel vom Turm in der Hirschauer Bucht oder auch an der Prienmündung bei Rimsting miterleben.Interview: Dirk Breitfuß

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth / dpa

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