Dokumentation über Herrenchiemsee im BR

Auf der Spur der Alleen

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Action – Dreharbeiten mit Landschaftsgärtner Jakob Nein auf Herrenchiemsee.

Herrenchiemsee - Hinüber schippern auf Herrenchiemsee. Das ist nie verkehrt. Denn so vieles gibt es dort zu Entdecken. Zum Beispiel eine Schnapsbrennerei. Und – wo hat man so etwas schon gehört? – eine Apfelallee, die nur Birnen trägt. 

Dort kann man sich treiben lassen, Fortträumen in ein fürstlicheres Leben. Lebensgefühl Alleen. Die schönsten, die gefühligsten Alleen in ganz Bayern. In einem Film. Ahorn, Birken, Eichen, Linden. Wie an einem unsichtbaren Lineal aufgereiht. Im goldenen Herbst, als Schattenspender in der Hitze des Sommers, in der Abenddämmerung.

"Viele Bäume, eine Straße – ja das ist eine Allee". So ein Partysong. Aber eigentlich falsch. Die ersten Alleen waren Spazierwege, zum Gehen halt, französisch: "aller". Zum Gehen im Schatten, Schattenspenden war der Hauptgrund, warum überhaupt je Alleen gepflanzt wurden. Und repräsentieren, die meisten Alleen führen auf Landgüter, Schlösser, schöne Kirchen zu. Und Orientierung in der Landschaft, mit der Kutsche durch den Wintersturm, die Allee ragt sichtbar heraus.

Brandenburg vs. Bayern

Brandenburg, beinahe die Hälfte der rund 19.000 Kilometer Alleen entlang von Deutschlands Straßen und Wegen steht dort. Brandenburg meets Bayern. Königreich Preußen, 17. Jahrhundert. Eine durchorganisierte Militärmacht. Hunderte von Kilometern von Heeresstraßen werden gebaut. Entlang pflanzt man Baumreihen. Schatten für die marschierenden Truppen. Graf Anton Clemens zu Toerring-Seefeld sieht das. Und holt die Alleen nach Bayern. 4,7 Kilometer Eichen, von Seefeld nach Weßling. Heute ein Naturdenkmal. Eine der Geschichten im Film: Alleebäume (direkt vor dem Bürofenster!) als Inspiration für Mitarbeiter einer Firma, die im – ehemals toerringschen – Gut Delling Elektromotoren entwickelt.

Weitere Geschichten: Dolce Vita unter Bäumen – Vespafans picknicken an einem Sommerabend im Schutz der Birkenallee bei Gut Herrlehof (Landkreis Augsburg); Alles Fürst? Regensburg und seine Thurn-und-Taxis. Seit 1748 sind sie in der Reichsstadt zuhause, (mindestens) zwei sehr schöne Alleen sind dort nach ihnen benannt: die Fürst-Albert-Allee sowie die Fürst-Anselm-Allee - mit dem "Regensburger Schwammerl", einem einzigartigen Kiosk in Form eines Fliegenpilzes; Alleen-Paradiese im mittelfränkischen Triesdorf und rund um Schloss Grünau (bei Neuburg an der Donau) – nirgendwo sonst in Bayern gibt es so viele Alleen auf engstem Raum, wie in diesen Gegenden.

"Baille-Maille"?

Alleen als Lebensraum – eine Vogelkennerin erzählt von Fledermäusen, Vögeln, Insekten, am Beispiel einer Allee in Schäftlarn an der Isar. Weniger der lieben Vögel willen sondern als Auffahrtsallee zum eigenen Gut haben Adelige früher Baumreihen pflanzen lassen. Oder als Element in weiten Gartenanlagen: Hofgarten Ansbach, Schlossgarten Veitshöchheim, Herrenchiemsee. 

Und wir stellen Ihnen Baille-Maille vor. Baille-Maille?! So heißt ein Spiel, das unter den Adligen Europas von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert sehr beliebt war. Heute kennt man es nicht mehr so recht, aber so ist das mit der Zeit, man weiß ja heute auch nicht mehr, dass Alleen einst beschattete Spazierwege und eben keine Straßen mit Bäumen entlang waren.

Baille-Maille spielen übrigens Mitglieder des „Förderkreis zur Erhaltung und Verschönerung der Kulturlandschaft im Bereich der Gemeinde Himmelkron“ (Oberfranken). Extra für unseren Film, in dem wir noch einige weitere Alleen-Geschichten erzählen. Etwa von Musik und Marktoberdorf, von „Baby Groot“ und den „Guardians of the Galaxy, Volume Two“, oder auch von der vermutlich schönsten Allee in ganz Bayern. In Worten kaum zu beschreiben. Auf einer Donauinsel in Regensburg, gleich hinter dem Freibad. Mehr sog i ned. Außer: Ein Film von Wolfgang Binder und Frank Dussmann, Redaktion Dr. Michael Zehetmair.

Pressemitteilung Bayerisches Fernsehen

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