Vogelschützer sind entsetzt:

Gekreuzigter Kormoran im Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Grausiger Fund vor der Hirschauer Bucht.
  • schließen

Grabenstätt - Es ist ein grausiger Anblick, der sich den Besuchern der Aussichtsplattform der Hirschauer Bucht derzeit bietet: Unbekannte kreuzigten einen Kormoran.

Ein grausiges Bild bietet sich derzeit Besuchern der Aussichtsplattform an der Hirschauer Bucht: Unbekannte haben im tiefen Wasser vor der Bucht einen Kormoran förmlich gekreuzigt. Der tote Vogel hängt mit ausgestreckten Flügeln an einer Holzkonstruktion - Vogelschützer sind entsetzt!

"Statt sich über die vielfältige Vogelwelt und urtümliche Natur zu freuen, müssen die Besucher des Beobachtungsturms Hirschauer Bucht einen gekreuzigten Kormoran sehen." Sabine Pröls, Leiterin der Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach des Landesbundes für Vogelschutzes (LBV), ist bestürzt über den grausigen Anblick des gekreuzigten Opfers. „Dies ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen und eine Rohheit gegenüber der Natur".

Die Motive des Tierschänders liegen indes im Dunkeln. Sollten Artgenossen abgeschreckt oder angelockt werden? Oder handelt es sich um eine symbolische "Bestrafung" des Vogels, der als Fischfresser Anglern und Berufsfischern Sorgen macht?

Kormoran hängt seit über einer Woche

Der gekreuzigte Vogel wurde bereits in der vergangenen Woche im Chiemsee entdeckt. Nach Informationen des LBV ist das tote Tier aber bis heute nicht entfernt. Der Landesbund für Vogelschutz fordert, so Pröls, den gekreuzigten Kormoran schnellstmöglich zu entfernen. Doch wer ist dafür zuständig? Nachdem die Angelegenheit erst am heutigen Donnerstag öffentlich wurde, muss diese Sache erst noch geklärt werden. Da es sich bei dem Vogel um ein Wildtier handelt, wird der Gründstückseigner wohl für die Entfernung verantwortlich sein. Aber auch die Gebietsbetreuung Chiemsee im Landratsamt Traunstein ist informiert und habe bereits Kontakt mit den Berufsfischern aufgenommen, damit diese das tote Tier eventuell entfernen.

Die Polizei in Traunstein als zuständige Inspektion erfuhr ebenfalls erst am heutigen Donnerstag vom toten Vogel im See. Anzeige sei bislang nämlich nicht erstattet worden. Es werden nun aber Beamte an den Ort des Geschehens geschickt, ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz könne nicht ausgeschlossen werden. Auch nicht, dass der Vogel auf nicht-artgerechte Weise ums Leben kam. Sei der Vogel aber bereits tot gewesen, als er an der Holzkonstruktion befestigt wurde, sei das zwar eine makabere Tat, sie liege dann aber nicht im Zuständigkeitsbereich der Polizei.

Kormorane am Chiemsee

Seit 1994 brütet eine Kormorankolonie am Chiemsee. Darüber hinaus rasten und überwintern zahlreiche Kormorane am Chiemsee. 1994 begann sich eine Kormorankolonie im Achendelta zu etablieren, die ihre maximale Größe 2001 mit 145 Paaren erreichte. 2004 brach die Kolonie aus ungeklärten Gründen kurzfristig zusammen und pendelt seither laut Bayerischem Landesamt für Umwelt zwischen 70 und 120 Paaren. Der Kormoran wird in Bayern stark bejagt. So liegen die jährlichen Abschusszahlen bei etwa 7.000 Individuen.

Nachdem 1989 die Ringkanalisation Chiemsee in Betrieb genommen wurde sank der Gehalt an Phosphat und organischem Material im Chiemsee, der sich dadurch zu einem mäßig nährstoffreichen See entwickelte. Die Folge ist ein geringerer Gehalt an Algen als Nahrungsgrundlage unter anderem für Fische. Die Fischfangzahlen der Berufsfischer gingen bis 1994 auf etwa 70.000 kg zurück. Seit 1999, also noch vor Erreichen der maximalen Größe der Kormorankolonie, gehen die Fangzahlen der Fischerei trotz Kormorankolonie und etwa gleichbleibenden Winterbestand nach oben. Sie liegen in den letzten Jahren deutlich über 100.000 kg. Ein Zusammenhang zwischen Kormoranbestand und Fischertrag zeigen die Zahlen nicht. Dass sich die Fischer über den Kormoran ärgern, kann Sabine Pröls verstehen. Dennoch plädiert sie angesichts der Erträge für Leben und Leben lassen.

Zweimal kam es im Achendelta zu Ansiedelungsversuchen des Seeadlers. Beide Male wurde das Nest aus unbekannten Gründen verlassen. „Da Seeadler nur noch schwer von einer begonnen Brut ablassen, gehen wir davon aus, dass sie vertrieben wurden“, so Pröls. Dabei wäre der Seeadler ein natürlicher Feind des Kormorans gewesen.

Kormorane dürfen in der Zeit vom 16. August bis 14. März und im Umkreis von 200 m um Gewässer außerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparks und europäischer Vogelschutzgebiete geschossen werden. Darüber hinaus gibt es gebietsspezifische, weitergehende Ausnahmegenehmigungen.

rr/redch24/LBV Inn-Salzach

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser