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Wirt trifft harte Entscheidung

Rätsel auf der Fraueninsel: Warum bleibt die Gasthaustür vom Inselwirt zu?

Der Inselwirt mit Hotel und Restaurant auf der Fraueninsel: Seit Monaten herrscht hier Stillstand. Zu den genauen Gründen will sich Inhaber Benjamin Krämmer nicht äußern.
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Der Inselwirt mit Hotel und Restaurant auf der Fraueninsel: Seit Monaten herrscht hier Stillstand. Zu den genauen Gründen will sich Inhaber Benjamin Krämmer nicht äußern.

Er weigert sich, sein Wirtshaus wieder aufzusperren: Der Inselwirt von der Fraueninsel gibt Rätsel auf – denn den Grund dafür will der Inhaber nicht nennen. Es könnte jedoch mit den strengen Corona-Auflagen zu tun haben und mit der überbordenden Bürokratie, die auch der Branchenverband Dehoga scharf kritisiert.

Chiemsee (Fraueninsel) Die Terrasse verwaist, Stühle und Tische weggeräumt, Fenster und Türen verschlossen: Seit dem Frühjahr 2020 ruht der gesamte Betrieb des Inselwirts. Gibt es Hoffnung für das spezielle Wirtshaus auf der Fraueninsel? „Aufgrund der allgemeinen Situation bleibt unser Hotel und Restaurant auf unbestimmte Zeit geschlossen“, steht auf der Website des Inselwirts und im Schaukasten vor dem Gebäude. Aber auch, dass man hoffe, bald wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Ob mit der „allgemeinen Situation“ die Corona-bedingt schwierige Lage für Gastronomie und Hotellerie gemeint ist, bleibt offen. Insel-Wirt Benjamin Krämmer möchte sich auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht äußern. Auch nicht dazu, ob es einen Zeithorizont für die Wiedereröffnung gibt.

Ein Aushang lässt aufhorchen

Einer, der regelmäßig Kontakt zum Insel-Wirt hat, ist Bürgermeister Armin Krämmer. Mit Benjamin Krämmer ist er nur „weitläufig verwandt“, und auch das Reden über das Traditions-Wirtshaus will er dem Wirt selbst überlassen, aber so viel kann auch der Bürgermeister sagen: „Wir alle von der Insel, jeder Stammgast und Segler, finden es sehr schade, dass das Haus geschlossen ist.“ Kaum etwas sei schöner gewesen, als sich zum Sundowner nach einer Bootsfahrt noch zum Inselwirt zu setzen, etwas zu essen und auf den See und die untergehende Sonne zu schauen.

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„Der Inselwirt hatte kurz vor der Schließung noch die Terrasse umgestaltet, mit Olivenbäumchen und Palmen, wunderschön.“ Für Stammtische und Frühschoppen sei das Haus ein Treffpunkt gewesen, „und hatte im Gegensatz zu den anderen Gastronomien auf der Insel oft noch bis 22 Uhr geöffnet.“

Traditionshäuser mit einem Problem

Warum der Inselwirt nach wie vor geschlossen ist, bleibt unklar. Jedoch findet sich auf Facebook der Post eines Inselbesuchers, Lewin Berner aus Frankfurt. Dieser stellte am 18. Juli 2020 das Foto eines Aushangs mit Inselwirt-Emblem ein, auf dem zu lesen ist: „Da ich den ‚entwürdigenden Regulierungswahnsinn‘ meinen Angestellten und Gästen nicht zumuten werde, ist das Hotel und Restaurant geschlossen – der Wirt.“

Ob dieser Hinweis derzeit noch vor Ort aushängt, ist nicht bekannt. Unbestätigt sind auch Gerüchte, wonach die als sehr streng geltenden Brandschutzauflagen des Freistaats zur Herausforderung für den Wirt wurden. Theresa Albrecht, Rosenheimer Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, kennt zwar diesen konkreten Fall nicht. Sie bestätigt aber für ihre Branche, dass viele Traditionshäuser „das Problem haben, mit Auflagen überzogen zu werden.“

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Es gebe nicht wenige Fälle, in denen Gastronomen nicht wüssten, „ob die nötigen Investitionen je wieder erwirtschaftet werden können.“ Auch während Corona habe es keine Ausnahmen von den strengen Anforderungen, etwa für den Brandschutz, gegeben. Immerhin sei im Lockdown nicht kontrolliert worden. Grundsätzlich, so Albrecht, sei es sehr schwierig, Bestandsschutz für einen älteren Betrieb zu bekommen.

Historische Gebäude werden zum Problem

In den Behörden fehle oft das Verständnis dafür, dass ein historisches Gebäude niemals denselben Standard erfüllen könne wie ein Neubau. „Insgesamt haben wir es mit immer mehr Bürokratie zu tun, dabei kann man nicht alles zu 100 Prozent absichern“, seufzt Albrecht, „so verlieren wir viele schöne Betriebe.“

Beim Inselwirt stammt das Gebäude aus dem 12. Jahrhundert; zur Gaststätte wurde es 1951 ausgebaut, danach immer wieder renoviert. Sollten es die Corona-Maßnahmen sein, die den Inselwirt umtreiben, so teilt er dieses Schicksal mit rund 24.000 Restaurants und Gaststätten sowie mit 8700 Hotels und Pensionen in Bayern (Zahlen: Landesamt für Statistik). Trotzdem kann Albrecht nachvollziehen, dass manche mit den derzeitigen Corona-Auflagen überfordert sind: Österreich zum Beispiel habe klarere Regeln.

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