Defizit soll geteilt oder gesenkt werden

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Breitbrunn/Chiemsee - Die Chiemsee-Ringbusse bringen Radler inklusive Untersatz und Wanderer um das Bayerische Meer. Nun muss über die weitere Finanzierung beraten werden.

Die sechste Saison bringen die Chiemsee-Ringbusse nun schon Radler inklusive Untersatz und Wanderer um das Bayerische Meer. Die Fahrgastzahlen steigen jährlich. Der weit überwiegende Teil der Passagiere sind Urlauber, die kostenlos mitfahren, weil sie Kur- oder Gästekarten haben. Das lassen sich die Initiatoren einiges kosten, allen voran der Regionalverkehr Oberbayern. Ab 2013 will der RVO sein Defizit verringern.

Im Oktober sollen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, um über die künftige Finanzierung zu beraten. Es könnte eine große Runde werden, denn zum Betrieb schießen viele etwas zu, die in der Ringbuslinie eine wichtige Ergänzung ihres touristischen Angebots sehen. Zwölf Gemeinden (die zehn Anliegerkommunen des Sees plus Aschau und Grassau) tragen etwa zwei Drittel der Zuschusssumme, die beiden Landkreise Rosenheim und Traunstein, ihre Tourismusverbände sowie der Abwasser- und Umweltverband Chiemsee sitzen ebenfalls mit im Bus.

Heuer haben nach RVO-Angaben bisher an die 16000 Kur- und Gästekarteninhaber die Linie kostenlos genutzt, außerdem laut Franz Polland, RVO-Niederlassungsleiter in Rosenheim, gut 1200 Einheimische.

Beide Busse verfügen über Anhänger mit Platz für je 18 Fahrräder, deren Transport pro Fahrt für alle einen Euro kostet - egal, ob Kurkarte oder nicht.

Heuer hat der RVO nachgerüstet, für 10000 Euro einen neuen, flacheren Hänger beschafft, in dem Be- undEntladen der Drahtesel leichter wird und der spezielle Halterungen für bis zu vier sogenannte E-Bikes hat.

Das Angebot wurde in dieser Saison auch dadurch verbessert, dass elektronische Ansagen während der Fahrt eingespielt werden, die Landschaft und Sehenswürdigkeiten erläutern.

Nach RVO-Angaben sind die Busse inzwischen zu über der Hälfte mit durchschnittlich 22 Passagieren ausgelastet, zwei Drittel der Fahrgäste sind Wanderer.

RVO zahlt heuer 30000 Euro drauf

Fünf Touren fahren die beiden RVO-Fahrzeuge von Pfingsten bis in den Oktober täglich von Prien und Chieming aus in unterschiedlichen Richtungen ums Bayerische Meer. So werden auch Anbindungen an die RVO-Linien von Prien durchs Achental nach Reit im Winkl beziehungsweise am Nordufer entlang nach Traunstein geschaffen, insbesondere gegen Abend, wenn die Ausflügler wieder nach Hause wollen. Auch diese Busse können inzwischen Räder mitnehmen.

Der RVO hat bisher das jährliche Defizit selbst gestemmt, das entsteht, weil der großen Mehrheit der Passagiere, nämlich den Urlaubern, die Fahrt kostenlos angeboten wird. Polland zufolge belaufen sich die Jahreseinnahmen auf 68000, die Kosten aber auf 98000 Euro. Der RVO muss also heuer wieder 30000 Euro draufzahlen.

Das will und kann er sich ab nächstem Jahr nicht mehr leisten. Weil heuer die bei Einführung der Linie auf fünf Jahre angelegte Kooperationsvereinbarung ausläuft, stellt das Unternehmen bei allen Beteiligten nun eine Neuaufteilung der Kosten oder alternativ Einschränkungen des Angebots zur Diskussion.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Breitbrunn stellte Bürgermeister Hans Thalhauser die schriftlichen Vorschläge des RVO vor. Eine andere Aufteilung der Kosten würde für die beteiligten Kommunen einen höheren Anteil bedeuten, der sich wiederum nach einem komplizierten Schlüssel errechnet, für den unter anderem die Einwoherzahlen maßgeblich sind.

Alternativ stellt Polland zur Debatte, eine der bisher fünf täglichen Seeumrundungen mit 35 Haltestellen zu streichen, wodurch sich der RVO einen der beiden benötigten Busse und die Personalkosten für den Fahrer sparen könnte. So könnte das jährliche Defizit nach RVO-Berechnungen um zwei Drittel auf etwa 10000 Euro reduziert werden, die Kommunen müssten entsprechend weniger zahlen als bisher.

Grundsätzlich stellt niemand die Ringbuslinie infrage. RVO-Geschäftsführer Veit Bodenschatz hatte bei der Saisoneröffnung im Mai in Seebruck vor Landräten, Bürgermeistern und Touristikern versprochen, dieses "Pfund zu hegen und zu pflegen".

Auch die Breitbrunner Räte unterstrichen, dass sie sich des Wertes dieser Linie sehr bewusst sind, allen voran Zweite Bürgermeisterin Julinae Lorenz, als Leiterin der Tourist-Info besonders nah am Urlauber-Ohr.

Die Tendenz im Gremium in Breitbrunn ging in Richtung eines Mittelwegs. Vor allem Abstriche bei den Anbindungen der Ringbusse an RVO-Linien in Richtung Rosenheim und Traunstein kann man sich in Breitbrunn vorstellen. Mit dieser Vorgabe soll sich Bürgermeister Hans Thalhauser im Oktober an den runden Tisch setzen.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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