Chiemsee-Schifffahrt nutzt erneuerbare Energien

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Prien – Die Chiemsee-Schifffahrt hat den Öko-Trend schon vor Jahren entdeckt. Neben der Sonnenenergie macht sich das Unternehmen noch einen nachwachsenden Rohstoff energetisch zunutze: Holz.

„Diese Wolke ist eigentlich geschäftsschädigend“, sagt Michael Feßler, als es im Hafen der Chiemsee-Schifffahrt plötzlich schattig wird. Und er lächelt, denn das Unternehmen hat auf seinen Gebäuden eine der wohl größten Fotovoltaik-Anlagen im Landkreis. Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energien sind im Hafen auch andernorts zu finden.

Es mag eine glückliche Fügung sein, dass der Hafen der Chiemsee-Schifffahrt in Stock am Ostufer des Bayerischen Meeres liegt und die großen Gebäude mit ihrer Längsausrichtung in Ost-West-Richtung nicht nur die Sicht aufs Wasser so wenig wie möglich beeinträchtigen, sondern auch zwangsläufig immer die Hälfte der großen Dächer nach Süden zeigt und so perfekte Voraussetzungen für die Nutzung der Sonnenenergie bietet.

2002 begann die Schifffahrt, ihr Hafengelände neu zu gestalten. Im Laufe von knapp zehn Jahren fielen mehrere, zum Teil über 100 Jahre alte Gebäude und neue entstanden. Die Fotovoltaik zog 2007 im Hafen ein, als die beiden Schiffshütten gebaut wurden. Die Südhälften ihrer Dächer sind auf mehreren hundert Quadratmetern mit Anlagen bedeckt, die Sonnenstrahlen in Strom umwandeln (Kapazität: 81 Kilowatt/peak, kWp). Ein Jahr später wuchs die neue Werft aus dem Boden und wurde ebenfalls mit einer großenflächigen Fotovoltaikanlage bedeckt (63 kWp).

Diese Systeme entstanden zu Zeiten, als das Energie-Einspeisegesetz (EEG) noch vorschrieb, privat erzeugten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Auf 20 Jahre bekommt die Schifffahrt dafür einen festgelegten Betrag pro Kilowattstunde (KWh), der etwa dreimal so hoch ist wie der Preis für den Strom, den sie für ihren Betrieb bezieht.

Beim letzten großen Neubau ist das anders. Zwischen Werft, Verwaltungsgebäude und Schiffshütten ist ein Gebäude entstanden, das den Lokschuppen der Bockerlbahn ersetzt und Kühlräume für die Waren der Schiffskioske ebenso enthält wie Lager- und Mannschaftsräume mit Platz für bis zu 100 Personen.

Nach einer Gesetzesänderung kann die Schifffahrt den Strom, den sie mit der Fotovoltaikanlage auf diesem Dach erzeugt (54 kWp), selbst nutzen. Beim Ortstermin erklärte Michael Feßler der Redaktion, dass mit dem Strom die vier Kühlanlagen mit den Vorräten betrieben werden. Die erzeugen wiederum Abwärme, mit der das Wasser in den Duschen der Mannschaftsräume erwärmt werden soll.

Die Sanitäräume selbst werden per Fußbodenheizung erwärmt, weil die laut Feßler eine deutlich niedrigere Vorlauftemperatur brauchen als herkömmliche Wandheizkörper. Warmes Wasser erzeugt zusätzlich eine Solaranlage auf dem Dach.

Fußbodenheizungen hat die Schifffahrt in vielen neuen Räumen installieren lassen, zum Beispiel auch im Wartesalon. Zudem sind alle Gebäude, die seit 2002 entstanden sind, so gedämmt, dass Feßler zufolge auch durch diese Wand-Isolierungen der Energieverbrauch deutlich reduziert werden konnte.

Neben der Sonnenenergie macht sich das Unternehmen noch einen nachwachsenden Rohstoff energetisch zunutze: Holz. Die Schifffahrt hat es im wahren Sinn des Wortes in großen Mengen vor der Hütte. Im Lager finden sich nicht nur riesige Vorräte alter Stempen von Steganlagen, die zwischenzeitlich erneuert wurden (meist mit Holz aus eigenen Waldbeständen). Beispielsweise auch Holzpaletten von Warenlieferungen werden aufbewahrt, um sie im Winter zu verbrennen.

In der Werkstatt steht seit 1996 ein großer, sogenannter Stückgutofen, in den in der kalten Jahreszeit Feßler zufolge zwischen 100 und 120 Ster Restholz verbrannt werden. Dieser Scheitholzofen hat eine Leistung von 45 kW. Und mit der entstehenden Wärme wird wieder geheizt. Schon mit Beginn der Umgestaltung des Hafens vor neun Jahren hatte das Unternehmen begonnen, ein Netz aus Fernwärmeleitungen unter ihrem Areal zu legen, das mittlerweileso so weit verzweigt ist, dass alle Gebäude ohne großen Aufwand an ein Versorgungsnetz angeschlossen werden könnten. „Es macht doch keinen Sinn, in jedes Gebäude eine eigene Heizung zu bauen“, denkt Michael Feßler wirtschaftlich und praktisch.

Deswegen war er auch stark interessiert an einer Zusammenarbeit mit der Gemeinde, wenn die ihr Hackschnitzelheizkraftwerk (HHKW) gebaut hätte, das im April per Bürgerentscheid abgelehnt worden war. Denn inzwischen stößt die Schifffahrt bei der Selbstversorgung an ihre Grenzen.

Michael Feßler, der schon seit seinem Maschinenbau-Studium mit der Hackschnitzel-Thematik vertraut ist, lässt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung durchklingen, dass das Unternehmen in diese Richtung denkt, um seine Versorgung weiter umzurüsten. Ob ein HHKW dann „nur“ den Hafen oder vielleicht sogar Teile vom Ortsteil Stock mit versorgen soll, darüber darf vorerst noch spekuliert werden.

Das Holz, das die Chiemsee-Schifffahrt jetzt in ihrem Stückgutofen zur Wärmeerzeugung verbrennt, ist dafür auf alle Fälle nicht geeignet, weil es mit Nägeln und Schrauben durchsetzt ist. Aus dem Ofen können solche Fremdstoffe aber zusammen mit der Asche entsorgt werden.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

 

Rubriklistenbild: © dpa

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