Urlaub auf Balkonien?

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Der Chiemsee hat in den Pfingstferien wieder viele Gäste aus nah und fern angezogen. Ob es genauso so viele waren wie in den Jahren zuvor oder ob die Wirtschaftskrise die Urlauberzahlen sinken lässt, wird erst die Auswertung in den nächsten Wochen zeigen.

Prien - Alle reden von der großen Krise. Das Geld ist knapp, viele drehen den Euro zweimal um, ehe sie ihn ausgeben. Verzichten sie heuer auf eine Reise? Streichen sie ihre Pläne, in den Chiemgau in die Ferien zu fahren? Noch lässt sich rund um das Bayerische Meer kein eindeutiger Trend erkennen.

Nur in einzelnen Orten sind die Buchungen, wie eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung ergab, rückläufig.

"Was man feststellen kann, ist, dass Leute öfter Kurzurlaube buchen und sich immer kurzfristiger entscheiden", gibt Eberhard Schuhmann vom Tourismusbüro in Bernau an. "Der normale Urlaub dauert nun eher fünf Tage oder ein verlängertes Wochenende." Ähnliches Verhalten bestätigen auch andere Tourismuszentren der Region.

"Bisher gab es recht wenige Buchungen für den Sommer, während wir letztes Jahr um diese Zeit schon ausgelastet waren", erklärt Tourismusleiter Eduard Klauser aus Grassau. "Also werden die meisten Anfragen wohl kurz vor der Hauptsaison kommen."

Führt die Krise dazu, dass Deutsche ihren Urlaub lieber auf das Inland verlegen? Tourismusdirektor Martin Haßlberger aus Ruhpolding kann keinen Trend erkennen, seien doch heuer kaum "neue Gäste" hinzugekommen. Auch Hans Klauser aus Siegsdorf glaubt, dass eine solche Veränderung eher in größeren Städten feststellbar sei als "auf dem Land". Andere, wie Schuhmann, finden: "Gäste, die früher ins Ausland gefahren sind, bleiben nun." Ferdinand Reb, Geschäftsführer der Priener Tourismusgesellschaft, stellt sogar fest: "Es kommen auch mehr Gäste aus dem Ausland zu uns."

Doch wie haben sich die Buchungen im Vergleich zum letzten Jahr verändert? "Insgesamt ist die Zahl der Buchungen wohl gleich geblieben", schätzt Schuhmann. Denn die Menschen machen seinen Angaben zufolge zwar kürzere Urlaube, dafür aber verreisen sie häufiger.

Dagegen sehen andere Touristinfos eindeutige Einbrüche. "Wir haben einen Rückgang an Gästen und Übernachtungen", sagt Eduard Klauser. Die Buchungen seien im Vergleich zum Vorjahr um bis zu acht Prozent gesunken. Hans Klauser stimmt zu: Wenn man sich die geringe Werberesonanz ansehe und die niedrige Nachfrage bei Vermietern, so sei wohl eher ein "Urlaub auf Balkonien" für die kommende Hauptsaison zu erwarten. Auch Wolfgang Helldobler, der Leiter der Touristinfo in Bergen, verzeichnet zirka zehn Prozent Rückgang zum letzten Jahr. Dennoch vertraut er auf die kurzfristigen Buchungen derjenigen, welche sich in einer unsicheren Finanzlage nicht vorschnell an eine Reise binden möchten.

Andere hingegen stellen kaum Auswirkungen der Krise fest. Hans Schuster, Leiter der Touristinfo Reit im Winkl, vermutet, dass die Zahlen sogar gestiegen seien. "Natürlich sparen die Leute mehr, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, auch an Essen und Aktivitäten, aber noch ist nicht viel zu bemerken. Viele Leute fahren auch lieber jetzt noch mal in den Urlaub." Auch Reb bereitet sich vor: "Wir werden wohl besondere Angebote machen." In jedem Fall müsse spontan und flexibel reagiert werden.

Nur bei den laufenden Pfingstferien sind sich fast alle einig: Die Krise hat noch nicht viel verändert. Warum das so ist, erklärt Haßlberger: "Nur in Bayern und Baden-Württemberg dauern die Ferien zwei Wochen. Deshalb seien kaum Auswirkungen zu spüren." Auch die Leiterin der Touristinfo Marquartstein, Susanne Pfliegl, weiß, dass in den Pfingstferien nicht nur die Krise den Andrang bestimmt. Andere Faktoren seien genauso wichtig: "Es hängt auch hauptsächlich vom Wetter ab."

Sandra Kleinhans

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