Prienavera: Das Dach bleibt vorerst drauf

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Badegäste können sich auch im April, Mai und Juni im Prienavera tummeln. Der Marktgemeinderat hat die geplante Dachsanierung gestoppt. Ein Gutachter soll Mängel beim Bau des Erlebnisbades bestätigen, die ein Ingenieurbüro jetzt bei einer Bestandsaufnahme festgestellt hat. Danach könnte der Markt Prien eventuell Schadensersatzansprüche geltend machen.

Prien - Das Dach des Prienavera wird heuer nicht saniert und erneuert. Der Martktgemeinderat hat das Vorhaben in der jüngsten nichtöffentlicher Sitzung gestoppt.

Ein Ingenieurbüro hatte "offensichtliche Mängel beim Bau" des Erlebnisbades festgestellt. Jetzt sollen Beweise gesichert werden.

Sogar der Termin stand schon fest. Ab 12. April sollte das Erlebnisbad für mindestens zwölf Wochen geschlossen werden. Das hatte Ferdinand Reb, Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH (PTG), noch vor 14 Tagen in der Vermieterversammlung angekündigt.

Dann sollten schadhafte Haltekonstruktionen des muschelförmigen Daches erneuert und auch die transparenten Folien durch modernere ersetzt werden, um künftig Energie zu sparen. Das würde bei gleicher Heizleistung auch dazu führen, dass es in der Halle wärmer wäre als bisher.

Der Termin war mit Bedacht gewählt, denn im Zeitraum April bis Juni sind die Besucherzahlen im Erlebnisbad und die Einnahmeausfälle bei einer Schließung am niedrigsten.

Jetzt verschiebt sich die großangelegte Sanierung wohl um ein Jahr. Das beauftragte Ingenieurbüro Leicht aus Rosenheim hat bei einer detaillierten Bestandsaufnahme "planerische und konstruktive Mängel beim Bau" festgestellt und die Gemeinde darüber in einem Schreiben informiert, sagte Bürgermeister Jürgen Seifert gestern im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Ein wesentlicher Punkt, den das Büro in seinem Brief angeführt habe, sei die "falsche Führung" der Schwitzwasserrinnen, erläuterte Seifert. Sie enden demnach an den tragenden Leimbindern, also den großen Holzbalken. Das hat nach Einschätzung der jetzt beauftragten Experten dazu geführt, dass Schrauben an den Haltepunkten der Dachkonstruktion korridiert haben. Dieser Umstand wiederum war der Auslöser für die Planung der Sanierung.

Eigentlich sollte der Marktgemeinderat am Mittwoch die Bauaufträge vergeben. Aber dieses Verfahren wurde nun gestoppt. Stattdessen beauftragte das Gremium die Verwaltung, bis zur nächsten Sitzung ein so genanntes Beweissicherungsverfahren vorzubereiten, das dann per Beschluss auf den Weg gebracht werden soll. Das bedeutet, dass ein vereidigter Gutachter die gesamte Konstruktion inklusive aller Schäden genau in Augenschein nimmt. Das Ergebnis seiner Untersuchungen würde als Beweis in einem öffentlichen Verfahren gelten.

Zur Frage, ob der Markt Prien Ansprüche geltend machen könnte, wenn der Gutachter die Einschätzung des Ingenieurbüros teilt, wollte sich Seifert gestern nicht abschließend äußern. Es bestehe aber zumindest "berechtigte Hoffnung".

Viele der Firmen, die am Bau des Erlebnisbades in den späten 90er-Jahren beteiligt waren, gibt es heute gar nicht mehr. Auch die Frage einer möglichen Verjährung ist noch nicht geklärt.

Der Bürgermeister beugte außerdem Befürchtungen vor, das Prienavera könnte angesichts der Mängel an der Dachkonstruktion nicht mehr sicher sein. Bauphysiker, Statiker und Ingenieure hätten übereinstimmend festgestellt, dass von den Mängeln keine Gefährdung ausgehe. So sei beispielsweise trotz der eindringenden Feuchtigkeit noch kein Schimmel an den Leimbindern entdeckt worden. Man werde aber bis zur angestrebten Sanierung "mit Argusaugen darauf schauen", dass sich keinerlei Risiken entwickeln können.

Im Haushalt dieses Jahres hatte der Marktgemeinderat 1,05 Millionen Euro für die Sanierung bereitgestellt. Die neuesten Schätzungen des beauftragten Ingenieurbüros hätten ergeben, "dass die Finanzierung nicht gesichert" ist, ließ Seifert gestern durchblicken. Übersetzt: Nach Einschätzung der Experten wird die Sanierung teurer als bisher gedacht.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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