"Die Priener fahren moderat"

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Prien - Beschwerden über Raser gehören im Priener Rathaus zum Alltag. Ein Blick in die Statistik der kommunalen Radarkontrollen zeigt aber, dass zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit ein großer Unterschied besteht.

"Die Priener fahren moderat", fasst Germana Beer vom Ordnungsamt ihre Eindrücke zusammen, wenn sie durch seitenweise Tabellen blättert. Unterm Strich steht die Erkenntnis, dass im Jahr 2010 etwa jeder 20ste Autofahrer im Gemeindegebiet schneller dran war als erlaubt - zumindest bei den Kontrollierten.

Ganz genau 41542 Fahrzeuge passierten im vergangenen Jahr eine der 21 verschiedenen Messstellen, die es mittlerweile in Prien und seinen Ortsteilen gibt. Festgelegt werden sie hinter verschlossenen Türen in Abstimmung zwischen Verwaltung und dem Hauptausschuss. Geblitzt wird im Auftrag der Kommune vom Kommunalen Zweckverband Oberland, der diesen Dienst inklusive der Bearbeitung von Verstößen im Auftrag vieler bayerischer Gemeinden erledigt.

In Prien sind die Mitarbeiter des Zweckverbands bevorzugt im morgendlichen Berufsverkehr im Einsatz und mittags, wenn die Schule aus ist. Mancherorts sind Messungen aus technischen Gründen schlichtweg nicht möglich, weil Kurvenradien zu eng oder gerade Abschnitte zu kurz sind, um verlässliche und belastbare Daten ermitteln zu können.

2078 Fahrzeuge waren 2010 zu schnell dran, als sie vom Radarstrahl der Überwacher erfasst wurden. 194 von ihnen hatten insofern Glück, als dass die Daten nicht verwertet und ihr Verstoß deshalb nicht weiterverfolgt werden konnte - zum Beispiel, weil das Nummernschild verschmutzt und deshalb nicht lesbar war.

1884 Autofahrer, die es eiliger hatten als erlaubt, wurden zur Kasse gebeten. 1166 fuhren bis zu 10 km/h zu schnell, 461 bis 15, 185 bis 20, 47 bis 25 und 18 bis 30 km/h. Ein halbes Dutzend Fahrer überschritt die jeweils zulässige Höchstgeschwindigkeit um 31 bis 40 km/h, ein "Einzeltäter" war über 50 km/h schneller als erlaubt.

Insgesamt haben Beer zufolge 2010 die kommunalen Einnahmen aus Bußgeldern den Betrag überschritten, den der Markt Prien an den Zweckverband für die Überwachung des fließenden Verkehrs bezahlt. Im Frühjahr sollen heuer weitere Messstellen hinzukommen, kündigte Beer mit Verweis auf Beschwerden aus jüngster Vergangenheit an.

Umgekehrt erweist sich manche vermeintliche Rennstrecke als relativ unproblematisch, wenn die Mitarbeiter des Zweckverbands dort ihre Radarfühler ausstrecken. So waren beispielsweise in der Carl-Braun-Straße bei einer Kontrolle von 122 Fahrzeugen, die den Messpunkt passierten, gerade zwei zu schnell, in Stauden nahe des großen Kursaals wurden ein andermal 158 Autos vom Radarstrahl erfasst - alle hielten sich an das Tempolimit.

Um Hinweise und Beschwerden aus der Bürgerschaft einordnen zu können, bevor das festgelegte monatliche Stundenkontingent des Zweckverbands auf noch mehr Messpunkte verteilt wird, nutzt die Gemeinde oft ihr Tempomessgerät, eine Tafel mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige. Nicht selten melden sich Anwohner, die sich wundern, dass dieses Gerät zwar aufgestellt, aber scheinbar nicht eingeschaltet ist. Ist es in der Regel dann doch - nur die Digitalanzeige bleibt dunkel.

Mit einem Wechselspiel zwischen unsichtbarer und sichtbarer Tempomessung will die Gemeinde in Abstimmung mit der örtlichen Polizeiinspektion erkunden, ob Autofahrer ihr Verhalten ändern, wenn ihnen ihre Verfehlung in gelber Leuchtschrift vor Augen geführt wird.

Das Tempomessgerät steht meist länger an der gleichen Stelle - zunächst ohne, dann mit und am Ende wieder ohne Digitalanzeige. So lassen sich Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser erzieherischen Maßnahme gewinnen.

In der Goethestraße beispielsweise erfasste das Gerät an neun Tagen im September etwa 2000 Fahrzeuge, von denen 26 zu schnell waren, und davon wiederum fuhren drei über 60 km/h. In der nahen Schillerstraße ergab sich Wochen davor ein ähnliches Gesamtbild. 1700 Fahrzeuge fuhren höchstens die erlaubten 50 km/h, 28 waren schneller.

Am höchsten war der Anteil potenzieller Temposünder - deren Identität bleibt dem Tempomessgerät grundsätzlich verborgen - in der Tempo-30-Zone der Franziska-Hager-Straße. Innerhalb von neun Tagen wurden 297 Autos mit bis zu 40 km/h, 160 bis 45, 48 bis 50 und sechs Autos registriert, die über 55 km/h fuhren.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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